Herr Buk, Sie kennen die Marken Seat und Cupra ja schon gut. Haben Sie Pläne oder Ideen, etwas zu ändern?
Alexander Buk: Natürlich liegt die Latte sehr hoch. Aber dieser Herausforderung war ich mir bewusst, als ich mich entschieden habe, die Geschäftsführung zu übernehmen. Bei Cupra verfügen wir inzwischen über eine komplette Modellpalette. Seit Gründung der Marke vor etwa sechs Jahren haben wir bereits mehr als 250.000 Cupra in Deutschland verkauft – eine enorme Zahl für eine Marke, die es zuvor noch nicht gab. Bei Seat sehe ich ebenfalls weiterhin großes Potenzial in der jungen Zielgruppe. Wichtig ist, dass wir bezüglich beider Marken authentisch bleiben und weiter Gas geben. Cupra ist die Brand für junge, nonkonforme Menschen, die den Status quo hinterfragen, aber so langsam auch erwachsen werden. Seat versprüht Lebensfreude, mediterranes Flair und ist die Einstiegsmarke in den Volkswagen Konzern.
Der Flottenanteil liegt derzeit bei etwa 40 Prozent. Sehen Sie in diesem Bereich Chancen auf Wachstum, und wenn, wie soll es erreicht werden?
Alexander Buk: Wir befinden uns mit den Marken sowohl im Privatkunden - als auch im Flottenmarkt auf Wachstumskurs. Hier erfreuen sich die praktischen Kombi-Modelle weiterhin großer Beliebtheit und mit dem Seat oder auch dem Cupra Leon Sportstourer haben wir zwei attraktive Modelle für unterschiedliche Zielgruppen im Angebot – beide auch mit dem neuen Plug-in-Hybridantrieb mit mehr als 100 Kilometern Reichweite mit deutlich optimierter Ladegeschwindigkeit. Darüber hinaus sind die Wartungsintervalle jetzt bei zwei Jahren oder 30.000 Kilometern. Zudem bin ich überzeugt, dass der Cupra Terramar als sportliches SUV, auch mit Plug-in-Hybridantrieb, ebenfalls im Flottenmarkt punkten wird, genauso wie unser vollelektrischer Cupra Tavascan. Für den ist das Interesse seit der Markteinführung bereits groß.
Grundsätzlich ist es bei uns so, dass der Anteil an Privatkunden höher ist als im Durchschnitt des Fahrzeugmarkts. Gleichzeitig bedeutet das natürlich auch, dass wir im Flottengeschäft noch Potenziale sehen und daher bereits eine sehr fokussierte Ansprache unserer Flottenkunden haben. Cupra ist sportlicher aufgestellt als der Durchschnitt. Und in den Car Policys der Unternehmen haben sportliche Fahrzeuge generell einen schwereren Stand. Aber auch hier sehen wir mittlerweile, dass sich Cupra aufgrund der breiten Antriebspalette etabliert hat. Je mehr wir mit unseren designstarken Modellen auf den Straßen präsent sind, desto größer werden die Begehrlichkeiten. Insofern bin ich überzeugt, dass wir auch im gewerblichen Bereich unseren Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortsetzen werden.
Wie sind Cupra und Seat generell in Deutschland aufgestellt?
Alexander Buk: Cupra funktioniert hierzulande einfach sehr gut – in einer Marktlücke zwischen Volumen und Premium. Das Plus an Neuzulassungen um 15 Prozent im Vergleich zu 2023 auf 84.281 Einheiten spricht eine deutliche Sprache. Sehr geholfen hat natürlich auch, dass das bestehende Seat Händlernetz das Potenzial erkannt und in die Marke investiert hat. Mit den neuen Modellen, die in nächster Zeit auf den Markt kommen, werden wir uns gemeinsam dank Cupra weiter stark entwickeln.
Auch mit Seat befinden wir uns wieder in einem gesunden Wachstum. 68.054 verkaufte Fahrzeuge in 2024 bedeuten ein Plus von 14,6 Prozent zum Vorjahr. Aufgrund der neuen Plug-in-Hybride mit einer elektrischen Reichweite von 100 Kilometern und geplanten Produktaufwertungen erwarten wir weiterhin eine solide Performance. Aktuell liegen wir bei einem Marktanteil von 5,4 Prozent. Das hätten wir ohne den Handel nicht geschafft. Wir pflegen einen sehr vertrauten Austausch auf Augenhöhe mit dem Handel. Aufgrund meiner Erfahrungen in den vergangenen vier Jahren weiß ich: Auf unsere Partner ist Verlass. Die Händler sind trotz des aktuell schwierigen Marktumfelds gut gestimmt.
Trotz der Zögerlichkeit der Kunden in Sachen Kaufentscheidung und Antriebsart?
