VW T-Roc Cabrio 1.5 TSI DSGRote Liste

Joachim Fischer

 · 19.03.2021

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Foto: J. Bürgermeister

Das VW T-Roc Cabrio ist der momentan letzte offene Volkswagen. GUTE FAHRT gewährte ihm Artenschutz und prüfte, ob er als 1.5 TSI mit DSG fit für die Zukunft ist

Artenschutz ist wichtig – nicht nur bei Pflanzen und Tieren. Auch der automobile Lebensraum braucht Vielfalt – nur kennt er keine „Rote Liste“ bedrohter Arten. Gäbe es diese, stünden auf ihr ganz oben momentan Cabriolets, Roadster und kleine Coupés, die in allen Fahrzeugsegmenten beim Ansturm der SUV- und CUV-Modelle unter die Räder zu kommen scheinen – sieht man mal vom Supersportwagen-Segment ab. Nachdem das Golf Cabriolet, der Eos und auch das Beetle Cabriolet bei Volkswagen bereits ausgestorben sind, freut es umso mehr, dass man bei den Wolfsburgern zuletzt eine neue Freiluft-Lebensform entdecken konnte: Das T-Roc Cabrio – eine Mischung aus dem extrem erfolgreichen, kompakten Crossover-SUV T-Roc und dem längst verblichenen Golf Cabrio. Was soll man davon halten? SUV und Cabrio? Reflexhaft ist man zumindest skeptisch.

Verlagssonderveröffentlichung

Doch schauen wir einmaletwas genauer hin. Das T-Roc Cabriolet ist nahezu identisch lang wie ein aktueller Golf, dazu einen Finger breiter und rund 3,5 Zentimeter höher. Sein Design ist dem CUV-Basismodell T-Roc folgend kantiger, optisch robuster. Das ergibt zusammen mit den großen Radhäusern und Rädern sowie den bulligen Stoßfängern den derzeit so angesagten Offroad- Look. Hinzu kommt die dezent coupéhaft abfließende Dachlinie, die ebenfalls voll im Trend liegt

Die bewährte Stoffmütze

Das gilt für den T-Roc wie auch für dessen Cabriolet mit der bewährten, mehrlagigen Stoffmütze, die sich vollautomatisch in rund 10 Sekunden per Knopfdruck auf- und absetzen lässt. Dabei faltet sich das Stoffdach beim Öffnen ruckzuck in Z-Form zusammen, legt sich hinter den Rücksitzen in einem flachen Verdeckkasten zur Ruhe. Funktionsweise und Optik erinnern stark an das mit dem letzten Modellwechsel ausgestorbene A3 Cabrio von Audi oder das selige Golf Cabrio.

Wie bei den beiden Ahnen wird das zur Verfügung stehende Kofferraumvolumen durch die Lage des Verdecks nicht beeinträchtigt. Beim T-Roc stehen offen wie geschlossen rund 280 Liter hinter der Heckklappe zur Verfügung, die zudem in allen Varianten einen kecken Heckspoiler zur Verbesserung der Aerodynamik trägt. Insgesamt betrachtet ist das T-Roc Cabriolet am Ende sozusagen eine Weiterführung des Golf Cabrio mit den Stilmitteln eines kompakten CUV. Ein erfolgversprechende Melange.

Im Innenraum orientiert sich das T-Roc Cabrio eng an seiner fest überdachten Version. Die Sitzposition ist SUV-typisch leicht erhöht und schafft mehr Übersicht – gerade für ein Cabrio eine wunderbare Sache. Die Sport-Komfortsitze der R-Line sind bequem und bieten besten Seitenhalt. Der aufpreispflichtige Bezug mit Vienna-Leder (2.240 Euro) bringt auch die Sitzheizung sowie die edle Rautensteppung mit sich. Dieser Luxus steht etwas im Kontrast zum reichlich verbauten Hartplastik, doch die Verarbeitung passt zu 100 Prozent. Nichts knackt oder knarzt, die Bedienelemente sind übersichtlich und griffgünstig angeordnet. Die Klimaanlage ist ebenso wie die optionale Radio-Navigation per Drehregler justierbar, für die wichtigsten Funktionen gibt es noch Schalter – darunter auch auf der Mittelkonsole einen für die Verdeckbetätigung und einen für das gleichzeitige Öffnen und Schließen aller Seitenscheiben. Eine wirklich feine Sache.

