Audi belebt A2-Namen als Elektro-Einstiegsmodell wieder

Gute Fahrt

 · 11.02.2026

25 Jahre  Audi A2
Foto: AUDI AG
Der Hersteller aus Ingolstadt plant die Rückkehr eines historischen Modellnamens. Als rein elektrisches Fahrzeug soll der A2 E-tron noch vor Jahresende vorgestellt werden.

Comeback eines Klassikers in neuem Gewand

Die Marke mit den vier Ringen holt einen traditionsreichen Namen zurück ins Portfolio. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Pause soll der A2 als vollelektrisches Einstiegsmodell wiederkehren. Laut Aussagen von Firmenchef Gernot Döllner gegenüber der Heilbronner Stimme wird das Fahrzeug am Stammsitz in Ingolstadt produziert. Die Präsentation ist noch vor Ende 2026 geplant, der Verkaufsstart soll Anfang 2027 erfolgen. Damit reagiert der Autobauer auf Veränderungen im eigenen Sortiment: Die Produktion von A1 und Q2 läuft Ende 2026 aus, der neue Stromer übernimmt deren Position als Einstiegsangebot.

Der ursprüngliche A2 aus den frühen 2000er-Jahren galt als innovativ, war seiner Zeit jedoch zu weit voraus und blieb kommerziell hinter den Erwartungen zurück. Das neue Modell knüpft bewusst an diese Historie an, interpretiert das Konzept aber zeitgemäß neu. Erste Erlkönig-Aufnahmen zeigen eine kompakte Karosserie mit charakteristischen One-Box-Proportionen. Die kurze Frontpartie und die hohe Dachlinie erinnern an den Vorgänger, während die Gesamterscheinung deutlich bulliger auftritt und Crossover-Elemente integriert. Ein besonderes Detail: Die geteilte Heckscheibe kehrt als Hommage an das Original zurück.

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Intern wird der BMW i3 als Referenzpunkt genannt – ein Fahrzeug, das zwischen 2013 und 2024 gebaut wurde und ähnlich wie der ursprüngliche A2 erst spät die verdiente Anerkennung erhielt. Auch die ersten beiden Generationen der Mercedes A-Klasse mit Sandwichboden dienen als Inspiration. Das Ziel: ein Premium-Raumwunder auf kompakter Grundfläche zu schaffen. Bereits 2019 zeigte der Konzern auf der Auto Shanghai mit der Studie AI:ME eine Vorschau auf diese Formensprache, die den urbanen Raum in den Fokus rückte.

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Technische Basis und Antriebskonzept

Ursprünglich sollte das Fahrzeug auf der zukunftsweisenden SSP-Plattform (Scalable Systems Platform) des Volkswagen-Konzerns basieren. Diese modulare und rein digitale Architektur ist für Ende der 2020er-Jahre vorgesehen und soll die bestehenden Fahrzeugbaukästen ablösen. Aufgrund von Verzögerungen bei der Entwicklung hat sich die Planung jedoch geändert. Stattdessen nutzt der kommende A2 E-tron die bewährte MEB-Plattform (Modularer E-Antriebs-Baukasten), die bereits im VW ID.3, Cupra Born und Q4 E-tron zum Einsatz kommt.

Diese technische Grundlage bringt ein 400-Volt-System mit sich – anders als die 800-Volt-Architektur der SSP- oder PPE-Plattformen. Als Standard ist Heckantrieb vorgesehen. Bei der Motorisierung dürfte der Hersteller auf den neuen, effizienteren APP550-Elektromotor zurückgreifen. Die Leistungsspanne wird zwischen 170 PS in der Basisversion und 286 PS in einer möglichen S2-Variante erwartet. Bei den Batteriekapazitäten orientiert sich das Angebot an den im ID.3 verfügbaren Größen: 59 kWh und 77 kWh netto. Dank der aerodynamisch optimierten Tropfenform könnte die Reichweite mit dem größeren Akku die 600-Kilometer-Marke überschreiten und damit den ID.3 übertreffen. Je nach Konfiguration werden Reichweiten zwischen 400 und 600 Kilometern als realistisch eingeschätzt.

Die Entscheidung für die MEB-Plattform bedeutet einen Kompromiss gegenüber den ursprünglichen Plänen. Während die SSP-Plattform mit 800-Volt-Technik, zentralisiertem Computersystem und Ladeleistungen jenseits der 300 kW aufwarten sollte, bietet die MEB-Basis bewährte, aber weniger zukunftsweisende Technik. Dennoch ermöglicht diese Lösung einen früheren Markteintritt und nutzt bereits erprobte Komponenten aus dem Konzernverbund.

