Test VW Tiguan 2.0 TDI DSG 4Motion (150 PS): Der Universalgelehrte

Test VW Tiguan 2.0 TDI DSG 4Motion (150 PS): Der Universalgelehrte

Florian Neher 

1.6.2021, Lesezeit: 6 Minuten

Der Erfolgstyp geht in die nächste Runde: Test des umfangreich überarbeiteten VW Tiguan mit 150-PS-TDI, Doppelkupplungs­getriebe und 4Motion-Allradantrieb

Die 4Motion-Modelle bieten neben unterschiedlichen Allrad-Modi auch einen Bergabfahrassistenten
Die 4Motion-Modelle bieten neben unterschiedlichen Allrad-Modi auch einen Bergabfahrassistenten
Foto: Jan Bürgermeister
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Ein echter Klassiker und doch ganz neu: der Zweiliter- TDI mit 150 PS
Ein echter Klassiker und doch ganz neu: der Zweiliter- TDI mit 150 PS
Foto: Jan Bürgermeister
Großer, variabler und einfach zu beladender Kofferraum mit 615 bis 1.655 Liter Volumen
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Foto: Jan Bürgermeister
Die Touch-Bedienung der Klimaautomatik überzeugt nicht immer
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Foto: Jan Bürgermeister
Die Rücksitze sind segmentweise längs verschiebbar und in der Lehnenneigung variabel
Die Rücksitze sind segmentweise längs verschiebbar und in der Lehnenneigung variabel
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Von hinten erkennt man den neuen Tiguan vor allem am geänderten Stoßfänger
Von hinten erkennt man den neuen Tiguan vor allem am geänderten Stoßfänger
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Der Parklenkassistent (mittlere Taste) schlägt mit überschaubaren 215 Euro extra zu Buche
Der Parklenkassistent (mittlere Taste) schlägt mit überschaubaren 215 Euro extra zu Buche
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Die Tiguan-Sitze sind generell erstklassig – hier mit Lederpaket zu 2.850 Euro Aufpreis
Die Tiguan-Sitze sind generell erstklassig – hier mit Lederpaket zu 2.850 Euro Aufpreis
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Das Siebengang-DSG schaltet blitzschnell und ohne Zugkraftunterbrechung
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Foto: Jan Bürgermeister
Das Digital Cockpit Pro kostet 510 Euro, die Anzeigen lassen sich individuell konfigurieren
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Auf dem zentralen Touchscreen lässt sich unter anderem der Fahrmodus wählen
Auf dem zentralen Touchscreen lässt sich unter anderem der Fahrmodus wählen
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Dank variablem 4Motion-Allradantrieb verlieren Schnee und Eis ihren Schrecken. Ausflüge in leichtes Gelände werden zu kleinen Fluchten aus dem Alltag
Dank variablem 4Motion-Allradantrieb verlieren Schnee und Eis ihren Schrecken. Ausflüge in leichtes Gelände werden zu kleinen Fluchten aus dem Alltag
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18-Zöller sind serienmäßig, optional 19 und 20 Zoll erhältlich – zugunsten des Abrollkomforts würden wir uns mit 18 Zoll begnügen
18-Zöller sind serienmäßig, optional 19 und 20 Zoll erhältlich – zugunsten des Abrollkomforts würden wir uns mit 18 Zoll begnügen
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Das empfehlenswerte Head-Up-Display kostet 565 Euro Aufpreis
Das empfehlenswerte Head-Up-Display kostet 565 Euro Aufpreis
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Die leicht erhöhte Sitzposition beschert einen hervorragenden Überblick
Die leicht erhöhte Sitzposition beschert einen hervorragenden Überblick
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Seine Vielseitigkeit macht ihn so wertvoll: Winter, Sommer, Familie, Baumarkt – der Tiguan passt immer
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Ansprechende Fahrleistungen, niedriger Verbrauch, tolles Handling – der neue Tiguan erlaubt sich im Test keine Schwächen
Ansprechende Fahrleistungen, niedriger Verbrauch, tolles Handling – der neue Tiguan erlaubt sich im Test keine Schwächen
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Alles an seinem Platz: ergonomisch einwandfreier Arbeitsplatz mit optionalem Digitalcockpit
Alles an seinem Platz: ergonomisch einwandfreier Arbeitsplatz mit optionalem Digitalcockpit
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Die Telefonschnittstelle „Comfort“ mit induktiver Ladefunktion kommt auf 465 Euro extra
Die Telefonschnittstelle „Comfort“ mit induktiver Ladefunktion kommt auf 465 Euro extra
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Die 4Motion-Modelle bieten neben unterschiedlichen Allrad-Modi auch einen Bergabfahrassistenten
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Ein echter Klassiker und doch ganz neu: der Zweiliter- TDI mit 150 PS
Großer, variabler und einfach zu beladender Kofferraum mit 615 bis 1.655 Liter Volumen
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Die Rücksitze sind segmentweise längs verschiebbar und in der Lehnenneigung variabel
Von hinten erkennt man den neuen Tiguan vor allem am geänderten Stoßfänger
Der Parklenkassistent (mittlere Taste) schlägt mit überschaubaren 215 Euro extra zu Buche
Die Tiguan-Sitze sind generell erstklassig – hier mit Lederpaket zu 2.850 Euro Aufpreis
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Das Digital Cockpit Pro kostet 510 Euro, die Anzeigen lassen sich individuell konfigurieren
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Ansprechende Fahrleistungen, niedriger Verbrauch, tolles Handling – der neue Tiguan erlaubt sich im Test keine Schwächen
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Die Telefonschnittstelle „Comfort“ mit induktiver Ladefunktion kommt auf 465 Euro extra
Die 4Motion-Modelle bieten neben unterschiedlichen Allrad-Modi auch einen Bergabfahrassistenten

