Kurztest VW T6.1 Multivan 2.0 TDI DSG 4Motion (150 PS): Die Sache mit dem Haken

Kurztest VW T6.1 Multivan 2.0 TDI DSG 4Motion (150 PS): Die Sache mit dem Haken

Arne Olerth 

17.6.2021, Lesezeit: 4 Minuten

Der T6.1 Multivan ist ein König in Sachen Raumangebot. Doch auch viele Gespann-Piloten schwören auf den großen Volkswagen. Wir haben seine Talente als Zugfahrzeug getestet – mit 150-PS-TDI, DSG und 4Motion-Allradantrieb

Eine mechanische Quersperre für die Hinterachse sorgt für ein Durchkommen auf Untergründen, auf denen der normale Allradantrieb versagt
Eine mechanische Quersperre für die Hinterachse sorgt für ein Durchkommen auf Untergründen, auf denen der normale Allradantrieb versagt
Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
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Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
Modernes T6.1-Cockpit. Das DSG entlastet bei Gespannfahrten enorm
Modernes T6.1-Cockpit. Das DSG entlastet bei Gespannfahrten enorm
Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
Allradantrieb sorgt für eine hohe Fahrstabilität im Gespann-Betrieb
Allradantrieb sorgt für eine hohe Fahrstabilität im Gespann-Betrieb
Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
Der formidable Trailer-Assist nimmt rückwärtigem Gespann-Rangieren den Schrecken. Die Fahrtrichtung wird am Spiegelversteller eingestellt, den Rest übernimmt das System
Der formidable Trailer-Assist nimmt rückwärtigem Gespann-Rangieren den Schrecken. Die Fahrtrichtung wird am Spiegelversteller eingestellt, den Rest übernimmt das System
Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
Die abnehmebare AHK kommt mit Gespannstabilisierungs-ESP
Die abnehmebare AHK kommt mit Gespannstabilisierungs-ESP
Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
Eine mechanische Quersperre für die Hinterachse sorgt für ein Durchkommen auf Untergründen, auf denen der normale Allradantrieb versagt
Eine mechanische Quersperre für die Hinterachse sorgt für ein Durchkommen auf Untergründen, auf denen der normale Allradantrieb versagt
Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
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Foto: J. Bürgermeister, A. Olerth
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Modernes T6.1-Cockpit. Das DSG entlastet bei Gespannfahrten enorm
Allradantrieb sorgt für eine hohe Fahrstabilität im Gespann-Betrieb
Der formidable Trailer-Assist nimmt rückwärtigem Gespann-Rangieren den Schrecken. Die Fahrtrichtung wird am Spiegelversteller eingestellt, den Rest übernimmt das System
Die abnehmebare AHK kommt mit Gespannstabilisierungs-ESP
Eine mechanische Quersperre für die Hinterachse sorgt für ein Durchkommen auf Untergründen, auf denen der normale Allradantrieb versagt

Seine raumgewaltigen Vorzüge adeln den Multivan seit jeher zum Lieblingsauto von Familienvätern und Freizeitsportlern. Dass Volkswagens Großer auch ein Meister unter den Zugfahrzeugen ist, wissen aber nur die wenigsten. Im Folgenden soll es daher weniger um verschiebbare Armlehnensessel und Laderaum-Opulenz gehen, als vielmehr um Stützlast, Anhängelast und Co.!

Von Haus aus bringt der Multivan talentierte Anlagen für den Gespannbetrieb mit. „Länge läuft“ – das hat gerade hier seine Berechtigung. So wirkt sich der enorm lange Radstand des Multivan von 3,0 oder gar 3,4 Metern enorm positiv auf die Fahrstabilität des Gespanns aus. Erinnern wir uns an den Physik-Unterricht: Ein langer Hebel sorgt für eine große Hebelkraft, ein kurzer reduziert diese entsprechend. Der für die Gespann-Fahrphysik maßgebliche Hebel sitzt zwischen Kupplungskopf und Hinterachse. Und der fällt dank des minimalen Hecküberhangs des Bulli kurz aus. Nickbewegungen des Hängers werden deutlich schwächer auf das Zugfahrzeug übertragen als bei einer Stufenheck-Limousine. Das Ganze gilt auch für seitliche Bewegungen des Anhängers, die in der breiten Spur des Bulli zudem einen wirksamen Gegenpart finden. Aufgrund seiner steifen Karosseriestruktur, der robusten Auslegung von Fahrwerk und Bremsen und nicht zuletzt des Gewichts von mindestens 2,1 Tonnen darf der Multivan mit 110 PS 2.3 Tonnen an den Haken nehmen – gebremst, bei 12 Prozent Steigung. Alle anderen Antriebe dürfen gar 2,5 Tonnen ziehen. Das sind Spitzenwerte im PKW-Segment – wer mehr will, muss zu Touareg oder Amarok greifen. Die Stützlast liegt stets bei satten 100 kg.

