ALLRAD-FAHRTIPPSNur die Ruhe

Jürgen Pander

, Martin Wittler

 · 28.02.2025

ALLRAD-FAHRTIPPS: Nur die Ruhe
Da soll’s wirklich langgehen? Diese Frage rast einem beim ersten Mal auf einer Offroad-Strecke ständig durch den Kopf. Gut, dass es Regeln gibt, die einen heil durchs heikle Terrain bringen

Themen in diesem Artikel

Wer beruflich mit dem Thema Offroad-Fahren zu tun hat, kennt solche Geschichten zuhauf: Autos, die sich im Schlamm festgefahren oder bis zu den Radnaben in Sandkuhlen eingegraben haben; die bei zu krassen Schrägfahrten umgekippt sind; oder die bei zu forscher Fahrt durchs Wasser abgesoffen sind, kapitaler Motorschaden inklusive. Oder Anekdoten von abgerissenen Frontspoilern an zu steilen Rampen, von bösen Kratzern über die gesamte Flanke oder üblen Aufsetzern auf Steinbrocken. Fast immer ist bei solchen Zwischenfällen Übermut im Spiel, manchmal Unwissenheit, mitunter beides.

Paulo Duarte kennt als Offroad-Instruktor alle Tipps für sicheres Fahren im GeländeFoto: Charalampos PapadopoulosPaulo Duarte kennt als Offroad-Instruktor alle Tipps für sicheres Fahren im Gelände

„Dabei lassen sich kritische Situationen beim Fahren im Gelände fast immer vermeiden, wenn man ein paar Grundregeln beachtet“, erklärt Paulo Duarte, einer der Offroad-Instruktoren der Autostadt in Wolfsburg. Den Reiz, ein Fahrzeug über unbefestigten Untergrund zu bewegen, lernte er bei einem Geländewagentrip auf Ibiza kennen, kurz nachdem er den Führerschein gemacht hatte. Inzwischen begleitet der 55-Jährige seit nunmehr 23 Jahren Geländefahrerinnen und -fahrer bei ihren Touren über die Offroad-Parcours der Autostadt am Mittellandkanal, erteilt Offroad-Fahrstunden und Fahrsicherheitstrainings, gibt Tipps, testet neue Offroad-Fahrhilfen und sorgt in jeder Hinsicht für ein sicheres Vorwärtskommen auf heiklem Terrain.

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DIE GOLDENEN REGELN BEIM FAHREN IM GELÄNDE

Fragt man Duarte nach einer goldenen Regel, die es beim Fahren im Gelände zu beachten gilt, sagt er, ohne zu zögern: „Ruhe bewahren und Geduld haben!“ Der Grundsatz ist bereits vor dem Losfahren wichtig, denn zunächst einmal sollte sich jeder, der abseits befestigter Straßen unterwegs sein will, mit dem Auto vertraut machen. Hat der Wagen Allradantrieb? Wie lassen sich eventuelle Sperren oder eine Untersetzung aktivieren? Gibt es ein Offroad-Fahrprogramm (falls ja: unbedingt einschalten)? Wie groß sind Böschungswinkel, Rampenwinkel, Kippwinkel und Wattiefe des Wagens? „Es ist wichtig, dass diese Details vor einem Offroad-Einsatz geklärt sind“, sagt Duarte. „Und dann ist es so weit: Anschnallen, Fenster schließen, das Radio ausschalten und die Parksensoren deaktivieren – es kann losgehen.“

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Vorausschauendes Fahren, das Beherrschen des Fahrzeugs und vor allem Gelassenheit sind bei Geländefahrten mindestens ebenso wichtig wie beim Fahren auf öffentlichen Straßen. Was neu hinzukommt, ist die Abenteuer-Komponente. Duarte erklärt das so: „Beim Offroad-Fahren ist es entscheidend, den Untergrund richtig einzuschätzen. Je loser und lockerer die Piste, desto gleichmäßiger sollte man fahren. Und wenn es steil nach oben geht, benötigt man etwas Schwung.“ Je unübersichtlicher und rauer das Gelände wird, desto sinnvoller ist es, den Kurs erst einmal zu Fuß abzugehen und die Strecke zu begutachten. Außerdem empfiehlt es sich, dass in engen oder kniffligen Passagen jemand von außen den Menschen am Steuer einweist. „Dabei ist es wichtig“, so Duarte, „dass man unmissverständliche Handzeichen vereinbart, sodass eindeutig klar ist, ob es geradeaus, nach rechts oder links, schneller oder langsamer weitergehen soll.“

