Gute Fahrt
· 08.01.2026
Der Audi Concept C markiert einen radikalen Wandel in der Formensprache der Ingolstädter. Nach Jahren austauschbarer Volumenmodelle setzt Designchef Massimo Frascella auf Klarheit und Reduktion. Das "C" im Namen steht bewusst für "Clarity" und diese Philosophie durchzieht das gesamte Fahrzeug. Der neue "Vertical Frame" ersetzt den breiten "Single Frame" und orientiert sich an den legendären Silberpfeilen der Vorkriegszeit, als Audi gemeinsam mit Mercedes die Rennstrecken dominierte.
Die Karosserie wirkt organischer und weniger geometrisch als der ursprüngliche TT, behält aber dessen cleane Ausstrahlung. Charakteristisch sind die Kühlrippen auf dem fensterlosen Rücken, die direkt von den historischen Rennwagen stammen. Die dunkle, schlanke Plastik-Plakette soll künftig alle Audi-Modelle prägen, unabhängig von Antriebsart oder Fahrzeugkategorie. Frascella, der Erfahrungen aus seiner Jaguar-Zeit und der Arbeit am Type 00 mitbringt, schafft damit eine neue visuelle Identität für die Marke.
Das faltbare Hardtop verwandelt das Coupé per Knopfdruck in einen Roadster und unterstreicht die Vielseitigkeit des Konzepts. Die Proportionen des 4,50 Meter langen Zweisitzers wirken ausgewogen und sportlich, ohne übertrieben oder aggressiv zu erscheinen. Audi demonstriert damit, dass Elektromobilität nicht zwangsläufig zu schwerfälligen SUV-Proportionen führen muss.
Trotz seines Status als Showcar überzeugt der Concept C mit überraschend ausgereifter Fahrdynamik. Das Gewicht von 1.700 Kilogramm ist für ein Elektroauto bemerkenswert niedrig und die zentrale Platzierung der Batterie hinter den Sitzen sorgt für eine optimale Gewichtsverteilung. Diese Anordnung unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen E-Autos, bei denen die Batterie im Fahrzeugboden liegt.
Der Heckantrieb macht das Fahrzeug agiler als die traditionellen Quattro-Modelle der Marke. Die Lenkung reagiert präzise und direkt, ohne die Beliebigkeit aktueller Audi-Modelle. Schon nach wenigen Metern entsteht eine enge Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug. Die Beschleunigung erfolgt intuitiv und die Querkräfte bleiben minimal, was das Vertrauen in engen Kurven stärkt.
Das 800-Volt-Ladesystem verspricht kurze Ladezeiten und orientiert sich an den Standards der Porsche-Kooperation. Die genauen Leistungsdaten hält Audi noch Verschluss, doch die Fahreindrücke lassen auf deutlich mehr als die 400 PS des letzten TT RS schließen. Die Beschleunigung übertrifft selbst sportliche Referenzmodelle und sorgt für echte Begeisterung. Dabei bleibt das Fahrzeug auch bei höheren Geschwindigkeiten stabil und berechenbar.
Das Interieur des Concept C folgt konsequent der Clarity-Philosophie. Statt digitaler Überfrachtung gibt es nur wenige, dafür hochwertige Bedienelemente. Die Schalter fühlen sich authentisch an und erzeugen beim Betätigen charakteristische Geräusche, die zu einem haptischen Erlebnis werden. Diese Rückbesinnung auf physische Bedienung kontrastiert bewusst mit dem Touchscreen-Trend der Branche.
Der kleine Bildschirm verschwindet auf Knopfdruck im Armaturenbrett und eliminiert damit jede Ablenkung vom Fahren. Ein zweiter Knopfdruck öffnet das Dach und verwandelt das Coupé in einen Roadster. Diese einfache Bedienung unterstreicht den Fokus auf das Wesentliche. Ohne störende Displayinhalte konzentriert sich der Fahrer vollständig auf die Straße und das Fahrerlebnis.
Die Sitzposition ist sportlich aber komfortabel, die Materialien hochwertig verarbeitet. Audi verzichtet bewusst auf überflüssige Dekorelemente oder komplexe Menüstrukturen. Das Ergebnis ist ein Arbeitsplatz, der zum Fahren einlädt und alle anderen Aktivitäten in den Hintergrund drängt. Diese Purismus erinnert an die besten Zeiten des ursprünglichen TT, als Fahren noch Selbstzweck war.
Der Concept C soll in zwei Jahren als Serienmodell auf den Markt kommen und dabei sowohl TT als auch R8 ersetzen. Diese Doppelrolle erklärt die Kooperation mit Porsche, deren elektrische Nachfolger von Boxster und Cayman auf derselben Plattform basieren werden. Nur durch diese Zusammenarbeit lässt sich ein derartiges Nischenprojekt wirtschaftlich darstellen.
Vorstandschef Gernot Döllner positioniert das Fahrzeug als Leuchtturm für die neue Audi-Ära. Nach Jahren austauschbarer Modelle soll der Concept C wieder Emotionen wecken und die Marke als Stilführer etablieren. Die Straßenzulassung des Showcars unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieser Absichten. Audi plant bereits die 400 Kilometer lange Rückfahrt nach Ingolstadt mit dem Prototyp.
Der Verzicht auf den charakteristischen Fünfzylinder-Sound stellt jedoch eine große Herausforderung dar. Auch der beste Synthie-Sound kann die akustische Gänsehaut des Originals nicht ersetzen. Ob das Zwitschern der Vögel oder das Rauschen des Herbstlaubes im offenen Fahrzeug langfristig überzeugen, bleibt abzuwarten. Audi geht bewusst das Wagnis eines offenen elektrischen Sportwagens ein und hofft auf eine neue Generation von Enthusiasten, die andere Prioritäten setzt als die TT-Käufer der Vergangenheit.