Test VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion: Volle Reisefreiheit

VolkswagenTest VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion: Volle Reisefreiheit

Joshua Hildebrand 

1.10.2021, Lesezeit: 8 Minuten

Der neue Caddy- Camper kommt mit Mini-Küche, neu entwickeltem Bettenkonzept und anderen cleveren Features. Doch hat er sich alleine damit den Namen California verdient? Fahren und Schlafen im Mini-Camper mit 122-PS-Diesel-Allrad-Kombi

Wer hier liegt, liegt gut. Das optionale Panoramadach bringt Licht ins Innere
Wer hier liegt, liegt gut. Das optionale Panoramadach bringt Licht ins Innere
Foto: Jan Bürgermeister
VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion
VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion
Foto: Jan Bürgermeister
Schlafplatz im Handumdrehen: Das Bett lässt sich einfach ausklappen. Für mehr Stauraum kann die Rücksitzbank entfernt werden
Schlafplatz im Handumdrehen: Das Bett lässt sich einfach ausklappen. Für mehr Stauraum kann die Rücksitzbank entfernt werden
Foto: Jan Bürgermeister
Allrad: Damit‘s auch offroad vorwärts geht
Allrad: Damit‘s auch offroad vorwärts geht
Foto: Jan Bürgermeister
Bett, Küche, Sitzgruppe: Der Caddy California hat alles fürs Camping-Vergnügnen, was man braucht
Bett, Küche, Sitzgruppe: Der Caddy California hat alles fürs Camping-Vergnügnen, was man braucht
Foto: Jan Bürgermeister
Etwas viel harter Kunststoff, ansonsten aber top: das moderne Cockpit mit digitaler Bedienoberfläche
Etwas viel harter Kunststoff, ansonsten aber top: das moderne Cockpit mit digitaler Bedienoberfläche
Foto: Jan Bürgermeister
Der 2.0 TDI ist genügsam und dank Twindosing auch super-sauber
Der 2.0 TDI ist genügsam und dank Twindosing auch super-sauber
Foto: Jan Bürgermeister
Etwas viel harter Kunststoff, ansonsten aber top: das moderne Cockpit mit digitaler Bedienoberfläche
Etwas viel harter Kunststoff, ansonsten aber top: das moderne Cockpit mit digitaler Bedienoberfläche
Foto: Jan Bürgermeister
Bild 8
Foto: Jan Bürgermeister
Die Miniküche ist mit 1.434 Euro zwar nicht ganz günstig, aber ihr Geld wert – zudem sie den Caddy mit einer Wohnmobil- Zulassung adelt
Die Miniküche ist mit 1.434 Euro zwar nicht ganz günstig, aber ihr Geld wert – zudem sie den Caddy mit einer Wohnmobil- Zulassung adelt
Foto: Jan Bürgermeister
Zwei Campingstühle und ein Campingtisch können im Heck verstaut werden
Zwei Campingstühle und ein Campingtisch können im Heck verstaut werden
Foto: Jan Bürgermeister
Es gibt jede Menge (optionale) Assistenzsysteme. Darunter auch den teilautonomen Travel Assist
Es gibt jede Menge (optionale) Assistenzsysteme. Darunter auch den teilautonomen Travel Assist
Foto: Jan Bürgermeister
Der neue Caddy-Camper wirkt deutlich schnittiger und moderner als seine Vorgänger. Gut abseits asphaltierter Straßen: der 4Motion-Allrad
Der neue Caddy-Camper wirkt deutlich schnittiger und moderner als seine Vorgänger. Gut abseits asphaltierter Straßen: der 4Motion-Allrad
Foto: Jan Bürgermeister
 Komfortable Kombi: die Bett-Konstruktion mit Tellerfedern und hochwertiger Matratze
Komfortable Kombi: die Bett-Konstruktion mit Tellerfedern und hochwertiger Matratze
Foto: Jan Bürgermeister
Die Seitentaschen beherbergen Belüftungsgitter samt Fliegenschutz
Die Seitentaschen beherbergen Belüftungsgitter samt Fliegenschutz
Foto: Jan Bürgermeister
Wer hier liegt, liegt gut. Das optionale Panoramadach bringt Licht ins Innere
Wer hier liegt, liegt gut. Das optionale Panoramadach bringt Licht ins Innere
Foto: Jan Bürgermeister
VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion
VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion
Foto: Jan Bürgermeister
VW Caddy California 2.0 TDI 4Motion
Schlafplatz im Handumdrehen: Das Bett lässt sich einfach ausklappen. Für mehr Stauraum kann die Rücksitzbank entfernt werden
Allrad: Damit‘s auch offroad vorwärts geht
Bett, Küche, Sitzgruppe: Der Caddy California hat alles fürs Camping-Vergnügnen, was man braucht
Etwas viel harter Kunststoff, ansonsten aber top: das moderne Cockpit mit digitaler Bedienoberfläche
Der 2.0 TDI ist genügsam und dank Twindosing auch super-sauber
Etwas viel harter Kunststoff, ansonsten aber top: das moderne Cockpit mit digitaler Bedienoberfläche
Bild 8
Die Miniküche ist mit 1.434 Euro zwar nicht ganz günstig, aber ihr Geld wert – zudem sie den Caddy mit einer Wohnmobil- Zulassung adelt
Zwei Campingstühle und ein Campingtisch können im Heck verstaut werden
Es gibt jede Menge (optionale) Assistenzsysteme. Darunter auch den teilautonomen Travel Assist
Der neue Caddy-Camper wirkt deutlich schnittiger und moderner als seine Vorgänger. Gut abseits asphaltierter Straßen: der 4Motion-Allrad
 Komfortable Kombi: die Bett-Konstruktion mit Tellerfedern und hochwertiger Matratze
Die Seitentaschen beherbergen Belüftungsgitter samt Fliegenschutz
Wer hier liegt, liegt gut. Das optionale Panoramadach bringt Licht ins Innere

