Fahrbericht Skoda Kodiaq & Kodiaq RSGipfelstürmer

Arne Olerth

 · 13.08.2021

 | Fotos Skoda (H.-D. Seufert)

Skoda spendiert dem Erfolgs-SUV Kodiaq ein umfangreiches Update. Neue Motoren, mehr Assistenz und MIB3-Infotainment machen das Reise-SUV fit für die zweite Halbzeit. Ein Fahrbericht

Gewagt – und gewonnen. Skoda startete vor fünf Jahren mit dem großen Reise-SUV Kodiaq seine große SUV-Offensive. Mit der Ausweitung um Karoq und Kamiq bietet der tschechische Autobauer heute in allen bedeutsamen Klassen die angesagt-praktischen Hochbeiner an. Der Erfolg gibt dem Autobauer aus Mlada Boleslav Recht: Knapp 40 Prozent aller weltweit verkauften Skoda werden unter diesen Modellen ausgemacht.

Gerade in Deutschland ist der Kodiaq von Anfang an ein Hit. Wartezeiten von bis zu einem Jahr sprechen genauso dafür wie die Gesamtzahl der nach Deutschland ausgelieferten Kodiaq von knapp 86.000 Einheiten. Allein 2020 nahmen hierzulande mehr als 22.000 stolze Neukunden ihren Schlüssel vom Skoda-Partner entgegen. Und: Es könnten bald noch mehr werden, spendiert Skoda dem Kodiaq doch jetzt ein umfangreiches Update. GUTE FAHRT hat dem Modelljahr 2022 auf den Zahn gefühlt.

Verlagssonderveröffentlichung

Schon beim ersten Anblick wird klar: Der Neue ist noch attraktiver geworden. Seine Front zeigt ein gesteigertes Selbstbewusstsein, ohne dabei ins Protzige abzugleiten. Maßgeblichen Anteil daran hat der neue, hexagonale Kühlergrill, der deutlich steiler im Wind steht als bisher. Er wird flankiert von LED-Scheinwerfern, die jetzt viel flacher bauen. Direkt darunter platzierten die Designer die LED-Spots der Nebelscheinwerfer, die gedimmt zusammen mit den Hauptscheinwerfer für eine Vier-Augen-Optik sorgen. Die beiden übereinander platzierten Lichtspots je Seite sollen auch bei künftigen SUV aus dem Hause Skoda als Erkennungsmerkmal dienen, wie Skoda verriet. Ganz unten sorgt jetzt ein Design-Unterfahrschutz für hemdsärmelige Offroad-Folklore.

Bei den Felgen gibt es viele neue Designs, die Formate bewegen sich zwischen 17 und strammen 20 Zoll. Achtern zieht ein prägnanter Dachkantenspoiler das SUV optisch in die Länge, seitliche Winglets optimieren die Aerodynamik. Schärfer gezeichnete LED-Rückleuchten, ab der Ausstattungslinie Ambition mit feschen Wischblinkern und Lichtinszenierung, sowie der selbstbewusst mittig platzierte Skoda-Schriftzug sorgen für einen standesgemäßen Auftritt. Auch hier betont ein Design-Unterfahrschutz die SUV-Tugenden. Skoda hat das Sondermodell Scout gestrichen, dessen Design-Elemente in die Serienausstattung der drei Linien Active, Ambition und Style überführt. Die Sondermodelle Laurin&Klement, Sportline und RS werden selbstverständlich weitergeführt.

Extrasaubere Evo-TDI mit Twindosing

Wir aber schnappen uns einen Kodiaq Style mit dem neuen 200-PS-Powerdiesel, der den bisherigen TDI-Bestseller mit 190 PS beerbt. Das Aggregat gehört zu neuen Evo-Motorengeneration, die durch das hoch effiziente Twindosing-Adblue-System des Volkswagen-Konzerns Stickoxide in allen Lebenslagen verblüffend umfänglich eliminiert und uns schon in einigen Tests überzeugen konnte.

400 Nm und 200 PS

Im großen Kodiaq avanciert der 200-PS-TDI zur Ideal- motorisierung: Ungemein laufruhig und vibrationsarm bietet er souveräne Kraft in allen Lebenslagen. Seine 400 Nm Drehmoment wirken ungemein entspannend, keinesfalls überkandidelt. Sie gestatten dem obligatorischen Siebengang-DSG das flotte Durchflippern in hohe Fahrstufen, sorgen durch niedrige Touren für vornehme Ruhe an Bord. 7,7 Sekunden notiert das Datenblatt für den Landstraßensprint, Tempo 218 für die Höchstgeschwindigkeit und 5,3 Liter für den Normverbrauch. Anfahrschwäche? Jepp – doch ist diese so marginal, dass sie kaum störend ins Gewicht fällt.