Der, den alle wollen: Mit 150-PS-TDI, DSG und 4Motion-Antrieb wird der VW Tiguan zum Universaltalent für alle Tage. Nicht umsonst hat der Tiguan bis auf Weiteres den kompakten Golf als meistverkauftes VW-Modell abgelöst. Das Kompakt-SUV kann einfach mehr, ohne dass man spürbare Nachteile in Kauf nehmen müsste – vom höheren Anschaffungspreis freilich einmal abgesehen.

Nachdem sich der 245 PS starke eHybrid im ersten Test des neuen Tiguan in unserer Februar-Ausgabe mehr als wacker geschlagen hat, nehmen wir uns das Kompakt-SUV nun also in seiner fast schon klassischen Darreichungsform zur Brust: als 2.0 TDI 4Motion mit 150 PS und DSG, erhältlich ab 40.475 Euro in der Ausstattung Life; für den Elegance-Trimm des Testwagens werden mindestens 43.745 Euro fällig. Der Zweiliter-Diesel war bisher die meistgebuchte Motorisierung im Tiguan-Portfolio – und das könnte auch so bleiben. Denn trotz aller Sprinterqualitäten und der rein elektrischen Reichweite von immerhin 42 Kilometern im Test kommt der Tiguan eHybrid nicht für jeden in Frage, da etwa Laternenparker meist keine Lademöglichkeit haben. Zudem ist der eHybrid finanziell vor allem für Dienstwagenfahrer interessant, die zur privaten Nutzung nur 0,5 Prozent des Neupreises versteuern müssen. Der auf den ersten Blick höhere Basispreis des Tiguan eHybrid Life von 43510 Euro relativiert sich allerdings nach Abzug der Umweltprämie in Höhe von 7.210 Euro: 36.300 Euro stehen nun mindestens 40.475 Euro für den Tiguan Life mit 150-PS-TDI gegenüber – jedoch inklusive Allradantrieb, auf den der eHybrid verzichten muss, da er im Chassis schließlich noch ein nicht gar so kleines Akkupack unterzubringen hat. Im Test des eHybrid hatte sich allerdings gezeigt, dass er den Allradantrieb auch gebrauchen könnte, da die sich zu 400 Nm ballenden Kräfte der zwei Herzen bisweilen die Traktion der Vorderachse an ihre Grenzen bringen kann.

Kräftiger Antritt, perfekte Allradtraktion

Dieses Problem teilt der TDI-Allradler nicht, obwohl sein Antritt mit immerhin 360 Nm ab 1.600 Touren nicht soviel lascher ist. Überdies hat er rund 150 Kilo weniger zu schleppen und sein Doppelkupplungsgetriebe verfügt über sieben Gänge anstelle derer sechs beim eHybrid. So kommt der Tiguan 2.0 TDI 4Motion mit Launch Control schlupffrei aus dem Startblock, erreicht Landstraßentempo nach gemessenen 9,4 Sekunden und schwingt sich auf der Autobahn mit etwas Anlauf immerhin zu rund 200 Stundenkilometern auf.

Besonders sauberer Diesel

Dabei ist es VW gelungen, den Verbrauch des Zweiliter-TDI weiter zu senken. Wobei man beim EA288 Evo fast von einem neuen Motor sprechen muss, der im Grunde nur noch die Maße von Bohrung und Hub und damit den Hubraum vom Vorgänger mit Grauguss-Kurbelgehäuse übernimmt. Bei der Neuentwicklung besteht jetzt auch der Block aus Aluminium, was alleine 20 Kilo spart. Neben dem neu konstruierten Zylinderkopf, dem VTG-Lader mit nun elektrischer statt unter- druckgesteuerter Leitschaufelverstellung und weiter erhöhtem Einspritzdruck liegt der Clou beim EA288 Evo vor allem auch in der Abgasaufbereitung. Unter dem Fahrzeugboden sorgt eine ganze Chemie- fabrik dafür, dass die Stickoxidemissionen nur einen Bruchteil der aktuellen Grenzwerte betragen und der TDI nebenbei lässig die strenge Euro 6d-ISC-FCM-Abgashürde nimmt. Für die auffallend geringen Stickoxidemissionen zeichnet das „Twindosing“-Verfahren verantwortlich, das neben einem motornahen noch einen zweiten SCR-Katalysator im hinteren Bereich der Abgas- anlage nutzt. So wird eine hochwirksame Harnstoffeinspritzung in allen Betriebszuständen beziehungsweise Temperaturfenstern gewährleistet.

