Fahrbericht Cupra Formentor & Leon / Sportstourer e-HybridWild-Wechsel

Martin Santoro

 · 22.10.2020

Fahrbericht Cupra Formentor & Leon / Sportstourer e-Hybrid: Wild-Wechsel

Der Formentor ist das erste eigen­ständige Modell der Seat-Sportmarke Cupra – ein erster Fahrbericht mit der 310 PS starken Topversion! Außerdem waren wir mit dem neuen Cupra Leon als Plug-in-Hybrid mit 245 PS unterwegs

Seats Performance-Abteilung Cupra firmiert seit bald drei Jahren als eigenständige Marke. Seither verkauften die spanischen Dynamiker mehr als 55.000 Fahrzeuge, darunter den 300-PS-Ableger des kompakten Ateca. Seine Verkaufzahlen sind prächtig, er wurde als erstes Modell mit dem markanten Cupra-Emblem in Kupfer an Bug und Heck geadelt. Diesen Ritterschlag erhielten nun auch die Sportversionen der Newcomer Seat Leon und Leon Sportstourer, die für erste Proberunden in Oberbayern bereitstanden. Doch auf die Löwen im Cupra- Stall kommen wir gleich zurück.

Verlagssonderveröffentlichung
Mit einem Kofferraumvolumen von 420 Litern ist das kompakte Crossover Utility Vehicle für den Alltag ausreichend gewappnet
Foto: Cupra

Unsere Neugier gilt zunächst dem ersten eigenständig entwickelten Modell der Katalanen – dem Formentor. Das nach einem wildromatischen Kap auf Mallorca benannte, 4,45 Meter lange CUV mit seiner athletischen Karosserie und dem flachen, coupéhaften Dach wird seine Klasse höchstwahrscheinlich nachhaltig prägen. Obwohl der Cupra Formentor auf den leichtgewichtigen Komponenten des Modularen Querbaukastens MQB Evo fußt, hat er hier ein Leergewicht von 1.644 Kilogramm. Bewegt werden die jedoch in der Topversion (43.953 Euro) mit 310 Turbo-PS und maximal 400 Nm (2.000 bis 5.450/min). Das ist gut für einen Sprintwert vom Stand auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden. Bei 250 km/h wird dem Vortrieb elektronisch Einhalt geboten, wobei er diese Marke gefühlt mühelos erreicht, so kräftig stürmt er voran. Erfreulich auch, dass das Coupé-SUV nicht nur losgeht wie die Feuerwehr, sondern seine Leistung über ein Siebengang-DSG sortiert und dank des variablen Allradantriebs völlig verlustfrei auf die Straße bringt. So lässt sich sein Potenzial sicher nutzen und ausschöpfen. Und das gilt bei Weitem nicht nur für Geradeausfahrten und eiligen Autobahnetappen. Insbesondere auf einem abgesperrten, mit Hütchen und Curbs kurvig abgesteckten Dynamik-Parcours begeistert der Formentor mit quirligem Einlenken, unerschütterlichem Grip bei Kurvenfahrten und präzisen Reaktionen auf die Impulse des Fahrers. Beim Ausloten des fahrdynamischen Limits wird deutlich, wie hoch die möglichen Kurvengeschwindigkeiten liegen. Klasse: Hier gibt es reichlich Reserven.

Da geht was!

Wer es dennoch schafft, bis an die Haftgrenze vorzudringen, muss keine Überraschungen fürchten. Sanft untersteuernd kündigt das spanische Vollblut seinen Grenzbereich an, dreht auf provozierte Lastwechsel hin leicht in die Kurve ein. Er lässt sich selbst beim Hineinbremsen in Biegungen nicht aus der Spur bringen. Kurz: Der Formentor bleibt stets auf der sicheren Seite. Im übrigen lässt sich das ESP-System per Schnellwahltaste auf der Mittelkonsole deaktivieren und wieder zuschalten. Gut zu wissen ist auch, dass die Brembo-Bremsanlage (optional vorn, 2.261,51 Euro) verlässlich zupackt und den potenten Cupra zügelt.

Abgesehen von den 19-Zoll-Rädern mit rundum griffigen 245/45er-Pneus verdankt er seine formidablen Fahreigenschaften dem sauber abgestimmten Fahrwerk. Das Topmodell glänzt dank adaptiver Dämpferregelung in Serie mit einem überzeugenden Abrollkomfort. Natürlich ist der Formentor grundsätzlich straff abgestimmt, doch wird er nie ungebührlich hart oder grob, filtert die meisten Fahrbahn-Stöße gekonnt. Nur wer die Dämpfer am virtuellen Schieber des TFT-Bildschirms entgegengesetzt der Markierung „Cupra“ voll auf Anschlag rückt, wird verwundert sein, wie wellig eine augenscheinlich ebene Straße sein kann. Daher wählt man besser eine mittlere Einstellung des Dämpfer-Setups. So bleibt der Aufbau ruhiger, was Komfort und Fahrstabilität gleichermaßen fördert. Um den basslastigen Ton des aufgeladenen Vierzylinders voll auskosten zu können, empfiehlt sich im „Drive Profile“-Programm auf „Cupra“ scharf zu schalten. Das geht flink auf Tastendruck mit dem linken Daumen – wie bei Porsche befindet sich am Lenkrad ein runder Satelliten-Schalter mit Cupra-Logo für die Wahl der Fahrmodi. Die kernige Klangkulisse erwacht und zelebriert mit jedem Gasstoß ein Stakkato in bester GTI-Manier. Im Standard-Programm indes reduziert sich das Geräusch auf ein dezentes, langstreckentaugliches Grummeln. Seine Kraft und das willige Ansprechverhalten erkauft sich der Turbo mit vertretbaren Verbrauchswerten. Nach NEFZ liegt dieser kombiniert bei 7,7 Litern Super, der WLTP-Schnitt kommt auf 8,6 Liter Super Plus. In Anbetracht der zelebrierten Fahrfreude ist das sicher nicht zu viel.