Das Platzangebot vorne ist großzügig, hinten können zwei weitere Personen einsteigen. Natürlich ist das T-Roc Cabrio gegenüber der Limousinen-Version ein Zweitürer. Die beiden großen Portale plus die Easy- Entry-Funktion der Sitze garantieren einen vernünftigen Zustieg nach hinten. Dort findet man angenehme Platzverhältnisse für die Knie und bei geschlossenem Dach auch für den Kopf vor – sofern man die 1,80-Meter-Grenze nicht deutlich überschreitet.

Zwei Motorisierungen

Jetzt kann es losgehen. Unser Testwagen ist mit dem 150 PS starken 1.5-TSI-Turbo-Benziner und 7-Gang-DSG-Getriebe bestückt – der Topmotorisierung. Alternativ ist im T-Roc Cabrio R-Line nur der 1.5 TSI mit 6- Gang-Handschaltung orderbar. Für das Basis-Modell „Style“ und das Sondermodell „Active“ ist zusätzlich zu den leistungsgleichen 1.5er-Versionen noch ein 1.0-TSI-Dreizylinder mit 110 PS und manuell bedienbarer 6-Gang-Box verfügbar. Alle offenen T-Roc sind Fronttriebler, 4Motion-Allradantrieb ist nicht verfügbar.

Der 1.5 TSI mit kraftstoffsparender Zylinderabschaltung ACT bietet neben seinen 150 Pferdchen 250 Nm maximales Drehmoment von 1.500 bis 3.500/min. Reicht das, um das T-Roc Cabrio standesgemäß zu bewegen?

Geprüft haben wir dies wie immer auf unserer abgesperrten GUTE FAHRT-Messstrecke. In 9,7 Sekunden sprintet das gut 1,5 Tonnen schwere Cabrio aus dem Stand auf Tempo 100, in sechs Sekunden kann es von 80 auf 120 km/h beschleunigen. In der Spitze rennt der aufgeschnittene T-Roc immerhin 205 km/h.

Das reißt einen nicht vom Hocker, doch für ein Cabriolet, dessen Stärke ja das genussvolle Cruisen sein sollte, ist es allemal genug. Probieren wir, was geht, und steuern den nördlichen Schwarzwald mit seinen wunderschönen, kurvigen Bergstraßen an. Der 1.5 TSI hängt sauber am Gas, stellt schon knapp über Leerlauf-Drehzahl sein volles Drehmoment zur Verfügung. Gasbefehle werden nach einer kleinen Turbo-Gedenksekunde druckvoll ausgeführt, der Vierzylinder bleibt dabei stets angenehm leise und vibrationsarm. Erst bei hohen Drehzahlen wird der Ton etwas rauer.

Beim genussvollen Dahingleiten und geringer Last schaltet die Motorsteuerung unmerklich zwei Zylinder ab, um sie auf Gasbefehl ebenso heimlich und absolut ruckfrei wieder zum Leben zu erwecken. Nur ein kleines Symbol in der Multifunktionsanzeige kündet von der vorübergehenden Stilllegung.

Das serienmäßige Sportfahrwerk unseres R-Line T-Roc Cabrio war ersetzt durch die famose „Adaptive Fahrwerksregelung DCC“ mit ihren verstellbaren Dämpfern für 1.045 Euro extra. Aus unserer Sicht fast schon ein „must have“, denn über die serienmäßige Fahrprofilauswahl hat man damit die Wahl zwischen sportlich knackiger, angenehm straffer oder eher komfortabler Abstimmung des Fahrwerks – gerade wenn, wie am Testwagen, das schicke Design-Paket „Black Style“ für 715 Euro verbaut ist, das auch größere 18-Zoll-Räder beinhaltet. Die kosten etwas Komfort.

