DiebstahlschutzKein leichtes Spiel für Langfinger

Shirin Soltanabadi

 · 14.03.2025

Diebstahlschutz: Kein leichtes Spiel für Langfinger
Das liebe Auto ist bei Räubern sehr begehrt. Eine Kaskoversicherung zahlt zwar bei Diebstahl – doch sein Hab und Gut zu schützen, bevor etwas passiert, hinterlässt ein deutlich besseres Gefühl. Wir zeigen, was abschreckt

Themen in diesem Artikel

Die gute Nachricht: In den vergangenen 30 Jahren ist die Diebstahlstatistik von weit über 100.000 auf rund 15.000 gestohlene kaskoversicherte Autos im Jahr 2023 zurückgegangen. Die schlechte Nachricht: Das sind laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Und dass in Berlin, statistisch gesehen, alle zwei Stunden ein Auto geklaut wird, beruhigt auch nicht gerade. Die gutgläubige Devise „Wird schon schiefgehen“ schützt eben nicht unbedingt davor, eines Morgens vor einem leeren Parkplatz zu stehen.

Die klassische Brechstange wird dabei von Autodieben immer seltener eingesetzt. Denn mit den zunehmend smarter ausgestatteten Fahrzeugen haben sich auch die Diebe digitalisiert und nutzen nun modernste Technik, um ins Auto zu gelangen. Deshalb ist die wichtigste Info vor allem für SUV- und Wohnmobilfahrer, deren Modelle besonders gern entwendet werden: nicht nur auf eine Maßnahme setzen, sondern mehrere Produkte und Schutzmöglichkeiten kombinieren und es den Langfingern damit schwer machen.

MECHANISCHER SCHUTZ

Was also tun? Auch wenn sie altbacken scheint: Die Lenksäulensperre hat noch lange nicht ausgedient. Mechanische Produkte haben den Vorteil, dass sie nach außen hin sichtbar sind und so auch als Abschreckung dienen. Zu den gängigsten Produkten gehören neben der Lenksäulensperre – entweder als klassischer Rohrstock oder als Scheibenschloss – die Parkkralle, die Schalthebelsperre und die Felgensperre.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Lenksäulensperren und Parkkrallen sind im gut sortierten Fachhandel bereits ab 20 Euro zu haben. Doch auch sie haben ihre Schwächen: Denn statt den Rohrstock sägen clevere Klauer das Lenkrad so, dass der Stock einfach entfernt werden und man immer noch lenken kann – denn die Kosten für ein neues Lenkrad sind nichts im Vergleich zum Wert des Wagens. Die Schalthebelsperre verhindert mechanisch das Gangeinlegen, sowohl bei Handschaltern als auch bei Automatikgetrieben. Es kann jedoch nur von Fachpersonal eingebaut werden. Die Kosten variieren je nach Modell und Auto stark.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Die Brechstange hat ausgedient. Diebe von heute sind verstärkt digital unterwegsFoto: iStock/welcomia, iStock/Motorama, iStock/yasindu costa, Shutterstock/Virrage ImagesDie Brechstange hat ausgedient. Diebe von heute sind verstärkt digital unterwegs

ELEKTRONISCHER SCHUTZ

Die vielleicht wichtigste elektronische Absicherung ist eine Alarmanlage. Mittlerweile überwachen hochmoderne Ausführungen mit Ultraschallsensoren den Innenraum des Fahrzeugs und informieren den Besitzer via SMS bei unbefugtem Zutritt. Manche Anlagen können im Fall eines Einbruchs auch die Stromversorgung des Autos unterbrechen und die Fahrzeugposition via GPS verfolgen. Bei älteren Modellen lässt sich mittels eines mobilen Trackers das eigene Gefährt orten. Die typischen Verstecke wie im Handschuhfach sind aber jedem Einbrecher bekannt oder können ruckzuck durch GPS-Störsender, sogenannte Jammer, unnütz gemacht werden.

Für alle, die eine echte Alarmanlage nachrüsten wollen, empfehlen ADAC-Experten CAN-Bus-Produkte. Diese sind in der Regel einfacher zu installieren und lassen sich durch den Original-Fahrzeugschlüssel entschärfen. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes führt eine Online-Empfehlungsliste für Diebstahlschutzsysteme für Kraftfahrzeuge. Denn nur nach der Richtlinie ECE R116A geprüfte Anlagen sollten – im Bestfall von versierten Händen – eingebaut werden. Ansonsten kann die allgemeine Betriebserlaubnis erlöschen.

WIE GUT IST KEYLESS GO?

Auch wenn es praktisch ist: Das Keyless-Zugangssystem, das mittlerweile selbst bei vielen günstigen Wagen zur Serienausstattung gehört, ist ein Einfallstor für Fahrzeugdiebe. Denn durch eine Sicherheitslücke im System kann die Signalreichweite um mehrere Hundert Meter vergrößert werden. Ein Dieb postiert sich dabei mit einem Reichweitenverlängerer in der Nähe des Schlüssels, der sich nicht in unmittelbarer Nähe des Autos befinden muss und etwa im Hausflur hängen kann. Sein Komplize steht mit einem zweiten Gerät bei der Autotür und kann nun die Tür öffnen und das Auto starten.

Der ADAC prüft kontinuierlich die Sicherheit des Keyless-Systems: Von den bislang 700 getesteten Autos konnten sich nur zehn Prozent gegen den Reichweitenverstärker wehren. Und selbst wenn ein gestohlenes Fahrzeug wieder auftaucht, gibt es keine Aufbruchsspuren – was zu Problemen bei der Schadensregulierung der Versicherungen führen kann. Eine Lösung des Problems bietet die Ultra-Wide-Band-Technik (UWB), die präzise die Entfernung des Schlüssels ermittelt, sodass die Funkverlängerung der Langfinger nicht mehr funktioniert. Seit 2019 werden immer mehr Modelle mit UWB geschützt, darunter auch Volkswagen, Audi, Cupra, Seat und Škoda. Wollen Sie ganz sichergehen, deaktivieren Sie, falls möglich, das Keyless-Schließsystem. Ansonsten gilt: Wer keine zu verschließende Garage besitzt, parkt sein Auto am besten an gut beleuchteten und stark frequentierten Orten. Aktivieren Sie dazu die Feststellbremse und drehen Sie die Räder zur Seite – das erschwert es Dieben, Ihr Auto abzuschleppen.