Fahrspaß mit E-Unterstützung

Als Ergänzung zu diesem extrasportlichen Antrieb wird es 2021 unter anderem einen 245 PS starken, auf CO2-Reduzierung ausgelegten Plug-in-Hybriden geben, der dank 13 kWh großer Batterie rund 50 Kilometer elektrisch fahren kann. Die Systemleistung liefert ein 1,4-Liter-TSI im Verbund mit einer 116 PS starken E-Maschine. Ihre Momente werden gebündelt von einem flott schaltenden Siebengang-DSG portioniert.

Einen ersten Eindruck mit dieser doppelten Motorenstrategie vermittelte eine ausgiebige Tour im Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid. Somit eröffnet die Marke Cupra ihren sportlich ambitionierten Kunden das Tor zum elektrifizierten Fahren ohne Reichweiten-Angst. Der Plug-in-Hybrid gilt als optimaler Kompromiss für E-Auto-Skeptiker, die fossilen Kraftstoff sparen, staatliche Förderung kassieren, aber nicht auf uneingeschränkte Langstrecken-Mobilität verzichten wollen. Wir haben den Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid ohne einen Stopp an der Ladesäule bewegt, sind innerstädtisch rein elektrisch gefahren, wechselten auf Landstraßen- und Autobahn-Etappen zwischen Hybrid-
Modus und Batterieladung „halten“. Maximal 4,2 Liter Super zeigte der Bordcomputer als Durchschnittsverbrauch nach rund 50 Kilometern an. Das ist für einen sportlich orientierten und bis zu 225 km/h schnellen Kombi der Kompaktklasse absolut angemessen. Der angegebene NEFZ-Verbrauch von 1,6 Litern und 11,8 kWh Strom auf 100 Kilometer ist sicher nur ein theoretischer, aber physikalisch erreichbarer Wert. Ohne externen Ladestrom lag der Verbrauch nach weiteren 40 Kilometer Fahrt bei maximal 6,5 Litern. Auch mit leerer Batterie spart der Benziner, weil die Rekuperationsphasen im Schiebebetrieb und beim Bremsen der Batterie wieder Energie zuführen, die dann beim Anfahren zur Verfügung steht. Im Cupra Leon e-Hybrid arbeiten beide Systeme perfekt zusammen – Arbeitsteilung in ihrer besten Form.

Doppelherz mit 400 Nm Drehmoment

Dass der kleine Vierzylinder nicht allein zum Spritsparen animiert, lässt seine Cupra-DNA den Fahrer bei forscher Gangart spüren. Stets nimmt der 1,4-Liter seine Arbeit mit Unterstützung der E-Maschine verzögerungsfrei auf. Dabei gibt er sich kultiviert und drehfreudig. Die sieben Gänge des serienmäßigen DSG-Automaten schalten im Sport- und Cupra-Modus schön knackig und schnell. Nur der Sound des Cupra Leon ist im Vergleich zum vorher gefahrenen Formentor trotz zugeschaltetem Soundgenerator nicht ganz so präsent. Das Sprintvermögen des Fronttrieblers von 7,0 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 glauben wir ihm sofort. Hierbei ist der leichtere und um 26 Zentimeter kürzere Viertürer lediglich um drei Zehntel schneller, dafür packt sein Kofferraum mit 270 Litern ganze 200 Liter weniger als der Kombi. Fahrdynamisch dagegen herrscht bei identischem Radstand (2.683 Millimeter) Gleichstand, zumindest auf Landstraßen und Autobahn. Mit dem serienmäßigen Adaptiv-Fahrwerk DCC ist die Dämpfung des Cupra Leon für jedes Terrain in 15 Abstufungen einstellbar. Der Comfort-Modus hat langstreckentaugliche Qualitäten, trotz Serienräder im großen 19-Zoll-Format. Auf „Sport“ und „Cupra“ geht es knackiger zu, was gerade auf schnell gefahrenen Kurven ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Letztlich sind beim Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid keine fahrdynamischen Abstriche erkennbar, nur weil man in einem fossile Brennstoffe sparenden Kombi unterwegs ist. Im Gegenteil. Cupra mixt Sport mit Vernunft. Was 2021 noch folgt, sind reine Zweiliter-Verbrenner mit 245 bis 310 PS. Die Topleistung erhält exklusiv der Sportstourer mit 4Drive und DSG wie beim Formentor. Den kurzen Löwen bringt Cupra auf maximal 300 PS mit Frontantrieb und DSG.

Auch abseits der Plug-in-Technologie hat der Cupra Leon überzeugt. Der exzellent ausgestattete Innenraum mit zahlreichen Cupra-Extras, wie kupferfarbenen Zierrat, das Platzangebot, die ergonomisch gestalteten Bedienelemente und hochwertige, handwerklich überzeugend verarbeitete Materialien heben ihn vom Klassendurchschnitt heraus. Auch preislich. Für den Cupra Leon Sportstourer sind 39.048 Euro anzulegen, der kompakte Viertürer ist rund 1.232 günstiger.

Mit Leon und Formentor hat Cupra weiterhin beste Chancen den Erfolgskurs fortzusetzen.