Alexander Buk: Die Transformation hin zu Elektromobilität ist längst in vollem Gange, aber ich kann die Verunsicherung bei den Kundinnen und Kunden nachvollziehen. Förderungen kommen und gehen. Strafzölle werden verhängt und erschweren Herstellern und Importeuren die Transformation. Und die größte Herausforderung kommt erst im Alltag. Denn dort liegt das Problem meines Erachtens weiterhin bei der Ladeinfrastruktur und beim hohen Strompreis.
Hier hängen wir in Deutschland hinsichtlich der Bereitstellung öffentlicher Ladestationen noch weit hinterher und sind beim Strompreis auch im internationalen Vergleich nicht gut aufgestellt. Wir müssen die Elektromobilität demokratisieren, den Menschen ihre Verunsicherung nehmen, indem wir die Transformation transparent darstellen, für Planbarkeit sorgen, Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität abbauen und für eine vollelektrische Zukunft begeistern.
Was wünschen Sie sich von der Politik?
Alexander Buk: Die Hersteller haben seitens der EU klare und sehr fordernde Zielvorgaben. Um diese einhalten zu können, brauchen wir ein deutliches Bekenntnis, wohin die Reise geht. Wir reden hier von einem beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur, von fairen Strompreisen und weiteren staatlichen Förderungen für Elektrofahrzeuge, um Anreize zu schaffen und den Fahrzeugaustausch vom Verbrenner zum E-Fahrzeug zu beschleunigen.
Denn eines ist nicht diskutierbar: Die Umsetzung der Vorgaben soll einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Klimaziele zu erreichen. Und vor dem Klimawandel können wir die Augen nicht verschließen, es muss gehandelt werden – für die Zukunft unseres Planeten. Es gibt keinen Plan B. Das müssen wir uns permanent vor Augen halten.
Vor diesem Hintergrund: Würden Sie sich einen rein elektrischen Seat wünschen?
Alexander Buk: Was die Marke Seat betrifft, so zieht das Unternehmen dies im Moment nicht in Betracht. Wir prüfen jedoch immer die Möglichkeiten, warten aber noch auf den richtigen Zeitpunkt, ob und wann die entsprechende Technologie verfügbar ist. Aktuell wäre ein vollelektrischer Seat noch zu teuer. Seat ist weiterhin eine sehr junge und vor allem erschwingliche Marke sowie eine Einstiegsmarke in den Volkswagen Konzern. Deswegen würde ein vollelektrischer Seat aktuell nicht passen.
Gleichwohl wird bereits intensiv an der sogenannten Electric Urban Car Family gearbeitet. Die Brand Group Core, bestehend aus den Volumenmarken des Konzerns VW, Cupra und Škoda, wird von 2026 an unter der Projektleitung von Seat/Cupra E-Autos mit Preisen um die 25.000 Euro einführen. Die Fahrzeuge werden in Spanien gebaut. Dies wird das nächste große Ding des Unternehmens sein. Das Ziel ist, wie gesagt, die Demokratisierung der Elektromobilität. Das heißt, E-Fahrzeuge sollen in Zukunft für möglichst viele Menschen erschwinglich sein.
Schwarze Seitenschweller, eine dunkle Dachreling sowie exklusive, schwarz lackierte 18-Zoll-Leichtmetallräder (beim Ateca 19 Zoll): Das sind nur einige Details, mit denen Seat die Modelle Ibiza, Arona, Leon, Leon Sportstourer und Ateca in der FR Black Edition ausstattet. Innen bekommen der Arona wie auch der Seat Ibiza und der Seat Ateca ein Virtual Cockpit, einen Wireless Charger und ein 9,2-Zoll-Navigationssystem mit integrierter Sprachsteuerung und Full Link, das Zugang zu Apple CarPlay und Android Auto bietet. Wer sich für einen individuellen Look sowie eine aufgewertete Innenausstattung seines Fahrzeugs entscheidet, dem verspricht Seat sogar Preisvorteile von je nach Modell bis zu 2.500 Euro. Die Black Edition des Arona wird beispielsweise ab 30.270 Euro angeboten.
Außer der FR Black Edition hat Seat auch Nachfolger für die bisher so erfolgreichen Style-Sondermodelle aufgelegt. Ibiza, Arona, Leon, Leon Sportstourer und Ateca gibt es jetzt als Road Edition mit attraktiven Konditionen. Wer also nach Seat Modellen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, könnte hier fündig werden. Die Road Editions sind je nach Modell mit Wireless Charger, abgedunkelten Seitenscheiben und umfangreichem Navigationspaket einschließlich Full Link sowie mit Climatronic ausgestattet. So steht der Arona als Road Edition ab 25.900 Euro in der Preisliste.