VW-Vitrine: Minialuxe

Im Tal des Kunststoffs

06.05.2015 Fabian Houchangnia - 1979 schloss Dinky Toys seine Werkstore in der Liverpooler Binns Road – doch das war noch lange nicht das Ende der legendären Firma und seiner Modelle

Alles beginnt im verschlafenen Örtchen Oyonnax in der Région Rhône-Alpes, das ab etwa 1880 Zentrum der kunststoffverarbeitenden Industrie in Frankreich wird und binnen kurzer Zeit dem ganzen Landstrich einen Namen gibt: La Plastics Vallée (Tal des Kunststoffs). Hier gründet Eugène Grand-Clément im Jahre 1903 seinen erfolgreichen Familienbetrieb, in dem Kämme, Gürtelschnallen, aber auch Baretts produziert werden. Erst der künstlerisch begabte Enkel Édouard Blanc ist es jedoch, der im Jahre 1953 ge­meinsam mit der Großfamilie in die Herstellung von Modellautos aus Plastik einsteigt. Dies ist die Geburtsstunde von Minialuxe, neben Norev und Solido der bekannteste Modellautohersteller Frankreichs.

© Fabian Houchangnia
Auf einen Blick: Alle Minialuxe-Miniaturen samt altem K 70 in der begehrten Händler­ver­packung

Die oft mehrfarbigen Plastikmodelle im Maßstab 1:43 oder 1:32 sind von bestechender Schönheit und werden auch in liebevoll arrangierten Geschenk-Sets angeboten. Die Modellauswahl beschränkt sich zumeist auf französische Fabrikate, erst 1971 bringt Minialuxe einen Volkswagen K 70 auf den Markt. Nur sieben Jahre später muss der Betrieb seine Tore schließen. Es bleibt allein die Erinnerung an Modelle, die außerhalb Frankreichs so gut wie unbekannt blieben.

Der Neuanfang

Dass die Geschichte doch noch ein Happy End findet, ist einer Initiative begeisterter Fans zu verdanken, die sich zusammen mit der ehemaligen Eigentümerfamilie 2008 auf einen Neubeginn einigen. Um die Sammler der alten Modelle nicht zu verschrecken, verzichtet man auf Neuauflagen der Klassiker sondern kreiert eine komplett neue Reihe qualitativ hochwertiger, ungewöhnlich schwerer Diecast Modelle in 1:43, darunter gleich sechs Käfer des Baujahrs 1963. Die Anmutung der Miniaturen ist geradezu minimalistisch und entspricht so dem Zeitgeist der frühen 1960er Jahre.

Besonders edel wirkt in diesem Zusammenhang der samtige, perfekt ausgeführte Lackauftrag. Chrom und Plastik findet man bei Minialuxe nicht, selbst die Stoßstangen sind aus Metall. Die dünnen Gummireifen auf gedrehten Aluminiumfelgen tragen den Schriftzug "Minialuxe". Einziger Luxus: Die patentierte Blattfederung mit dem klangvollen Namen Miniastable. Aktuell präsentiert Minialuxe den Käfer in drei Ausführungen: Die Modelle der "Série Classic" haben weder eine Inneneinrichtung, noch eine Verglasung. Letztere gehört zusammen mit funkelnden Strass Scheinwerfern erst ab der "Série Star" zur Grundausstattung.

© Fabian Houchangnia
Aus der Série Spéciale: Käfer der Schweizer Post. Auch die Tankstelle und der Prototyp eines Motorrads sind von Minialuxe

Am luxuriösesten aber ist die "Série Spéciale", denn die zweifarbigen Modelle der "Schweizer Post" und "Polizei" verfügen neben Inneneinrichtung auch über transparente Rückleuchten und ein Dachlicht aus
Messing. Jede Miniatur ist auf gerade einmal 500 Exemplare limi­tiert und nummeriert, die Seriennummer findet sich fälschungssicher auf den von Denis Vispé kreierten Boxen wieder. Alle Modelle werden in einem roten Stoffsäckchen ausgeliefert, das zusammen mit einem kleinen Microfasertuch und der Box in einer eleganten Schatulle untergebracht ist. Erhältlich sind diese wunderbaren Sammlerstücke im Internet unter http://www.autosminiatures.com
 

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ModellfahrzeugeOldtimerAusgabe 4/2015

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