Alpincamper T6.1: Gipfelstürmer

VW Multivan T6.1Alpincamper T6.1: Gipfelstürmer

Heiko P. Wacker

 3/19/2021, Lesezeit: 5 Minuten

Kaum zehn Jahre ist Alpincamper im Geschäft.Doch schon jetzt entstehen über einhundert Reisemobile im Jahr. Und es soll weiter aufwärts gehen in Oberbayern. Wir ham‘ da mal vorbeigeschaut

Die Markise ist optional für 940 Euro erhältlich, und absolut empfehlenswertFoto: Jan Bürgermeister
Die Markise ist optional für 940 Euro erhältlich, und absolut empfehlenswert
Bild 1Foto: Jan Bürgermeister
Pfiffig: Das Beifahrergestühl lässt sich auch dann drehen, wenn es als Doppelsitzbank ausgelegt ist. Vier Schraubbolzen sichern den Sitz während der FahrtFoto: Jan Bürgermeister
Pfiffig: Das Beifahrergestühl lässt sich auch dann drehen, wenn es als Doppelsitzbank ausgelegt ist. Vier Schraubbolzen sichern den Sitz während der Fahrt
Spannend: Der Landstromanschluss ist als CEE-Stecker ausgeführt, er sitzt in der linken FlankeFoto: Jan Bürgermeister
Spannend: Der Landstromanschluss ist als CEE-Stecker ausgeführt, er sitzt in der linken Flanke
Übersichtlich: Das Bedienpaneel thront über dem Küchenblock, oben darüber das Webasto- Display für die HeizungFoto: Jan Bürgermeister
Übersichtlich: Das Bedienpaneel thront über dem Küchenblock, oben darüber das Webasto- Display für die Heizung
Aufgeräumt: Diverse Fächer bieten Stauraum, die unteren sind aber bei ausgefahrenem Bett nicht mehr zugänglichFoto: Jan Bürgermeister
Aufgeräumt: Diverse Fächer bieten Stauraum, die unteren sind aber bei ausgefahrenem Bett nicht mehr zugänglich
Befeuert wird die zweiflammige Campingküche mit „Camping- Gaz“. Die blaue Buddel lässt sich überall in Europa tauschenFoto: Jan Bürgermeister
Befeuert wird die zweiflammige Campingküche mit „Camping- Gaz“. Die blaue Buddel lässt sich überall in Europa tauschen
Wie eine Lounge auf Rädern: Der Ausbau von Alpincamper kann sich sehen lassenFoto: Jan Bürgermeister
Wie eine Lounge auf Rädern: Der Ausbau von Alpincamper kann sich sehen lassen
Drei von vier Kunden wählen zwecks leichteren Durchstiegs die Hecktüren anstatt der KlappeFoto: Jan Bürgermeister
Drei von vier Kunden wählen zwecks leichteren Durchstiegs die Hecktüren anstatt der Klappe
Je zwölf Liter Wasser und Abwasser sind frostsicher im unteren Bereich des Küchenblocks verstautFoto: Jan Bürgermeister
Je zwölf Liter Wasser und Abwasser sind frostsicher im unteren Bereich des Küchenblocks verstaut
Bild 10Foto: Jan Bürgermeister
Die Schiebefenster sind Serie, empfehlenswerte Ausstellfenster gibt es für 300 Euro das StückFoto: Jan Bürgermeister
Die Schiebefenster sind Serie, empfehlenswerte Ausstellfenster gibt es für 300 Euro das Stück
Ein klassischer Tisch fehlt beim Alpincamper-Konzept, dafür kann man vom Bett aus Kaffee kochenFoto: Jan Bürgermeister
Ein klassischer Tisch fehlt beim Alpincamper-Konzept, dafür kann man vom Bett aus Kaffee kochen
Übersichtlich, praktisch, robust – das Transporter-Cockpit: Was Handwerker erfreut, das funktioniert auch im Urlaub. Der umgebaute Kastenwagen kann seine Herkunft nicht leugnen. Wozu aber auch?Foto: Jan Bürgermeister
Übersichtlich, praktisch, robust – das Transporter-Cockpit: Was Handwerker erfreut, das funktioniert auch im Urlaub. Der umgebaute Kastenwagen kann seine Herkunft nicht leugnen. Wozu aber auch?
