50 Jahre Audi 80Fahrt an die Spitze der Mittelklasse

Martin Santoro

 · 19.08.2022

50 Jahre Audi 80: Fahrt an die Spitze der MittelklasseFoto: Archiv Audi, Santoro (1)

Mit stilprägendem Design, neuer Sachlichkeit und mit fortschrittlicher Frontantriebstechnik etablierte sich der Audi 80 vor 50 Jahren als Mittelklasse-Besteller. Eine Rückschau zum Jubiläum des Ahnherren der A4-Baureihe

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Foto: Archiv Audi, Santoro (1)

Hurra, der Achtziger wird fünfzig! Der im Sommer 1972 enthüllte Audi 80 wurde Vorreiter eines Baukastensystems, mit dem Käfer-Gigant Volkswagen den Wechsel zu Wasserkühlung und Frontantrieb einleitete. Die Wolfsburger erkannten das Potenzial der Neuentwicklungen, die in dem neuen Audi steckten. VW überarbeitete den Ingolstädter geringfügig, versah ihn mit einem Schrägheck und präsentierte ihre Version auf der IAA 1973 – als VW Passat. Die Fachpresse feierte noch im gleichen Jahr den Audi 80 als neuen Klassenprimus und zeichnete ihn mit dem damals wichtigsten Medienpreis zum „Auto des Jahres“ aus. Kultstatus erlangte der Audi auch in den USA, wo er, als „Fox“ vermarktet, in der Werbung auf Fuchsjagden die Detroiter Straßen- kreuzer gekonnt austrickste.

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Den Antrieb entwickelte Konstrukteur Franz Hauk mit einem hocheffizienten Vierzylinder-OHC-Motor mit Zahnriemenantrieb für die obenliegende Nockenwelle. Der intern EA 827 benannte Benziner galt nicht nur als potenzieller Kilometermillionär, er wurde auch zum meistgebauten Triebwerk im Volkswagen-Konzern, der 1974 auch den neuen Golf in Fahrt brachte. Im Audi 80 gab es ihn in Leistungsstufen von 55 bis 110 PS. Genügend Kraft für flotte Fahrleistungen und dennoch niedrige Verbrauchswerte, war die nur 835 Kilogramm wiegende Mittelklasse- Baureihe – intern B1 bezeichnet – doch ein Beispiel für erfolgreichen Leichtbau. Ein Jahr nach der Ölkrise (1973/74) debütierte der Audi 80 GTE mit Bosch-Einspritzung und 110 PS. Sein legendäres 1,6-Liter-Kraftwerk, das auch den ersten Golf GTI befeuerte, betonte einmal mehr die technische Verwandtschaft zwischen Volkswagen und Audi.

Bemerkenswert waren auch die innovative Fahrwerkstechnik mit negativem Lenkrollradius, um Antriebseinflüsse zu reduzieren. Hinzu kommt eine Verbundlenker-Hinterachse, die konventionellen Starrachsen in Fahreigenschaften und Komfort überlegen war.

B1 wird Stückzahlmillionär

Auch Abwehrmaßnahmen gegen die „braune Pest“ zählten zu den fortschrittlichen Entwicklungen aus Ingolstadt. Rascher Rostbefall verkürzte damals geradezu dramatisch bei fast allen Herstellern die Lebenserwartung neuer Modelle. Erstmalig bei Audi wurde die Karosserie des Typ 80 an kritischen Stellen mit Zinkstaubfarbe behandelt und ein PVC-Unterbodenschutz aufgetragen. Frühe Vorboten der späteren Voll-
verzinkung, mit der man dem Korrosionsproblem bis heute begegnet. Bis zur Einführung des Audi 80 der zweiten Serie B2 im Jahr 1978 wurden vom B1 ganze 1.103.766 Exemplare gebaut.

Dem eher zierlichen Stückzahl-Millionär folgte ein deutlich stattlicherer Nachfolger, der sich mit 4,40 Metern ganze 22 Zentimeter länger streckte und als Viertürer die Gewichtsklasse über 900 Kilogramm erreichte. Passend dazu gab es den Neuen ab Herbst 1981 auch mit einem 115 PS starken und repräsentativen Fünfzylinder-Motor sowie eine edle CD-Ausstattung. Nach einer optischen und technischen Auffrischung wurde diese Motorisierung drei Jahre später sogar als eigene Reihe unter dem Namen Audi 90 weitergeführt. Der 90er spielte allerdings nie mehr als eine Nischenrolle, wohingegen der 80er mit über 1,3 Millionen gebauten Autos zum Volumenmodell avancierte. Darunter waren auch Spritsparversionen, die mit damals neuartigem Start-Stopp-System, Schaltpunktanzeigen und Fünfgang-Getrieben in sogenannter 4+E-
Version Normverbräuche von 5,1 Litern Benzin beziehungsweise 4,2 Liter Diesel erzielten. Der Diesel debütierte 1981 im Audi 80 CL erstmals mit einem 70 PS starken 1,6-Liter Selbstzünder und Turboaufladung. Damals ein konkurrenzloses Angebot in der Mittelklasse. Gleiches gilt für den traktionsfördernden Quattro-Allradantrieb, der 1982 als Audi 80 Quattro 5E mit einem 136 PS starken Fünfzylinder startete.

Durch den enormen Erfolg der Limousine weitet Audi die Baureihe mit neuen Karosserievarianten aus: Ab August 1980 startete das sportliche Coupé, ein Cabriolet folgte mit der Generation B4 1991, gefolgt vom Avant ab Herbst 1992. Ein Kombi krönte die Baureihe 1994 als RS Avant. Mit seinem 315 PS starken Fünfzylinder, den Porsche überarbeitete, erlangte das Modell rasch Kultstatus. Mit Änderung der Nomenklatur führt seit 1995 der A4 die Erfolgsgeschichte von Audis Mittelklasse weiter an.