Kurztest VW ID.3 Pro PerformanceEiner für alle Tage

Joachim Fischer

 · 16.01.2023

Kurztest VW ID.3 Pro Performance: Einer für alle TageFoto: Jan Bürgermeister

Der ID.3 war der Auftakt zu Volkswagens E-Auto-Offensive. Der Kompakte ist mit 58 kWh-Akku und 204 PS ein perfekter Alltagsbegleiter

Der ID.3 ist der Vorreiter der E-Mobilität bei Volkswagen. Nach den von Verbrenner-Modellen adaptierten Varianten E-Up und E-Golf war er der Erste auf Basis des neu geschaffenen, inzwischen konzernweit eingesetzten Modularen E-Antriebs-Baukastens MEB, auf dem heute bereits zahlreiche Modelle unterschiedlicher Marken aufbauen. Er ist sozusagen das kompakte „Schweizer Taschenmesser“ unter den E-Mobilen, analog zu den Tugenden seines herkömmlich angetriebenen Bruders VW Golf – nur eben zeitgemäß rein elektrisch und somit im Betrieb abgasfrei unterwegs.

Dazu verfügt der ID.3 Pro als momentanes Basismodell der Baureihe über einen Akku mit 58 kWh Netto-Speicherkapazität und einen permanenterregten E-Motor mit 204 PS sowie 310 Nm, der an der Hinterachse achsparallel eingebaut ist. Für die Kraftübertragung sorgt ein 1-Gang-Getriebe mit Konstantübersetzung. Das bedeutet: ein Vorwärts- und ein Rückwärtsgang, dazu eine Neutralstellung und die verstärkte Rekuperationsstufe B – alles eingängig zu bedienen über einen „Knubbel“ rechts am kleinen Digital-Cockpit, das auf der Lenksäule montiert ist.

Die nahezu geschlossene Front mit dem freundlichen Grinsen erinnert an die Volkswagen-Ära mit den luftgekühlten Boxer-Heckmotoren
Foto: Jan Bürgermeister

Angetrieben werden – aufgrund der Einbaulage des E-Motors naheliegend –, die Hinterräder. Das mögen eingefleischte VW-Fahrer zunächst etwas befremdlich finden. War man doch von den Vorteilen des Frontantriebs, der mit Golf, Polo und Passat in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nicht nur bei den Niedersachsen Einzug hielt, zutiefst überzeugt.

Narrensicheres Fahrverhalten

Doch keine Sorge. Der ID.3 lässt fahrdynamisch keine Zweifel aufkeimen. Satte Traktion, die tiefe, wohlbehütete Einbaulage des wassergekühlten Akkus im Fahrzeugboden, eine Gewichtsverteilung von nahezu 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse sowie eine ganze Reihe von elektronischen Helfern – gesteuert vom sogenannten Fahrdynamik-Manager – sorgen für ein freudvoll-agiles, jederzeit narrensicheres Fahrverhalten. Das beweist der ID.3 auch bei den Fahrleistungsmessungen: Druckvoll beschleunigt er aus dem Stand wie am imaginären Gummiband gezogen in 7,4 Sekunden auf 100 km/h, nach 20,4 Sekunden liegt die elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h an.

Ohne Zugkraftunterbrechung geht es dank sattem Drehmoment schon aus dem Stand linear und flüsterleise vorwärts. Nur ein Surren sowie mit dem Tempo anschwellende Wind- und Abrollgeräusche sind zu vernehmen. Ein Erlebnis der besonderen Art. Die Bremsen – vorne Scheiben, hinten Trommeln – sind von zupackender Natur. Meist wird beim Verzögern oder im Schubbetrieb jedoch sanft rekuperiert, indem die E-Maschine zum Generator mutiert und Bewegungs- in elektrische Energie wandelt sowie in den Akku zurückspeist. In der Fahrstufe „B“ geschieht dies noch intensiver. Es fühlt sich fast wie eine klassische Motorbremse an. Am effektivsten arbeitet „B“ in der Stadt und über Land, auf der Autobahn ist das „Segeln“ effizienter. Womit wir beim Thema Reichweite und Verbrauch angelangt wären. Für einen nahezu voll ausgestatteten, rund 1,9 Tonnen schweren ID.3 mit 20-Zoll-Rädern und Panoramadach gibt Volkswagen einen kombinierten Verbrauch nach WLTP von 15,7 kWh pro 100 Kilometer an. Einen solch niedrigen Wert konnten wir im Test durch extrem sparsame Fahrweise mit 16,3 kWh fast erreichen. Im Alltagsbetrieb sollte man aber eher mit rund 19 kWh pro 100 Kilometer rechnen, wie unser Testschnitt belegt. Wer es eilig hat, kann aber auch über 24 kWh pro 100 Kilometer aus dem Akku saugen.

Ab Werk alles Nötige, Pakete für Extrawünsche

Ab Werk bietet der ID.3 Pro für 38.060 Euro eine gute Verarbeitung, großzügig Platz für bis zu fünf Passagiere plus Gepäck, viel Sicherheit, eine weitgehend digitalisierte Bedienung, genügend Kraft und ein ausgezeichnetes Fahrverhalten. Alles darüber hinaus bleibt persönlichem Geschmack und Ansprüchen überlassen. Wir würden zumindest das Interieur Style- (1.180 Euro), das Design- (1.800 Euro), das Komfort Plus- (985 Euro), das Infotainment-Paket (1.100 Euro) sowie den Abstands-Tempomat ACC für 320 Euro empfehlen. Damit hat man einen klassischen Allrounder für alle Tage und Bedürfnisse – eben einen Golf fürs E-Zeitalter. Wer über 19- oder 20-Zoll-Räder nachdenkt, sollte auch das Sportpaket Plus mit adaptivem Fahrwerk DCC und Progressivlenkung (1.150 Euro) einkalkulieren – für den Komfort ...