Auf Wunsch wird aus dem Sofa ein Bett, der Splint sichert es während der Fahrt. Die Schlafstatt misst 1,25 auf 1,95 Meter, das Hubdach sorgt für luftiges RaumklimaFoto: Jan Bürgermeister
Auf Wunsch wird aus dem Sofa ein Bett, der Splint sichert es während der Fahrt. Die Schlafstatt misst 1,25 auf 1,95 Meter, das Hubdach sorgt für luftiges Raumklima
Als Grundpreis für einen Alpincamper T6.1 sind aktuell 43.990 Euro angesetzt, sofern man sich mit 110 Pferdchen begnügtFoto: Jan Bürgermeister
Als Grundpreis für einen Alpincamper T6.1 sind aktuell 43.990 Euro angesetzt, sofern man sich mit 110 Pferdchen begnügt
Die 17-Zöller verbessern zwar nicht die Campingtalente, stehen dem Alpincamper aber richtig gut. Der Aufpreis liegt bei 1.100 EuroFoto: Jan Bürgermeister
Die 17-Zöller verbessern zwar nicht die Campingtalente, stehen dem Alpincamper aber richtig gut. Der Aufpreis liegt bei 1.100 Euro
Das Hubdach bietet drei Moskitonetze und sorgt für Stehhöhe & Frischluft. Alternativ ist ein klassisches Schlafdach erhältlichFoto: Jan Bürgermeister
Das Hubdach bietet drei Moskitonetze und sorgt für Stehhöhe & Frischluft. Alternativ ist ein klassisches Schlafdach erhältlich
Die Markise ist optional für 940 Euro erhältlich, und absolut empfehlenswertFoto: Jan Bürgermeister
Die Markise ist optional für 940 Euro erhältlich, und absolut empfehlenswert
Bild 1Foto: Jan Bürgermeister
Bild 1
Pfiffig: Das Beifahrergestühl lässt sich auch dann drehen, wenn es als Doppelsitzbank ausgelegt ist. Vier Schraubbolzen sichern den Sitz während der Fahrt
Spannend: Der Landstromanschluss ist als CEE-Stecker ausgeführt, er sitzt in der linken Flanke
Übersichtlich: Das Bedienpaneel thront über dem Küchenblock, oben darüber das Webasto- Display für die Heizung
Aufgeräumt: Diverse Fächer bieten Stauraum, die unteren sind aber bei ausgefahrenem Bett nicht mehr zugänglich
Befeuert wird die zweiflammige Campingküche mit „Camping- Gaz“. Die blaue Buddel lässt sich überall in Europa tauschen
Wie eine Lounge auf Rädern: Der Ausbau von Alpincamper kann sich sehen lassen
Drei von vier Kunden wählen zwecks leichteren Durchstiegs die Hecktüren anstatt der Klappe
Je zwölf Liter Wasser und Abwasser sind frostsicher im unteren Bereich des Küchenblocks verstaut
Bild 10
Die Schiebefenster sind Serie, empfehlenswerte Ausstellfenster gibt es für 300 Euro das Stück
Ein klassischer Tisch fehlt beim Alpincamper-Konzept, dafür kann man vom Bett aus Kaffee kochen
Übersichtlich, praktisch, robust – das Transporter-Cockpit: Was Handwerker erfreut, das funktioniert auch im Urlaub. Der umgebaute Kastenwagen kann seine Herkunft nicht leugnen. Wozu aber auch?
Auf Wunsch wird aus dem Sofa ein Bett, der Splint sichert es während der Fahrt. Die Schlafstatt misst 1,25 auf 1,95 Meter, das Hubdach sorgt für luftiges Raumklima
Als Grundpreis für einen Alpincamper T6.1 sind aktuell 43.990 Euro angesetzt, sofern man sich mit 110 Pferdchen begnügt
Die 17-Zöller verbessern zwar nicht die Campingtalente, stehen dem Alpincamper aber richtig gut. Der Aufpreis liegt bei 1.100 Euro
Das Hubdach bietet drei Moskitonetze und sorgt für Stehhöhe & Frischluft. Alternativ ist ein klassisches Schlafdach erhältlich
Die Markise ist optional für 940 Euro erhältlich, und absolut empfehlenswert

