Gute Fahrt
· 29.12.2025
Der S6 Sportback e-tron basiert auf der gemeinsam mit Porsche entwickelten PPE-Plattform ("Premium Platform Electric"). Diese neue Architektur ermöglicht ein 800-Volt-Bordnetz, das für erheblich verkürzte Ladezeiten sorgt. Der Akku speichert 100 Kilowattstunden brutto beziehungsweise 94,9 kWh netto und lässt sich von zehn auf 80 Prozent in nur 21 Minuten befüllen. Die maximale Ladeleistung erreicht dabei 270 kW.
Das Antriebssystem besteht aus zwei Elektromotoren, die zusammen eine Spitzenleistung von 405 kW (551 PS) entwickeln. Die Synchronmaschine hinten mobilisiert allein bereits 580 Newtonmeter Drehmoment, während die Asynchronmaschine vorn intelligent zuschaltet und weitere 275 Newtonmeter ergänzt. Diese Konfiguration ermöglicht dem 2.378 Kilogramm schweren Fahrzeug eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur 3,9 Sekunden.
Die Reichweite gibt Audi mit 653 Kilometer nach WLTP-Norm an. Im Test erreichte der S6 bei fünf Grad Celsius 418 Kilometer mit einem Verbrauch von 25,4 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Das entspricht einer Abweichung von 56 Prozent zur WLTP-Angabe, liegt aber im Rahmen der winterlichen Testbedingungen. Bei konstanten 130 km/h laut Tacho bestätigt der Bordcomputer Verbräuche von 23 Kilowattstunden.
Audi bietet den elektrifizierten A6 in zwei Karosserievarianten an: als praktischen Avant für 1.650 Euro Aufpreis oder als Sportback-Limousine mit extragroßer Heckklappe. Die Sportback-Variante kombiniert die Eleganz einer Limousine mit der Praktikabilität eines Kombis. Mit einer Länge von 4.928 Millimetern bietet sie ausreichend Platz für den Alltag.
Der Kofferraum fasst zwischen 502 und 1.330 Liter, wobei sich die Rückbank nahezu flach umklappen lässt. Zusätzlich steht der Frontklappe ein 27 Liter großes Fach zur Verfügung. Die Anhängelast beträgt gebremst 2.100 Kilogramm bei einer Stützlast von 100 Kilogramm, was den Transport von drei oder vier E-Bikes auf einem Fahrradträger ermöglicht.
Dennoch bringt die PPE-Plattform Kompromisse mit sich. Der große Akku führt zu einem bauchigen Unterboden, den die Designer zwar mit breiten Seitenschwellern geschickt kaschiert haben. Der hohe Fahrzeugboden macht sich jedoch besonders für die Fondpassagiere bemerkbar, die nicht optimal sitzen können. Auch vorn würden sportlich orientierte Fahrer gern tiefer in die bequemen und vielfältig verstellbaren Sportsitze sinken. Das hoch montierte Armaturenbrett verschärft das Problem der Übersichtlichkeit zusätzlich.
Trotz seines Gewichts von 2.378 Kilogramm zeigt sich der S6 Sportback e-tron erstaunlich agil. Die Luftfederung filtert selbst im Sportmodus kleine Huckel und Kanten effektiv heraus, ohne dabei die sportlichen Ambitionen zu vernachlässigen. Die Gewichtsverteilung liegt bei 49 Prozent vorn und 51 Prozent hinten, was für eine ausgewogene Fahrdynamik sorgt.
Der markentypische Allradantrieb verteilt die Kraft bedarfsgerecht auf beide Achsen. Die Asynchronmaschine vorn schaltet intelligent zu, falls zusätzliche Traktion benötigt wird. So erreicht der S6 eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h und beschleunigt nicht nur von null auf 100 km/h in 3,9 Sekunden, sondern auch im Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h in nur 1,7 Sekunden.
Bei der Akustik setzt Audi neue Maßstäbe. Wind- und Antriebsgeräusche wurden äußerst sorgfältig weggedämmt. Bei 130 km/h messen die Tester schlanke 66 dB(A) im Innenraum. Die automatische Spurmittenführung, die zusammen mit dem Fahrassistent Plus im Tech-Pro-Paket für 4.200 Euro verfügbar ist, bugsiert den S6 souverän selbst durch enge Landstraßenkurven, in denen links eine Spurmarkierung fehlt. Der adaptive Abstandshalter funktioniert geschliffen und entlastet den Fahrer auf der Langstrecke effektiv.
Der S6 Sportback e-tron startet bei einem Grundpreis von 99.500 Euro, der Testwagen kostete 109.930 Euro. Für diesen Preis dürften Kunden mehr sicht- und fühlbare Qualität erwarten. Über den gesamten Innenraum verteilen sich grobe Fugen im groben Hartplastik. Details wie die auffällig platzierten Blindschalter nahe der vorderen Türöffner lassen Liebe zum Detail vermissen.
Auch bei der Modellspezifik hat Audi offenbar im Zuge einer Gleichteilestrategie S6-spezifische Teile eingespart. Mit Ausnahme des Hecks kann der S6 kein einziges fest verbautes S6-Logo vorweisen. Auf Einstiegsleisten und Vordersitzen prangt lediglich ein "S". Die Schürzen gleichen denen des normalen S-line-Modells.
Positiv fällt hingegen die Ausstattung mit teilweise recycelten Stoffen auf, was dem Umweltgedanken entspricht. Die niedrigen Außengeräusche von 67 dB(A) beim Vorbeifahren unterstreichen die Rücksichtnahme auf die Umgebung. Allerdings gewährt Audi nur zwei Jahre Garantie, was bei diesem Preisniveau enttäuscht. In Deutschland entscheiden sich laut Audi rund zwei Drittel der Kunden für den Avant, was zeigt, dass Praktikabilität weiterhin hoch im Kurs steht.