Wir aus dem Caping-Ressort sehen uns immer wieder mit der Frage konfrontiert: „Wie viel Wohnmobil braucht es denn wirklich?“ Volkswagen Nutzfahrzeuge zeigt sich hinsichtlich dieser Fragestellung breit (und hoch) aufgestellt und bietet inzwischen eine ganze Wohnmobil-Familie an: den T6.1 California (ab 52.342 Euro), den Grand California auf Crafter-Basis (ab 61.856 Euro) und auch den neuen Caddy (V), der nun ebenfalls den California-Schriftzug tragen darf. Das war nicht immer so: Denn der damit kleinste Cali ist der Nachfolger des bereits seit 2005 erhältlichen Caddy Tramper, der später zum „Beach“ umgetauft wurde. Schon diese Modelle zeigten sich multifunktional – doch der neue Caddy-Kompaktcamper kann jetzt noch mehr. Rangiert aber weiterhin preis- sowie platztechnisch unter den beiden großen Brüdern: Ihn gibt es bereits ab 30.339 Euro – braucht es also mehr?

Das kommt ganz auf die eigenen Bedürfnisse an. Der neue Caddy California ist etwas fürs schnelle Abenteuer. Für alle, die nicht ganz so viel Luxus brauchen, weil auch seine kompakte Größe die Möglichkeiten begrenzt – so viel Ehrlichkeit muss sein. Obwohl wir vor uns die Langversion mit leicht größeren Abmessungen stehen haben: statt 4,50 Meter ist er 4,85 Meter lang, zudem verfügt er mit 2,97 Meter über einen über 20 Zentimeter längeren Radstand. Dieses Plus an verfügbarem Platz macht sich durchaus bemerkbar. Jedenfalls ist der Caddy California perfekt für spontane Fernweh-Anfälle, die wir in letzter Zeit häufiger verspüren. Wo es hingehen soll? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Zumindest fühlt es sich so an als könne man mit ihm überall hinfahren, sofort loslegen. Weil er sich eher wie ein Pkw präsentiert als ein umfängliches Wohmobil; dennoch aber fast alle Annehmlichkeiten bietet. Das Schöne: Viel vorzubereiten gibt es nicht. Vor Abfahrt empfiehlt sich jedoch der Ausbau der Rücksitzbank, in gewohnter Multivan-Schlaufen-Manier. Dran gezogen – zack: Schon lassen sich die Sitze entfernen, um zusätzlichen Stauraum unterm Bett zu gewinnen.

Das Cockpit des Caddy verheimlicht nicht den eigentlichen Aufgabenbereich als Nutzfahrzeug. Dementsprechend viel harter, Kratzer-anfälliger Kunststoff lässt sich vorfinden. Dafür aber ist alles top-verarbeitet. Zudem schwingt eine Prise Golf-Flair mit, weil sich die Bedien-Landschaft der neuen Caddy Generation ebenso entknopft und digital präsentiert – zumindest in unserem Testwagen. Serienmäßig hat der Caddy nämlich noch sehr gut ablesbare Analog-Instrumente, die digitale Variante kostet knapp 518 Euro mehr, bietet dann aber auch deutlich mehr Funktionen, darunter auch die Navigations-Karten-Einbindung direkt im Blickfeld des Fahrers. Apropos: Die Navigation Discover Media reicht vollkommen aus und kostet mindestens 1.475 Euro. Wer noch die Sprachbedienung und diverse Internet-Features nutzen mag, der sollte zum Discover Pro für 2.410 Euro greifen. Auffällig: Das Touch-Display wurde im Testbetrieb recht heiß.