Skoda kombiniert die Wuchtbrumme mit dem 4x4-Allradantrieb. Gut so, werden die Momente doch schlupffrei in Vortrieb umgewandelt. Zusammen mit der präzisen Lenkung sorgt das für eine Menge Fahrspaß auf kurvenreichen Nebenstraßen. Erst recht, wenn wie beim Testwagen die klasse DCC-Adaptivdämpfer an Bord sind. Auf Knopfdruck straffen sie das Geschehen nachhaltig, ohne dass gleich die Plomben in Gefahr sind. Im Normal-, erst recht aber im Comfort-Modus hingegen verwöhnen sie mit samtenem Komfort, verschmeicheln die schicken 20-Zöller gekonnt. Eine klare Kaufempfehlung!

DCC-Komfort

Überhaupt gefällt der Kodiaq auf flotten Autobahnetappen: Er schirmt seine Insassen effektiv gegen Geräusche und Fahrbahn-Unbillen ab. Und verwöhnt mit geradezu unverschämt viel Platz auf allen Plätzen. Bekanntlich ist diese Tugend umso wertvoller, je länger die Reise dauert. Auch die neuen Ergo-Sitze tragen zur Entspannung bei. Sie sind klasse konturiert, vielfältig einstellbar, beheizt und belüftet und können sogar massieren. Ziernähte an Armaturentafel und Türverkleidungen, ein erweitertes Ambientelicht und ein neues Zweispeichen-Multilenkrad sorgen für Noblesse, das digitale Cockpit für den Modern Look.

Bewährt: Der Kodiaq kommt weiterhin mit bedienfreundlichen Tasten und Drehreglern für die Clima-Steuerung. Dafür spiegelt das MIB3-
Infotainment Handyinhalte ab sofort drahtlos. Und der Travel Assist übernimmt auf Knopfdruck Lenken, Bremsen und Beschleunigen.

Jetzt der kleine Bruder: der 2.0 TDI mit 150 PS, der ebenfalls alternativlos mit DSG ausgeliefert wird. Wir fahren ihn mit 4x4-Allrad, eine Version mit Vorderradantrieb ist ebenfalls verfügbar. Im normalen Fahrbetrieb ähnelt er verblüffend seinem Bruder. Kein Wunder, bietet er mit 360 Newtonmeter doch ebenfalls ein büffelartiges Drehmoment. Erst bei sportlichem Einsatz fordert die Minderleistung ihren Tribut. Wer jedoch weder auf Bestzeiten aus ist, noch überdurchschnittlich schwere Anhänger ziehen muss, kann bedenkenlos zu diesem Motor greifen. Er basiert ebenfalls auf der Evo-Generation und ist mit Twin-Dosing ausgerüstet. Im Datenblatt steht er mit 9,6 Sekunden, 200 km/h und 5,0 Liter notiert.

Drehfreudiger TSI ersetzt den Büffel-TDI

Haben die bisher betrachteten Änderungen das Profil des Kodiaq eher evolutionär geschärft, so gleicht der Paradigmenwechsel in Sachen Antrieb beim Sportmodell Kodiaq RS fast schon einer Revolution: Der BiTDI mit 240 PS wurde konzernweit in Rente geschickt. Skoda ersetzt ihn mit einem feurigen 2.0 TSI mit 245 PS, der bereits im Octavia RS TSI für Furore sorgt. 370 statt 500 Nm, TSI statt TDI – kann das gutgehen?

Aber hallo! Unsere anfänglichen Bedenken bläst der Sportmotor fröhlich posaunend einfach hinweg. Zwar fällt der Tritt ins Kreuz bei niedrigen Touren nicht ganz so bombastisch aus wie bisher, dafür bereichert der TSI das Geschehen mit erfrischender Drehfreude. Die Nenndrehzahl liegt satte 2.500 Touren höher als die des TDI, die digitale Nadel des Tourenzählers kommt der Sieben oft nahe. Dazu haben die Ingenieure ihm einen wahrlich emotionalen Klang anerzogen. Sportlich-rauchig tönt es aus den Endrohren. Ganz ohne elektronische Hilfsmittel, modelliert nur von einer Klappe. Auf der Langstrecke sorgt die auf Knopfdruck für entspannende Ruhe. Die serienmäßige Progessivlenkung vermittelt dem 4,70-Meter-SUV eine erstaunliche Handlichkeit. Was dabei rumkommt? 6,5 zu 6,9 Sekunden – der TSI ist schneller als der BiTDI. Skoda gibt die Spitze mit 234 km/h an, der Norm-Verbrauch fällt mit 7,4 Liter erstaunlich gering aus. Ob das auch für schnelle Streckenabschnitte gilt, werden wir zeitnah in einem Test nachprüfen. Verbrauchssensible Interessenten können aber bedenkenlos zum 200-PS-TDI greifen.