Eingebettet ist die Marke Alpincamper ins Isar-Outdoorcenter. Dort wurden schon vor Jahren Elemente für Reisemobile verkauft, Heckküchen beispielsweise. Irgendwann entstand dann die Idee, eine eigene Kreation auf die Räder zu stellen. „Also haben wir geschaut, was es so gibt – und was es eben nicht gibt“, erklärt Michael Zaiser, während wir über den Hof seiner Firma schlendern, auf dem mehrere Dutzend Camper sowie zum Ausbau bestimmte Fahrzeuge parken. Allesamt sind sie weiß an diesem Tag – andere Farben kommen nur in homöopathischen Dosen vor – und alle werden sie nach dem selben, charakteristischen Bauplan gestrickt. Entwickelt wurde der eigentlich für Hochdachkombis vom Schlage eines VW Caddy. „Doch er funktioniert auch in größeren Dimensionen ausgezeichnet.“

Ein System, ein Design, ein Name

Michael öffnet die Hecktüren des T6.1– sofort wird klar, was er meint. Links das Bett, rechts die Küchenzeile, oben ein Pilzdach für Luft und Platz – so wurde es für die Welt der Minicamper entwickelt, so findet das System auch im VW Transporter seine Anwendung. Wobei der Begriff „Transporter“ wörtlich zu verstehen ist: Als Basis werden geschlossene Kastenwagen ausgebaut, um auch eine eigene Fensterlösung realisieren zu können. Und weil es in Oberbayern auch mal frisch werden kann, sind alle Fahrzeuge auf Winterfestigkeit getrimmt. Armaflex sorgt für eine ordentliche Dämmung unter den mit Nadelfilz bezogenen Holzplatten. Und natürlich sind auch die beiden Kanister für je zwölf Liter Wasser und Abwasser frostsicher im Küchenblock positioniert. Dass man hierbei erst das Grauwasser herausnehmen muss, um ans geleerte Frischwasserreservoir zu gelangen, das macht sogar Sinn. Wird man doch solcherart erinnert, auch die gebrauchte Brühe zu entsorgen. So läuft nie was über.

Wobei das ein solch großes Drama auch nicht wäre, generell wird der Boden mit PVC belegt. Die Möbel wiederum bestehen aus robusten Multiplexplatten. Zur Wahl steht genau eine weiß glänzende Front mit mattschwarzen Klappen. Punkt. Auf neudeutsch würde man „keep it simple“ sagen. Doch schaut das funktionale Design deshalb keineswegs morbide aus, sondern frisch und modern.

150 Camper sollen es `21 werden

Die Komponenten werden unter anderem von Dometic zugekauft: Der als Schublade unters Ausziehbett verbaute Kompressorkühlschrank ist besonders platzsparend untergebracht, er fasst 30 Liter. Ebenfalls von Dometic stammen der zweiflammige Gaskocher sowie die Edelstahlspüle im Küchenblock, der eine Erweiterung zum Aufklappen im Bereich der Schiebetür hat. Einen zusätzlichen Tisch sucht man indes vergebens.

Der wäre jedoch dem Bett im Wege, das auf der gesamten Länge ausgezogen wird. Aus dem feinen Sofa wird nun eine feine Liegefläche mit 195 auf 125 Zentimetern, die Auflagen bestehen aus acht und zehn Zentimeter dickem Kaltschaum.Damit es des nächtens kuschelig bleibt, sorgt eine Standheizung für Gemütlichkeit im Wagen, in dem man natürlich auch gemütlich sitzen kann – das Beifahrergestühl ruht auf einer Drehkonsole.

