VW-Vitrine: Dinky Toys aus Liverpool - Teil 1

Die ersten 45 Jahre

15.03.2015 Fabian Houchangnia - Dinky Toys aus Liverpool gehört zu den berühmtesten Herstellern von Diecast-Modellen. GUTE FAHRT erzählt in zwei Teilen die Geschichte des britischen Tradi­tions-Unternehmens – und zeigt natürlich dessen schönste Miniaturen

Wenn Sie "Liverpool" hören, an was denken Sie dann? An die Beatles, Fußball, oder vielleicht doch eher an die Binns Road? Kenner wissen es: In dieser Straße residierte zwischen 1934 und 1979 Dinky Toys, gemeinsam mit Corgi Toys der vielleicht bekannteste Herstel­ler von Diecast Modellen in 1:43. Bereits 1937 hatte die Firma 300 Modelle im Programm, allein im Geschäftsjahr 1953/1954 kamen durchschnittlich drei Neuheiten pro Monat dazu.

© Fabian Houchangnia
Die Dinky Toys Modelle der 1960er Jahre besaßen viele bewegliche Teile und sogar eine Blattfederung

Der erste Volkswagen der Firma erschien 1956. Die formal sehr gelungene Karosserie des Ovalkäfers bestand aus Metalldruckguss, das Chassis hingegen aus lackiertem Blech. Eine Verglasung oder gar eine Inneneinrichtung gab es jedoch nicht. Das Modell wurde in diversen Farben und mit unterschiedlichen Rädern produziert, exklusiv für die Schweiz sogar ein heute extrem seltenes Exemplar in gelb/schwarz für die Post aufgelegt.

Die Konkurrenz machte Druck

Gegen Ende der 1950er Jahre verstärkte sich der Druck der Konkurrenten auf Dinky, insbesondere Corgi Toys bot mit seinen verglasten und gefederten Modellen deutlich mehr. So war es nur konsequent, dass das 1959 erschienene, formschöne Karmann Ghia Coupé, das in einer eleganten Zweifarbenlackierung präsentiert wurde, bereits eine Verglasung besaß. Dieses Modell wurde übrigens als einziges VW Modell auch in der französischen Filiale von Dinky Toys in Bobigny produziert und unterschied sich von seinem britischen Pendant durch eine komplett geänderte Frontpartie und die fehlende Federung. Zwischen 1963 und 1965 wurde schließlich der VW 1500 (Typ 3) gebaut, bei dem sich die vordere Haube öffnen ließ. Ein Jahr später folgte der erfolgreiche 1600 TL, der immerhin fünf Jahre im Programm blieb. Das Modell besaß nicht nur bewegliche Türen und Hauben, sondern auch klappbare Rücklehnen, Strass-Scheinwerfer und einen Miniaturmotor.

© Fabian Houchangnia
Dinky Toys´ erstes VW Modell gab es auch in einer sehr seltenen Variante für die Schweizer Post

Ein Nachfolgemodell für den zwischenzeitlich eingestellten Ovalkäfer stand im Jahre 1965 unter der Bestell-Nr. 129 in den Startlöchern. Dieser Bestseller besaß die gleichen Features wie der 1600 TL und wurde bis 1976 gebaut. 1970 setzte Dinky Toys analog zu den Whizzwheels des Konkurrenten Corgi Toys auf so genannte Speedwheels aus Plastik, die das Modell leider nicht schöner machten. Zwar wurde der 1300er üblicherweise in blaumetallic lackiert, es gab jedoch auch zwei heute sehr begehrte Post Versionen für Deutschland und die Schweiz. Zwischen 1971 und 1976 wurde der Käfer zudem auch als hier abgebildeter 22-teiliger Bausatz unter der Bezeichnung "Action Kit" angeboten.

Die 1970er Jahre erwiesen sich für Dinky Toys ebenso wie für die meisten anderen Diecast-Hersteller als extrem schwierig. Im Jahre 1979 musste Dinky´s Stammsitz in der Binns Road schließen. Damit war die glorreiche Geschichte dieses Herstellers jedoch ganz und gar nicht vorbei, denn nun ging es auf große Weltreise: Von Frankreich über Andorra bis nach Hong Kong und Indien. Darüber aber mehr in der nächsten Ausgabe!
 

© Fabian Houchangnia
Seltene Miniaturen aus Liverpool. Nur der rote Karmann wurde im französischen Werk Bobigny gebaut
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ModellfahrzeugeOldtimerAusgabe 2/2015

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