Unter den möglichen Antrieben – Vorderrad-, Hinterrad- und Allradantrieb – ist letzterer im Konzept-Reigen die Trumpfkarte für Gespann-Fahrer. Der Allradantrieb bietet nicht nur Vorteile auf kurvigem Geläuf und nasser Straße, er erleichtert auch das Handling mit schweren Anhängern im Rangierbetrieb – sei es mit einem Pferdeanhänger auf sandigem Untergrund oder einem Wohnwagen auf feuchter Wiese. VW Nutzfahrzeuge kombiniert ihn mit den 150- und 204-PS-TDI. Die Hinterhand wird dabei mittels elektrohydraulischer Kupplung nach dem System Haldex im Bedarfsfalle zugeschaltet, im Normalbetrieb ist der Multivan kraftstoffsparend als Fronttriebler unterwegs. Auf Wunsch gibt es sogar eine mechanische Sperre für die Hinterachse (1.000 Euro), die ein Durchkommen im Fall der Fälle sichert. Bedeutsamer freilich ist das DSG-Getriebe. Rückwärts mit schwerer Last am Haken bergauf Rangieren sorgt handgeschaltet oft für angespannte Nerven und einen Geruch von verbrannter Kupplung – das DSG entspannt hier auf ganzer Linie. 52.348 Euro werden mit 150-PS-TDI, 4Motion-Allradantrieb und DSG in der Basis-Ausstattung Trendline fällig, zum Test kam der T6.1 als hochwertiges Generation Six-Modell (63.159 Euro) mit sieben Alcantara-Sitzen, ACC, Climatronic, Navi und LED-Scheinwerfern.

Trotz schwerem Testanhänger mit rund zwei Tonnen Gewicht überzeugte der 150-PS-TDI auf ganzer Linie. Die erlaubten 100 km/h konnte der Diesel außer an extremen Steigungen auf der Autobahn lässig halten, auch Überholvorgänge gerieten nicht zur Nervensache. Zudem bewegte sich der Verbrauch mit etwas über 11 Litern auf völlig erträglichem Niveau, ohne Hänger nahm der Multivan gerade mal 9,0 Liter. Die Souveränität und Spurtreue im Gespannbetrieb haben enorm beeindruckt. Noch mehr aber die Sicherheit. Auf abgesperrter Strecke provozierten wir mit Lenkimpulsen ein Aufschaukeln des Anhängers, auf dem zudem die Ladung ungünstig hinter dessen Schwerpunkt fixiert war. Doch das ESP des Multivan konnte die gefährliche Situation blitzschnell entschärfen – mit radselektiven Bremseingriffe. Noch dazu unterstützte er dabei mit aktivem Gegenlenken, ist seine Servolenkung doch seit neuestem elektro-mechanisch ausgeführt. Beachtlich.

Pendelbewegungen zieht der T sicher gerade

Genauso beeindruckend: der damit mögliche Rückfahr- Assistent „Trailer Assist“ (601 Euro). Er nimmt dem Rückwärtsrangieren den Schrecken – zum Wohlwollen von Gelegenheits-Gespannfahrern. Taster drücken, die Fahrt-Richtung am Spiegel-Verstellknöpfchen einstellen – das war´s. Die komplette Lenkarbeit übernimmt der Multivan. Da die Rückfahrkamera im Paket dabei ist, wird das Ankuppeln zum Kinderspiel. Der Bulli entlastet den Gespann-Piloten auf ganzer Linie. Dass zudem eine verschiebbare Schlafbank, Pilotensitze und bei Bedarf 5,8 Kubikmeter Stauraum an Bord sind, weiß jeder Multivan-Fan – nicht nur Familienväter und Freizeitsportler.