Technik: Audi TT - Future WorldFoto: Audi

Technik: Audi TT - Future World

20.6.2014, Lesezeit: 6 Minuten

Mit dem neuen TT bringt Audi erstmals ein volldigitales Instrument mit bestechender Grafik. Dazu eine neue MMI-Generation, die sich spielerisch leicht bedienen lässt

   	Audi TT Technik (2014)
Foto: Audi
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So lange ist es doch noch gar nicht her, dass im Auto der individuelle Musikgenuss aus der Cassette kam. Jeder hatte die kleinen Bänder noch bis weit in die 90er Jahre an Bord, erst dann kam der auch nur vorläufi­ge Siegeszug der CD. Und heute? Das Auto ist bereits voll vernetzt, im Verborgenen agieren Elektronikeinheiten mit gigantischen Spei­cher­möglickeiten. 250 Stunden Musik, das waren einmal 250 Cassetten. Ein ganzer Kofferraum voll. Heute sind Gigabite-Speicher im Miniformat die Reali­tät, 1500 Stunden Musikgenuss genauso wenig ein Problem wie feinste Navigationsdaten aus ganz Europa. In Form von Landkarten wären dafür 25.000 Quadratmeter Papier mit rund 2,5 Tonnen Gewicht nötig.

Und die Entwicklung geht weiter, das Auto der Zukunft ist Elektronik auf Rädern. Das birgt zwar auch Gefahren, doch man muss die Möglichkeiten eben konsequent und vor allem richtig nutzen. Bei Audi wird nun die Zukunft bereits ein Stück weit Realität, und zwar im brandneuen TT. Dem spendieren die Ingolstädter nicht nur eine neue MMI-Generation mit bahnbrechend einfacher Bedienung – dazu später mehr – sondern erstmals auch ein volldigitales Cockpit. Ein alter Hut? Gab es doch auch schon mal in den Achtzigern beim Golf GTI?

   	Audi TT Technik (2014)
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Richtig, doch damals war der Stand der Elektronik aus heutiger Sicht schlicht Steinzeit. Entsprechend unbefriedigend war das Ergebnis, weshalb die insbesondere schlecht ablesbaren Digital-Instrumente schon bald wieder in der Versenkung verschwanden. Fühlen wir dem "Virtual Cockpit", so nennt Audi das neue TT-Highlight, also mal genauer auf den Zahn und probieren es schon im Stand einmal aus. Was dabei sofort auffällt ist das gestochen scharfe Bild und der exzellente Kontrast des TFT-Displays, das über eine Diagonale von 12,3 Zoll verfügt und eine hohe Auflösung von 1440 x 540 Pixel bietet. Als schnellen Grafikprozessor nutzt Audi im Hintergrund als erster Automobil­hersteller weltweit einen Tegra 30-Chip des Kooperationspartners Nvidia. Dieser Quadcore-Chip arbeitet mit einem speziellen 3D-Grafikprogramm zusammen und ist mit einer Taktfrequenz von mehr als einem GHz in der Lage, in jeder Sekunde acht Milliarden Rechenoperationen zu erledigen. Was hat man davon?

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Zunächst einmal ein hochpräzises Bild, wie man es sonst nur von besten Smartphones oder Tablets her kennt. So wird etwa der Drehzahlmesser mit 60 Frames pro Sekunde gerechnet, womit die virtuelle Nadel genauso flüssig und sauber läuft wie bei einem Analoginstrument. Dazu werden die sogenannten Fresnet-Effekte, womit die je nach Blickwinkel unterschiedlichen Reflexionen des Displayglases gemeint sind, absolut realitätsnah nachgebildet.

Das TFT-Display zeigt eine Top-Auflösung

Im neuen TT bietet das sechseckige Virtual Display zwei Oberflächen, die mit der "View"-Taste links im Multifunktionslenkrad aufgerufen werden können. Im Grundmenü zeigt sich eine klassische Ansicht mit großen Instrumenten, rote Zeiger laufen über schwarze Skalen mit weißen Ziffern. Dazwischen gibt es ein kleineres Info-Fenster für Menüfunktionen wie Listen oder Navigation. Beim Wechsel auf den Infotainment-Modus dagegen dominiert die zentrale Mitte, die Instrumente zoomen auf eine kleinere Ansicht. Insbesondere die riesige, direkt im Fahrer-Blickfeld liegende Navikarte sorgt hier für Aha-Effekte. Dazu wechselt das Display je nach Grundmenü sein Farbdesign, für Medien erstrahlt es wie gewohnt in orange, im Telefonmenü ist grün an der Reihe. Die festen Anzeigen für Kilometerstände, Uhrzeit, Außentemperatur sowie Warn- und Hinweissymbole werden am unteren Displayrand eingeblendet. Über die Kühlmitteltemperatur und den Kraftstoffstand informieren LEDs.