Strategische Neuausrichtung im Einstiegssegment

Mit dem neuen Stromer bereinigt der Autobauer sein Portfolio am unteren Ende. Die beiden bisherigen Einstiegsmodelle A1 und Q2 werden nicht direkt ersetzt, sondern durch ein einzelnes Fahrzeug konsolidiert. Diese Strategie spiegelt die Konzentration auf Elektromobilität wider: Im Jahr 2025 stieg der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge um rund 36 Prozent auf 223.000 Einheiten. Der Anteil am Gesamtabsatz lag damit bei 13,7 Prozent. Für 2026 wird ein Anstieg auf mehr als 15 Prozent erwartet.

Preislich wird das Modell unterhalb des Q4 E-tron positioniert, der aktuell bei rund 46.000 Euro startet. Für den A2 E-tron wird ein Einstiegspreis zwischen 35.000 und 40.000 Euro genannt, wobei verschiedene Quellen von etwa 36.000 Euro ausgehen. Zum Vergleich: Der VW ID.3 ist derzeit ab gut 33.000 Euro erhältlich. Damit richtet sich das Angebot an eine zunehmend preissensible Kundschaft, die dennoch nicht auf Markenimage verzichten möchte.

Anders als beim Original mit seinem konsequenten Leichtbau setzt der Hersteller diesmal auf Marktgängigkeit. Die Kombination aus moderner Technik, praktikablen Reichweiten und Premium-Anspruch soll den Einstieg in die Marke ermöglichen. Innerhalb der Modellpalette füllt das Fahrzeug eine wichtige Lücke und erweitert das elektrische Angebot nach unten. Ob der neue A2 E-tron an die Kultwirkung seines Vorgängers anknüpfen kann, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen stehen jedoch gut: Das Raumwunder-Konzept auf kompakter Grundfläche trifft den Zeitgeist urbaner Mobilität.

Ausblick auf weitere Elektromodelle

Parallel zur Arbeit am A2 E-tron entwickelt der Konzern weitere elektrische Modelle. Nach Informationen der Heilbronner Stimme kommt 2028 der A4 Avant E-tron auf den Markt – als elektrische Variante zum A5 Avant mit Verbrennungsmotoren. Bereits verfügbar ist der A6 Avant E-tron, mit dem die Marke beweist, dass vollelektrische Kombis trotz der SUV-Welle erfolgreich sein können. Der Slogan "Schöne Kombis heißen Avant" aus dem Jahr 1995 bleibt auch in der elektrischen Ära relevant.

Der A4 Avant E-tron wird eine besondere Rolle einnehmen: Er ist das erste Modell der Marke, das die neue SSP-Plattform nutzt. Zudem kommt erstmals die neue Software von US-Partner Rivian zum Einsatz. Standard sind bei dieser Plattform 800-Volt-Technik und ein zentralisiertes Computersystem. Damit sollen Reichweiten um die 800 Kilometer und Ladeleistungen jenseits der 300 kW möglich werden. Durch die neue Software-Architektur können Over-the-Air-Updates in deutlich größerem Umfang als bisher angeboten und Funktionen nachträglich freigeschaltet werden. Firmenchef Döllner spricht von einem "software-definierten Auto", das Komplexität reduziere und Entwicklung sowie Produktion beschleunige.

Die Formensprache künftiger Modelle hat der Hersteller mit der Studie Concept C vorgestellt. Stilbildend sind eine extrem klare Linienführung und der hochkant ausgerichtete Grill. Laut Designchef Massimo Fraschella wird dieser künftig an jedem Modell zu sehen sein. Die einzelnen Elemente wurden so entwickelt, dass sie flexibel eingesetzt werden können – Fahrzeuge im A-Segment unterscheiden sich deutlich von Sportwagen oder SUVs, bleiben aber durch einen gemeinsamen roten Faden verbunden. Beim A4 Avant E-tron wird die sanft nach hinten abfallende Linie samt Dachreling typisch sein. Diese Gestaltungsphilosophie dürfte auch den A2 E-tron prägen, wenn auch in kompakterer Interpretation.


Im Überblick

MerkmalWert
ModellAudi A2 E-tron
PlattformMEB (Modularer E-Antriebs-Baukasten)
AntriebHeckantrieb (Standard)
ElektromotorAPP550 (erwartet)
Leistung Basis170 PS
Leistung Top286 PS (potenzielle S2-Variante)
Batteriekapazität59 kWh / 77 kWh (netto)
Reichweite400-600 km (je nach Konfiguration)
Spannung400-Volt-System
Einstiegspreisca. 36.000-40.000 Euro
PräsentationEnde 2026
MarktstartAnfang 2027
ProduktionsortIngolstadt

Auf einen Blick

  • Audi bringt den A2-Namen nach über 20 Jahren als vollelektrisches Einstiegsmodell zurück
  • Marktstart Anfang 2027 mit Preisen ab etwa 36.000 Euro
  • MEB-Plattform statt ursprünglich geplanter SSP-Architektur
  • Reichweiten bis 600 Kilometer dank aerodynamischer Formgebung
  • Ersetzt auslaufende Modelle A1 und Q2 im Portfolio

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