Zusammen mit der serienmäßigen Progressivlenkung, die super-direkt und dabei trotzdem feinfühlig rückmeldend agiert, ist es eine wahre Wonne, mit dem T-Roc Cabrio – offen oder auch geschlossen – durch die Kurven zu wedeln. Die Traktion an den Vorderrädern ist ausgezeichnet, die elektronischen Helfer ESP und EDS wachen im Hintergrund. Nähert man sich dem Grenzbereich, untersteuert das Cabrio sanft.

Mensch, wir sind schon wieder beim Sportfahren, dabei heißt es doch die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genießen und den Duft der frühlingserwachenden Natur aufzusaugen. Also runter mit der Stoffmütze und den Seitenscheiben, lass‘ Luft und Sonne rein! Der Fahrtwind krault in den Haaren, die frische Brise macht den Kopf frei. Durch die etwas erhöhte Sitzposition genießt man den Freisitz gleich noch etwas intensiver. Empfindliche Naturen können hinter den Frontsitzen ein optionales Windschott (340 Euro) aufspannen, um den Luftstrom etwas zu beruhigen. Wer gar nur ein leichtes Säuseln um den Kopf herum duldet, fährt zudem noch die Seitenscheiben hoch.

Auf der Autobahn schließen wir das Verdeck dagegen lieber ganz und sind erfreut, dass erst bei hohen Tempi über 160 km/h leichte Windgeräusche auftreten. Ansonsten schirmt die mehrlagige Haube durch ihre gelungene Dämmung das Verkehrsgewühl um einen herum akustisch wie ein Blechdach ab.

Vorbildlich ist auch der Geradeauslauf des T-Roc Cabrio beim Tempo-Bolzen, ebenso seine Bremsleistung. Das 7-Gang-DSG-Getriebe schaltet im besten Wortsinn unauffällig. Im Programm „D“ wechselt es die Gänge drehzahlsenkend früh, geschmeidig und ruckfrei, im Sport- Modus werden die Fahrstufen weiter ausgedreht und länger gehalten. Neben einem entspannten Fahrgefühl bringt das in Verbindung mit der Zylinderabschaltung ACT auch Spritersparnis. Im flott gefahrenen Testschnitt konsumierte unser T-Roc 7,9 Liter Super pro 100 Kilometer. Man kann bei verhaltener Fahrweise aber auch gut einen Liter weniger benötigen.

Selbstverständlich lässt sich das T-Roc Cabrio zudem mit allen heute in seiner Klasse gängigen Infotainment- sowie Assistenzsystem ausrüsten, ist dann stets online.

Fazit? In der Summe seiner Eigenschaften ist das T-Roc Cabriolet eine konsequente Weiterentwicklung des Golf Cabrio unter Berücksichtigung der Stilmittel des SUV-/CUV-Trends. Nutzwert im Alltag sowie Spaßfaktor beim Offenfahren stimmen gleichermaßen, dazu gibt es eine zeitgemäße Optik.

Mit 35.725 Euro ist das T-Roc Cabriolet R-Line mit der 1.5-TSI- DSG- Topmotorisierung zudem nicht zu teuer geraten. Das sollte hoffentlich sein Überleben sichern!


Test kompakt:

Ungewöhnlich – und außergewöhnlich gut umgesetzt. Das T-Roc Cabrio von Volkswagen ist ein Exot. SUV- und Cabrio-Konzept haben bislang nur wenige kombiniert. VW ist mit dem T-Roc Cabrio ein stimmiger Kompromiss gelungen: kompakt, nutzwertig, dynamisch und gut verarbeitet. Mit dem 1.5 TSI-Benziner und 150 PS wird das Cabrio-SUV endgültig zum Spaß-Vehikel: flott, wendig und stets offen für eine Spritztour unter freiem Himmel.