   	Audi TT Technik (2014)
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Nimmt man den 310 PS starken TTS offeriert das Virtual Display gar noch ein weiteres Schmankerl in Form eines Sport-Modus. Wird der abgerufen dominiert ein großer Drezhlmesser samt integrierter Tachoanzeige in der Mitte das Display, die Infoelemente rücken nach rechts und links. Und natürlich darf hier auch das typische S-Design nicht fehlen: die Skalen tragen also anthrazitgrau und die Ziffern und Skalen erstrahlen zum Serieneinsatz in Weiß.

Dass ein derart geballter Einsatz von Hightech-Elek­tronik im Auto nach höchster Teilequalität verlangt, ist logisch. Schließlich treten hier mechanische und thermische Belastungen auf, die im Bereich der Consumer-Elektronik nur selten vorkommen. Weshalb die Audi-Entwickler die Messlatte besonders hoch legten und strengste Qualitätsprüfungen anordneten.

Der Qualitätsanspruch ist extrem streng

So wird etwa das komplette Instrument in drei Achsen gerüttelt und geschüttelt, hier kann die hochfeste und extrem leichteTrägerstruktur ihre Stärken zeigen. Aber auch die Tests der Halbleiterelemente sind heftig. So gilt es einen Betrieb von rund 100 Stunden bei über 100 Grad Celsius genauso zu überstehen wie hunderte Temperaturzyklen von -50 bis +105 Grad Celsius.

Last but not least wurde zur Sicherstellung einer langen Lebensdauer der komplexen Cockpit-Einheit noch ein intelligentes Temperaturmanagement realisiert. So versorgt eine aktive Luftzirkulation das Display und die dazugehörigen Elektronikbauteile fast völlig geräuschlos immer dann mit kühlender Innenraumluft, wenn es die Situation erfordert. Man darf also schon jetzt gespannt sein, wie sich das Virtual Display in der Praxis bewähren wird. Fraglos ist es ein Meilenstein in der automobilen Elektronik-Entwicklung, und dürfte bei Audi bald auch in anderen Modellen zu haben sein.

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Doch damit nicht genug gehen die Ingolstädter im TT auch beim Intotainmentsystem MMI erstmals neue, bahnbrechende Wege. Sie kennen das alte MMI und sind mit der bewährten Eingabestruktur vertraut? Vergessen Sie es! Denn plötzlich ist nicht nur alles anders, sondern auf das Wesentliche reduziert und damit noch viel einfacher zu bedienen.

Auf der Mittelkonsole findet sich das gegenüber dem A3 nochmals reduzierte Bedien-Terminal, das weiterhin vom großen Dreh-/Drücksteller dominiert wird. Auf dessen Oberfläche liegt das berührungsempfindliche MMI Touch, das zur Handschriftenerkennung dient und jetzt auch Mehrfingergesten verarbeitet. Wie vom Smartphone gewohnt kann man mit zwei Fingern durch Listen scrollen oder in der Karte zoomen, ein optischer Sensor überwacht den hochpräzise klickenden Steller auf Hundertstelmillimeter genau, was eine nahezu stufenlose Bewegung möglich macht. Unter dem Touchwheel sind die allgemeine Menü-Taste und die Zurück-Funktion angeordnet, links und rechts von ihm gibt es ab jetzt nur noch eine Taste. Dieser Minimalismus dient nur zu einem Zweck: Einer spürbar einfacheren, schnelleren und direkteren Bedienung!

Freie Texteingabe zur MMI-Suche

Genau dazu kommt als besonderes Highlight auch die in allen Grundmenüs verfügbare MMI-Suche mit freier Texteingabe wie bei einer Suchmaschine am Rechner zum Einsatz. Sie suchen ein Restaurant? Einfach am Touchpad den Namen des Lokals und die ersten Buchstaben der Stadt eingeben. Schon erscheinen die Treffer in der Ergebnisliste – und das europaweit inklusive Adresse! Wir haben es probiert, es funktioniert selbst mit den abgelegensten Navi-Zielen. Doch auch die Suche nach Radiosendern, Musiktiteln oder Alben läuft auf ähnliche Weise ab. Egal, was man sucht, in der Regel werden Anfragen bereits nach wenigen Buchstaben korrekt beantwortet, wobei auch gleich der Standort des Fahzeugs mit berücksichtigt wird.

Ihnen ist das Buchstaben-Malen zu umständlich? Dann vertrauen Sie der neuen Sprachbedienung, die jetzt sogar einfache Kommandos und Formulierungen aus dem alltäglichen Sprachgebrauch versteht.
Mit dem Virtual Cockpit und dem neuen MMI setzt Audi also mal wieder Maßstäbe. Der TT kann kommen!