Von all dem spürt der Fahrer: nichts. Was er allerdings spürt, ist der vom Zweiliter-TDI gewohnte, kräftige Durchzug, der ohne großes Turboloch einsetzt und sich auch mal bis rund 4.500 Touren auskosten lässt. Dabei gibt der Selbstzünder einen leicht kehlig klingenden Sound von sich – passt. Mit dem 150-PS-TDI mag der Tiguan unterm Strich kein Sportwagen sein, zeigt sich aber doch für jede Lebenslage gewappnet – sommers wie winters, für die Familie oder den Baumarkt, als Zugfahrzeug oder gar im leichten Gelände.

Und der Verbrauch? Lag auf der 143 Kilometer langen GF-Verbrauchsrunde mit Autobahn-Abschnitten bei 6,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer, vorausschauend bewegt gar bei nur fünf Litern. Klasse!

Das Fahrwerk tendiert zur straffen Seite, Belastungspitzen werden von der sehr empfehlenswerten Adaptivdämpfung DCC verschmeichelt. Das etwas steifbeinige Abrollen mag freilich zum großen Teil der üppigen Rad-Reifen-Kombination geschuldet sein, mit steigendem Tempo wird der Federungskomfort jedenfalls zur runden Sache. Und mit gestrafften Dämpfern im Fahrmodus Sport zeigt der Tiguan ein für ein SUV bestechend dynamisches, fast schon sportliches Handling mit hohen möglichen Kurventempi. Komfortfans sollten neben den DCC-Dämpfern bei den Felgen ein nicht allzu opulentes Format wählen.

Empfehlung: die Progressivlenkung zu 225 Euro

Zum agilen Fahreindruck trägt auch die extrem direkt übersetzte und äußerst präzise, optionale Progressivlenkung bei, die von Anschlag zu Anschlag gerade einmal zwei Lenkradumdrehungen benötigt. Auch im Stadtverkehr macht sie das Kompakt-SUV überaus handlich, lässt es subjektiv auf Kleinwagenformat schrumpfen und bietet überdies eine ordentliche Rückmeldung von der Fahrbahn. Angesichts des überschaubaren Aufpreises von 225 Euro ist die Progressivlenkung eine echte Empfehlung. Zum hellwachen, wuseligen Charakter des Tiguan passt auch die höchst aufmerksam ansprechende, sehr wirksame Bremse, die sich wohl alleine mit dem kleinen Zeh bedienen ließe.

Ganz neu: die Bedienung von Infotainment und Klimatisierung über Touchflächen. Das funktioniert meistens gut, jedoch nicht so klar und eindeutig wie per Tastendruck. Auch sollte der Fahrer die Flut an teils entbehrlichen Menüs und Unterstrukturen bestenfalls im Stand erforschen, da sie im Fahrbetrieb seine Aufmerksamkeit vom Verkehr weglenken.

Unangetastet blieben die klasse Raumausnutzung und die Vielseitigkeit der Tiguan-Karosserie – mit ein Grund für den enormen Erfolg des VW-SUV. Vorne wie hinten ist das Platzangebot angesichts der Grundfläche wirklich erstklassig: ob Kopf-, Bein- oder Ellbogenfreiheit – da kneift nix! Und die segmentweise oder komplett verschiebbare Rücksitzbank mit einstellbarer Lehnenneigung erlaubt ein Variieren der Platzverhältnisse zwischen Fond und Kofferraum.

Schon in der Life-Ausstattung sind LED-Scheinwerfer, 18-Zöller, Klimaautomatik, DAB-Radio, ACC und Spurhalteassistent enthalten; Elegance legt da unter anderem noch Kurvenlicht, die Smartphone-Anbindung App Connect, Digitalcockpit und Sitzheizung drauf. Für welche Ausstattungslinie man sich auch entscheiden mag, es empfehlen sich ein paar wichtige Extras wie die Adaptivdämpfung DCC, das Fahrassistenzpaket Plus mit Parklenk-, Spurwechsel-, Ausparkassistent und Verkehrszeichenerkennung und, wenn es das Budget hergibt, das intelligente Lichtsystem IQ.Light mit dynamischer Fernlichtregulierung.

Derart gerüstet ist der neue Tiguan 2.0 TDI DSG 4Motion im Alltag tatsächlich kaum zu schlagen – und somit ganz der Alte. Womit seine Erfolgsgeschichte zweifelsohne fortgeschrieben werden dürfte.