Wer mit dem Auto Herausforderungen gemeistert hat, freut sich über das ungewöhnliche Erlebnis hinterm Steuer. „Nach meiner Beobachtung“, sagt Offroad-Profi Paulo Duarte, „fährt man nach einem Tag im Gelände auch auf der Straße ein bisschen sicherer und bewusster. Und in jedem Fall kennt man sein Auto besser.“

KURZ UND KNAPP: DIE 5 REGELN FÜR OFFROAD-FAHRER

  1. Das Auto kennen und Offroad-Fahrhilfen nutzen!
  2. Ruhig, kontrolliert und besonnen fahren!
  3. Den Blick stets dorthin lenken, wohin man fahren möchte!
  4. Jede unübersichtliche Passage vorab in Augenschein nehmen!
  5. In kniffligen Situationen die Hilfe eines Einweisers nutzen!

SO GEHT’S RICHTIG DURCHS GELÄNDE

Steile Rampen, kritische Schräglagen, größere Hindernisse in der Spur oder Wasserdurchfahrten: vier Situationen, in denen Offroad-Neulinge ins Schwitzen kommen – aber für die unser Instruktor Paulo Duarte natürlich eine Lösung hat

1. Rampen

Wenn es steil hinaufgeht, sollte man darauf achten, dass kräftiges Einfedern vermieden wird, wenn die Vorderachse den Beginn der Steigung erreicht. Zugleich benötigt man bergauf ausreichend Drehmoment, also eher einen kleinen Gang einlegen. Bei losem Untergrund sollten auch die Sperren aktiviert sein. Falls man die Steigung nicht auf Anhieb hinaufkommt, muss man anhalten, den Rückwärtsgang einlegen und dann kontrolliert – die Bergabfahrhilfe arbeitet auch bei eingelegtem Rückwärtsgang – wieder nach unten rollen, um es noch einmal zu probieren.

gutefahrt/7iv9160_4fe0f133c5dd617dd07a5283f9636617Foto: Charalampos Papadopoulos

2. Hindernisse

Auch hier gilt die Grundregel, behutsam und langsam an den Felsblock oder den Baumstamm heranzufahren. Wann immer es möglich ist, sollte man ein Hindernis so anfahren, dass jeweils nur ein Rad davon betroffen ist, während die anderen Räder sicher Bodenkontakt halten und Vortrieb gewährleisten können. Beim Überfahren von Hindernissen möglichst wenig lenken.

gutefahrt/7iv9319_66fd97f31a7a6a53a673d72e77ff86d1Foto: Charalampos Papadopoulos

3. Wasserdurchfahrten

Unbekannte Gewässer sollte man ausschließlich nach einer Begehung durchfahren, um sicherzustellen, dass das Wasser nicht zu tief ist und dass sich unter der Wasseroberfläche keine Felsen oder andere Hindernisse befinden. Bei Wasserdurchfahrten in einem Offroad-Parcours ist es wichtig, dass die Wattiefe des Wagens die Passage zulässt. Ist das der Fall, langsam ins Wasser rollen und mit konstantem Tempo durchfahren. Auf keinen Fall darf Wasser über die Motorhaube schwappen. Im Wasser nicht kuppeln oder schalten!

gutefahrt/a744102_17dc14ce0310d03cac58c74bc63df704Foto: Charalampos Papadopoulos

4. Schräglagen

Bei Schrägfahrten ist eine Einweiserin oder ein Einweiser draußen vor dem Auto besonders hilfreich, denn auf dem Fahrersitz fühlt es sich meist extremer an, als es tatsächlich ist. In jedem Fall sollte man in Schräglage sehr behutsam und langsam fahren. Und wenn man das Gefühl hat, dass das Auto gleich kippen könnte, dann nach unten in die potenzielle Fallrichtung lenken.

gutefahrt/a744186_69c381928abfd5a1e5becfb954d17832Foto: Charalampos Papadopoulos