Wir aber greifen das empfehlenswerte Leder-Multifunktionslenkrad (136 Euro), dessen Haptik deutlich besser ist als die des Basis-Lenkrads – man kennt es beispielsweise aus dem Golf. Kurz noch das Ziel eingetouched oder per Sprache mit „Hey, Volkswagen“ (Discover Pro) eingesprochen, schon kann es losgehen. Mit dem 122 PS starken wie sauberen 2.0 TDI ist man zwar weit entfernt von Sportwagen-Attitüden, dennoch aber spritzig genug unterwegs, um lange Reisewege entspannt zurückzulegen. Im Übrigen ist dies zurzeit die im Konfigurator auswählbare (Diesel-)Topmotorisierung, die in unserem Testwagen mit dem traktionsstarken Allradsystem 4Motion und einer 6-Gang-Handschaltung kombiniert wurde. Insgesamt eine gute und sehr effiziente Partnerschaft für alle, die kein Problem mit Selbst-Schalten haben. Ein sauberer Schleifpunkt der Kupplung sowie ein sauber plobbender Schalthebel lassen das DSG kaum vermissen ( – bis der erste Stau kommt). Unser voll ausgestattetes Derivat schaffte den Spurt auf Landstraßentempo in gut 12 Sekunden. Bei 187 km/h endet der Vortrieb, was auch vollkommen in Ordnung ist. Der Caddy fährt auch als California wie er soll: Gemütlich, unaufgeregt, souverän. Der Diesel schmeichelt gar das Gehör, die Geräuschentwicklung bleibt für ein Nutzfahrzeug stets im Rahmen. Positiv bemerkbar macht sich jedoch der deutlich gestiegen Fahrkomfort dank der neuen Hinterachse: Die bisherige Blattfederung wurde zur Optimierung des Fahrkomforts durch eine Schraubenfeder-Konstruktion abgelöst, was den neuen Caddy California deutlich fahraktiver macht. Auch die neue Lenkung sorgt für ein handlicheres Fahrverhalten. Im Vergleich zum Vorgänger weist sie eine direktere Lenkübersetzung und einen sinkenden Lenkwinkelbedarf auf. Freude macht zudem der Allradantrieb, der vor allem abseits der asphaltierten Straße für Vorteile sorgt. Kürzlich witzelte noch ein Kollege, man könne mit dem Allradler auch ganz gut quer fahren, was wir hier auf Allgäuer Straßen nicht ausprobieren wollen. Aber es habe gezeigt, wie agil der neue Caddy doch sei. Glauben wir ihm das mal …

Ein echtes Reise-Multitool

Nun sind wir zwei Turteltäubchen aber bald da. Nach dem Einchecken geht es also auf unseren Standplatz, der zum Glück direkt am Wasser liegt. Landstrom? Brauchen wir nicht, hat der Caddy auch gar keinen Anschluss für. Seinen Strom erhält er von der konventionellen Fahrzeugbatterie, was im Umkehrschluss auch „haushalten“ bedeutet. Denn ohne den Motor laufen zu lassen, sind ausgiebige Festival-Nächte bei aufgedrehtem Radio, voller Fahrzeugbeleuchtung und dem eventuellen Einsatz der Standheizung nur begrenzt möglich.

Zumindest für alle, die am nächsten Morgen noch ganz normal den Motor starten wollen. Eine Standheizung gehört auf jeden Fall zur Pflichtausstattung – sie kostet 1.523 Euro Aufpreis. Sie ist jedoch nicht als Dauerheizung vorgesehen, da kein separater Stromgeber vorhanden ist. Immerhin hat der Caddy Cali von Haus aus die Vorbereitung für eine Zweitbatterie. Wer es bei kalten Außentemperaturen dauerhaft warm haben möchte, muss sich entweder wärmer anziehen oder mit Gemach die Standheizung per Funkfernbedienung wiederholte Male aktivieren. Keine Sorge: Ein paar Aktivierungen machen der Batterie nichts aus – wir haben‘s ausprobiert. Genauso wie die neuen Belüftungs-Öffnungen samt integrierten Fliegengittern für die beiden Vordertüren, welche zwischen Scheibe und Türrahmen geklipst werden – ein gutes Gadget gegen Stechmücken.

