Gute Fahrt
· 01.09.2025
Der Preisunterschied zwischen Elektroautos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist auf ein historisches Tief gesunken. Nach einer aktuellen Analyse des Center Automotive Research (CAR) in Bochum beträgt die Differenz im August 2025 nur noch 2.243 Euro. "Das ist der geringste Preisabstand, den wir bisher jemals gemessen haben", erklärt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer. Selbst während der Zeit der staatlichen Umweltprämie sei der Aufpreis für Elektroautos höher gewesen.
Die CAR-Analyse betrachtet die Transaktionspreise, also den Listenpreis abzüglich eventueller Rabatte, der jeweils 20 meistverkauften Verbrenner- und E-Modelle. Demnach kostet ein durchschnittliches Elektroauto aktuell 35.353 Euro, während Verbrennerfahrzeuge im Schnitt für 33.110 Euro zu haben sind. Bemerkenswert ist vor allem die rasante Entwicklung: Binnen eines Jahres hat sich der Preisabstand von 7.717 Euro im August 2024 auf nun 2.243 Euro verringert – ein Rückgang um beeindruckende 71 Prozent.
Als treibende Kraft hinter dieser Entwicklung identifiziert die Studie vor allem die deutschen Autohersteller. "Deutsche Autobauer verfolgen immer stärker die Strategie, Elektroautos für Kunden attraktiver zu machen", schreibt Studienautor Ferdinand Dudenhöffer. Besonders Volkswagen und die Konzerntöchter Skoda und Cupra nehmen laut der Analyse eine entscheidende Rolle bei der Steigerung der Attraktivität von Elektroautos ein. Ähnliches gilt für BMW, wobei der Münchner Hersteller vor allem mit hohen Rabatten für seine Elektromodelle punktet.
Interessanterweise hat Tesla, einst Vorreiter der Elektromobilität, an Bedeutung verloren. Dudenhöffer macht dafür eine "schlechte Preisposition" und ein "dünnes Angebot" verantwortlich. Auch chinesische Modelle seien "kaum im Automarkt wahrnehmbar". Das "schräge Vorurteil, die deutschen Autobauer hätten die Elektromobilität verschlafen", gehe schon lange an der Realität vorbei, so das Urteil des Experten. Staatliche Prämien für Elektroautos "sollte man jetzt wirklich nicht mehr fordern".
Ein langjähriges Verkaufshindernis für Elektroautos schwindet allmählich: Das Preisgefälle zwischen E-Fahrzeugen und günstigeren Verbrennern ist erheblich kleiner geworden. Im Schnitt kostete ein Modell der zwanzig meistverkauften Elektroautos nach Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) in Bochum im August noch 2.243 Euro mehr als ein Wagen mit traditionellem Motor. Innerhalb eines Jahres hat sich das Preisgefälle demnach um mehr als zwei Drittel verringert.
Parallel dazu machen technologische Fortschritte das Laden von Elektroautos immer komfortabler. Was bisher als Nachteil gegenüber dem klassischen Verbrenner galt, wird bald kaum noch eine Rolle spielen: Die Ladegeschwindigkeit nähert sich dem Tempo einer Tankfüllung. Bis zum Jahr 2030 seien Ladeleistungen möglich, mit denen sich innerhalb von zehn Minuten bis zu 400 Kilometer Reichweite nachladen lassen, so eine Studie von Strategy&, einer Tochter der Wirtschaftsprüfung und Beratungsgesellschaft PwC.
Auch der Energieverbrauch sinkt kontinuierlich. Der durchschnittliche Verbrauch könnte sich nach Analyse der Studie auf rund 14 Kilowattstunden pro 100 Kilometer einpendeln. Erreicht wird das durch neue Zellchemien, eine effizientere Batteriearchitektur und optimierte Antriebssysteme. Zum Vergleich: Aktuelle Modelle wie der Renault 5 E-Tech Electric verbrauchen im Schnitt 15,2 kWh pro 100 Kilometer.
Zudem werden E-Autos wirtschaftlicher. Bereits heute erreichen viele batteriebetriebene Autos ein mit Verbrennern vergleichbares Gesamtkostenniveau (Total Cost of Ownership, kurz TCO). Bis 2030 sollen sie in sämtlichen Fahrzeugklassen gleichziehen. "Die Lücke zwischen E-Auto und Verbrenner schließt sich", sagt Dr. Jörn Neuhausen, Senior Director bei Strategy& Deutschland.
Die Elektromobilität steht vor einem gewaltigen Wachstumsschub. Bis 2030 könnte sich der mit elektrischen Antriebssystemen für Pkw weltweit erzielte Umsatz mehr als verdoppeln – auf über 630 Milliarden Euro pro Jahr. Damit lägen die Erlöse dieses Bereichs über den heutigen Gesamtumsätzen der drei größten europäischen Automobilhersteller. Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) den weltweit verkauften Neuwagen soll laut einer aktuellen Studie bis 2030 auf rund 40 Prozent steigen, bis 2035 sogar auf etwa 60 Prozent.
Doch das Tempo der Transformation unterscheidet sich regional deutlich. Während China beim Hochlauf batterieelektrischer Fahrzeuge führend ist, verläuft die Entwicklung in Europa und den USA langsamer – vor allem in ländlichen Regionen. Im ersten Quartal 2025 lag der BEV-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen in China bei 26 Prozent. In Europa waren es laut der Studie 15 Prozent, in den USA lediglich 8 Prozent. Auch in absoluten Zahlen liegt China vorn: 2024 wurden dort rund 6,7 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge verkauft – mehr als dreimal so viele wie in Europa (2,0 Millionen) und mehr als fünfmal so viele wie in den USA (1,2 Millionen).
Besonders groß ist der Rückstand Europas bei der Batteriezellproduktion. Rund 70 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten entfallen auf Unternehmen mit Hauptsitz in China, weitere 15 Prozent auf südkoreanische Hersteller und 5 Prozent auf japanische. Europa und die USA sind damit in hohem Maße auf Zulieferer aus Asien angewiesen – mit entsprechenden wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken. "Batteriezellen sind längst kein rein technologisches Thema mehr. Sie sind ein strategisches Gut geworden", sagt Philipp Rose, Director bei Strategy& Deutschland.
Er fordert: Europa muss jetzt handeln – mit Investitionen in eigene Zellfertigung, Forschung und Entwicklung sowie standortübergreifende Partnerschaften mit Industrie, Politik und Kapitalmärkten. "Nur wer die Schlüsseltechnologie Batterie beherrscht, kann sich einen Platz in der globalen Wertschöpfung der nächsten Mobilitätsära sichern".