Als Special bietet Alpincamper hier zudem einen drehbaren Doppelsitz mit einem Wertfach im Parterre, falls mal drei Personen mitfahren möchten. Auf der hinteren Längsbank gibt es keine Gurt – der Alpincamper ist ganz klar als ein Camper für Paare ganz ohne Kinder oder mit maximal einem Kleinkind gedacht.

Wohl auch deshalb wählen viele nicht das große Schlafdach, das beispielsweise von SCA bezogen wird, sondern das von Reimo zugelieferte Hubdach mit den drei Moskitonetzen. Dieses sorgt am Reiseziel nicht nur für Stehhöhe, sondern auch für ein angenehmes Raumgefühl.

Ganz abgesehen davon, dass es in heißen Gefilden – wie wäre es mal wieder mit einer Fahrt in die Provence oder nach Sizilien – ganz eindeutig der Klimatisierung dient. Oder eben der Belüftung, Alpincamper verbaut ein hochwertiges Porta Potti 565 DeLuxe mit Füllstandsanzeige und elektrischer Pumpe links im Heck, ein Vorhang trennt den Privatbereich ab.

Vom Kasten zum Camper

Die Innenbeleuchtung übernehmen vier warmweiße LEDs, als Steckdosen findet man eine 230er am Küchenblock sowie eine für zwölf Volt links im Heck. Neben dem zentralen Bedienpaneel sind zudem zwei USB-Steckdosen verbaut, der VW T6.1 hat natürlich noch eigene Stromquellen rund ums Volant zu bieten. Für Autarkie sorgen insgesamt zwei Batterien, auch der Ladebooster wird übrigens von Dometic bezogen. Der Sicherungskasten ist unterm Bett und somit in der Nähe des auf der Fahrerseite verbauten Landstromanschlusses zu finden. Die Wippschalter des Bedienpaneels wiederum steuern alle Verbraucher, hier gibt es auch die Infos zu den Ladezuständen. Oberhalb ist die Bedieneinheit der Webasto-Heizung zu finden, hier kommt die Edelvariante mit LCD-Display zum Einsatz. Der kleine Pinöppel links der Bedieneinheiten darf übrigens nicht verwundern, hierbei handelt es sich um den Temperaturfühler der Heizung. Also nicht abknibbeln, das g‘hört so!

Eine Weile später stehen wir wieder bei Michael auf dem Hof, beheimatet ist die Marke Alpincamper passenderweise in einer alten Gebirgsjägerkaserne. Und das hat durchaus Vorteile – Platz gibt es hier genug. Und der wird gebraucht. „Im letzten Jahr lieferten wir rund 120 Reisemobile aus, in diesem Jahr peilen wir 150 an, im kommenden dann 180“, erklärt er. Gleichwohl möchte die Marke gar nicht viel größer werden, um den familiären Ton nicht drein zu geben. Es geht mehr als nur freundschaftlich zu in der alten Kaserne, vor der nun auch wieder unser Fotomodell parkt.

Nur bei einer Frage muss er passen, der Michael. Einen richtigen Namen hat der Ausbau nämlich noch nicht, dafür war bei allem Erfolg wohl noch keine Zeit. Sinnierend blickt er auf den 1.650 Meter hohen Hausberg, Brauneck genannt, hoffend auf eine spontane Eingebung. „Ach, wir reden einfach vom Alpincamper T6.1. Und gut“, meint er verschmitzt. Passt so! Gute Ideen müssen eben nicht zwingend kompliziert sein.


Test kompakt:

Nach der anfänglichen Durststrecke läuft es inzwischen rund in Lenggries: Flotte 150 Reisemobile will Alpincamper in diesem Jahr verkaufen – stets nach einem gesetzten Grundriss. Der bietet für zwei Personen alle Reisetalente, obendrein passt auch ein Bike in den Raum zwischen Küche und Bett. Und im Heck wird schließlich noch eine Toilette verbaut – alles auf dem kurzen Radstand des T6.1. Läuft bei Alpincamper!