Von denen wir trotz August nur träumen konnten. Regen und Kälte ließen uns zeitweilig am Klimawandel zweifeln. Da käme uns eher ein Grog (heißes Wasser mit Rum) gelegen als ein Gläschen Wein. Doch wie heißt es so schön: Erst die Arbeit, dann … Ja, ja. Wir müssen uns langsam um unseren Schlafplatz kümmern, was bedeutet: Bett aufbauen!

Himmlischer Komfort beim Sterne-Schauen

Doch, wer glaubt, dies sei eine Großräum-Aktion, der irrt. In der Ausgangsposition liegt es zusammengefaltet und gedrittelt über dem Kofferraum. Anders als beim Vorgänger ist die zweite Sitzreihe nun nicht mehr fester Teil der Bettkonstruktion, was eine höhere Variabilität und noch mehr Stauraum zur Folge hat. Man muss nur die beiden Sitze in erster Reihe komplett nach vorne fahren, das Bett ausklappen und in der B-Säule verankern. Laken drauf, fertig. Das Besondere: Mit Abmessungen von 1,98 mal 1,07 Metern ist das Bett nicht nur sehr groß, sondern auch so komfortabel wie im T6.1 Cali oder Grand Cali. Weil es auch über die selben, neu konstruierten Tellerfedern verfügt. Das können Sie uns glauben: Wir lagen schon in allen VWN-Campern! Erstmals kann der Caddy California auch mit einem 1,4 Quadratmeter großen Panoramadach für 994 Euro ausgestattet werden, was einen Blick in die Sterne gewähren kann. Andererseits lässt es sich aber auch mit einer Stoff-Blende abdunkeln, wenn es (zu) hell ist.

Egal, ist sowieso schon dunkel. Doch bevor wir uns jetzt gleich schlafen legen, muss erst noch etwas ins Bäuchlein. Essen gehen? Nö. Das ist so gar nicht Camper-like und wäre für diesen Test womöglich auch nicht angebracht. Denn der Mini-Camper besitzt erstmals auf Wunsch auch eine optionale Miniküche (1.434 Euro), die sich im Kofferraum unterhalb des Bettes befindet. Sie besteht aus zwei Auszügen: Im oberen ist ein einflammiger Gaskocher inklusive Windschott und einer praktischen Ablage integriert. Der untere Auszug beinhaltet einen Besteckkasteneinsatz sowie weiteren Stauraum für Kochgerätschaften und Vorräte. Im hinteren Bereich der Küche ist eine sicher abgeschlossene Box (mit Bodenentlüftung) für die Gasflasche (Füllgewicht ca. 1,85 kg) eingebaut. Ist die Miniküche an Bord, wird der Cali standesgemäß mit einer Zulassung als Wohnmobil „geadelt“.

Weiter perfektionieren lässt sich das Camper-Feeling im Caddy mit dem in Kürze erhältlichen Zeltsystem von VW Zubehör, welches wir leider noch nicht ausprobieren konnten. Damit ließe er sich sogar fast zum Voll-Fett-Camper ausbauen, da er dann um eine Schlaf- und Aufenthaltskabine für weitere zwei Personen erweitert werden kann.

Wäre übrigens auch besser fürs gemütliche Dinnieren, da die Heckklappe seitlichen Regen nicht abfangen kann und Tisch samt Stühle doch mehr Platz brauchen. Die gehören zum festen Bestandteil des Caddy Califnornia und werden praktisch im Heck verstaut – und zwar in einer extra konzipierten Tasche unter dem Bett. Weitere Taschen befinden sich an den hinteren, seitlichen Scheiben, welche zum Beladen mit in die Wohnung genommen werden können und zudem beim Verdunkeln des Innenraumes helfen. Der Blick in den Konfigurator verrät: Die Möglichkeiten weiterer nützlicher Features ist schier unendlich: Anhängevorrichtung (934 Euro), 230-Volt-Steckdose (184 Euro), zwei 12-Volt-Steckdosen im Kofferraum (68 Euro) und diverse Assitenzsysteme wie das Komplettpaket samt Travel Assist (nur mit DSG, 2.362 Euro) sind möglich. Dinge, die diesen Micro-Camper so sympathisch machen. Respekt, wie durchdacht der Caddy California doch ist, wie gut der begrenzte Raum genutzt wird und schließlich sogar noch Platz für ein bisschen Luxus ist. Kurzum: Der nächste Camping-Urlaub ist uns gewiss – gerne wieder mit dem Caddy California!