VW-Vitrine: Dinky Toys aus Liverpool - Teil 2

Globalisierung

06.04.2015 Fabian Houchangnia - 1979 schloss Dinky Toys seine Werkstore in der Liverpooler Binns Road – doch das war noch lange nicht das Ende der legendären Firma und seiner Modelle

Schon lange vor dem endgültigen Produktions-Stopp in England begaben sich die berühmten Dinky Toys Modelle aus der Liverpooler Binns Road auf eine bis heute andauernde Weltreise. Zunächst ging es nach Portugal, wo die Firma MetOsul schon im Jahre 1965 Dinky´s Ovalkäfer in nur leicht veränderter Form weiter­produzierte. Selbst die Originalverpackungen ähnelten denen des Originals frappierend. Der Erfolg war so groß, dass dem Modell 1968 sogar ein Facelift mit vergrößertem Heckfenster und geänderter Motorhaube gegönnt wurde. Da die MetOsul Käfer bis immerhin 1990 produziert wurden, zählen sie bis heute zu den erfolgreichsten Ahnen des britischen Erfolgsmodells.

© Fabian Houchangnia
Die wunderschönen Neuauflagen der Editions Atlas

Aber auch der VW 1500 bekam im Jahre 1968 eine zweite Chance – in Kalkutta. In der Tat verkaufte Dinky Toys einige seiner nicht mehr benötigten Werkzeuge an den indischen Hersteller Nicky Toys. Dieser nutzte die Namensähnlichkeit mit Dinky geschickt, um seine Produkte zu vermarkten, ja er verwendete sogar identische Bestellnummern und zum Verwechseln ähnliche Verpackungen. Aus Sicht des Sammlers sind diese Modelle hochinteressant, da exotischer und seltener als die Originale.

Tins‘, Nicky oder Imit‘ – Hauptsache Toys

Ließ sich mit dem britisch-indischen Deal noch gut Geld verdienen, so bereitete eine nicht lizensierte Kopie aus Hong Kong der Liverpooler Firma einigen Verdruss. Denn bereits in den frühen 1970er Jahren, also in Zeiten, in denen sich Dinky´s 1300er Käfer noch prächtig verkaufte, legte Tins´ Toys ein Plagiat des Käfers auf, das dem Original bis ins kleinste Detail glich. Lediglich die Hauben ließen sich bei der Imitation, die immerhin bis 1988 produziert wurde, nicht öffnen.

Aber kehren wir zurück nach Europa. Um genauer zu sein, in den in den östlichen Pyrenäen gelegenen Kleinstaat Andorra. Hier kam Jean-François Consille zu Beginn des neuen Jahrtausends auf die Idee, den wunderbaren Miniaturen aus der Binns Road neues Leben einzuhauchen. Consille wollte jedoch keine Kopien produzieren, sondern vielmehr Modelle kreieren, die im damaligen Programm des britischen Herstellers fehlten. In Kleinserie entstanden so unter dem charman­ten Namen Imit´ Toys zahlreiche von Dinky inspirierte Miniaturen aus schwerem Metall, die reißenden Absatz fanden. In der Reihe durfte natürlich auch der hier gezeigte Brezelkäfer auf Basis des berühmten Ovalis nicht fehlen. Das Modell wurde in vier Farben produziert, die Gesamtauflage war auf gerade einmal 80 Stück limitiert.

© Fabian Houchangnia
Raritäten aus Andorra, Portugal und Indien 

Wenn auch Imit´ Toys die Herstellung inzwischen leider eingestellt hat, so leben zumindest die frühen Dinky Toys Miniaturen seit 2008 unter der Regie der Editions Atlas weiter (GUTE FAHRT berichtete ausführlich in Ausgabe 1/2012). Hier kann man hervorragende Neuauflagen des Ovalkäfers, aber auch des Karmann Ghia erstehen. Selbst den im Original so seltenen Schweizer Postkäfer legte Atlas 2013 in limitierter Auflage für den englischen Dinky Club wieder auf. Ein gutes Zeichen. Denn obwohl sich die Werktore in der Binns Road 1979 für immer schlossen, so scheint es doch, dass die Geschichte der charmanten Miniaturen aus Liverpool noch lange nicht beendet ist.
 

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ModellfahrzeugeOldtimerAusgabe 3/2015

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