Technik: Passat Assistenzsysteme

Assistenz-König

30.05.2015 Peter Klüver - Der aktuelle Passat verfügt über eine derartige Fülle von Assistenz-Systemen, dass sie nicht nur in seiner Klasse unerreicht ist. GUTE FAHRT erläutert serienmäßige und optionale Assistenten in alphabetischer Reihenfolge
© Volkswagen
Technik: Passat Assistenzsysteme

Der Anhänger-Rangier-Assistent erleichtert das Rückwärtsfahren, wenn ein Anhänger an der Deichsel (und an der Steckdose angesteckt) ist, der Rückwärtsgang eingelegt und die Park-Pilot-Taste gedrückt wurde. Das Manövrieren des Anhängers erfolgt über den Knopf der Außenspiegel-Verstellung. Der Assistent sorgt mit Lenkbewegungen an der Vorderachse des Passat dafür, dass der Anhänger die gewünschte Fahrtrichtung einschlägt. Beim Überschreiten gewisser Geschwindigkeiten (abhängig vom Winkel des Anhängers zum Fahrzeug sowie von der Deichsellänge) erfolgen automatische Bremseingriffe. In der Multi-Funktions-Anzeige (MFA) ist die tatsächliche Position des Hängers zu sehen. Für eine besonders gute Funktion sollten vorher einige Kurven oder Abbiegungen mit Anhän­ger gefahren werden, damit das System die Deichsellänge ermitteln kann.

© Volkswagen
Der Anhänger-Rangier-Assistent unterstützt mit passenden Lenkausschlägen an der Vorderachse

Area-View-Assistent – erzeugt ein 360-Grad-Bild der Fahrzeug-Umgebung mittels Kameras im vorderen unteren Kühlergrill, an der Unterseite der Außenspiegel und in der Heckklappe (bis 15 km/h). Die Bilder werden nahtlos miteinander verschmolzen – und sind auch einzeln darstellbar, etwa wenn kreuzender Verkehr erkannt werden soll.

Auspark-Assistent – warnt beim rückwärts Ausparken vor Fahrzeugen im toten Winkel mittels Radar-Sensoren links und rechts im hinteren Stoßfänger sowie mittels Warnton und Anzeige in der Multi-Funktions-Anzeige (MFA). Bei Rückwärtsfahrt bis zu 12 km/h erfolgt wenn nötig auch ein automatischer Brems­eingriff zur Schadensminderung.

Automatische Distanz-Regelung – wird meist mit ACC abgekürzt (für amerikanisch "Automatic Cruise Control"). Hält die eingestellte Geschwindigkeit konstant und zusätzlich den Abstand zum Vordermann – sofern vorhanden.

Auto-Hold-Assistent – aktiviert automatisch die Bremse beim Warten vor der Ampel, vor dem Eisenbahn-Übergang oder an Steigungen, ohne dass das Bremspedal getreten bleiben muss. Voraussetzungen: Fahrer-Sicherheitsgurt angelegt, Fahrertür geschlossen und Motor läuft. Auto-Hold wird automatisch wieder gelöst, sobald der Fahrer losfahren will. In Durchzieh-Waschanlagen nicht verwenden, weil bei längerem Stillstand automatisch die elektronische Parkbremse aktiviert wird und so das Auto die Transportkette blockieren kann.

© Volkswagen
Der Front-Assistent warnt vor Kollisionen und bremst gegebenenfalls automatisch zur Milderung der Folgen

Bergab-Assistent – legt bei Direkt-Schalt-Getrieben (DSG) die Gangstufe ein, die optimale Motorbremswirkung ermöglicht (sofern Wählhebel in Stellung D/S); automatisch aktiv, wenn die gespeicherte Geschwindigkeit bei Geschwindigkeits-Regelanlage (GRA) oder automatischer Distanz-Regelung (ACC) aufgrund von Gefälle überschritten wird.

City-Notbrems-Assistent – kann im Geschwindigkeitsbereich von 5 bis 30 km/h vielfach Auffahrunfälle verhindern.

Emergency-Assistent – bringt den Passat durch Steuerung von Bremse und Lenkung zum Stehen, wenn der Fahrer passiv ist und auf akustische, optische sowie Bremsruck-Warnungen nicht reagiert. Das Einschal­ten der Warnblinkanlage und leichte Pendelbewegungen sollen andere Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen.

Fahrweganzeige-Assistent – informiert per Grafik im Infotainmentsystem, ob mit dem gewählten Lenkeinschlag ein vom Park-Piloten erkanntes Hindernis zu nahe kommt.

Fernlicht-Assistent – blendet beim Passat entgegenkommende und vorausfahrende Fahrzeuge so aus dem Lichtstrahl aus, dass fast ständig mit Fernlicht gefahren werden kann.

Front-Assistent – warnt den Fahrer vor Kollisionen zuerst mit einem Ton und einer Display-Grafik, dann mit einem Bremsruck. Wenn der Fahrer immer noch nicht reagiert, bremst das System automatisch im Geschwindigkeitsbereich von etwa 60 bis 250 km/h. Außerdem wird bei zögerlichem Betätigen des Bremspedals der Bremsdruck so erhöht, dass eine Kollision möglichst vermieden werden kann.

© Volkswagen
Die Fußgänger-Erkennung warnt den Fahrer und führt gegebenenfalls eine Notbremsung durch

Fußgänger-Erkennung – kann Kollisionen anhand der Bilder der Kamera an der Frontscheibe bei Geschwindigkeiten zwischen 30 und 65 km/h durch Warnung des Fahrers, Vorbereitung der Bremsanlage und auch eine automatische Notbremsung häufig verhindern – wenn der Fahrer bei Geschwindigkeiten zwischen 4 und 65 km/h nicht selbst auf die Vorwarnung reagiert. Dieser Assistent sollte beim Abschleppen, bei Offroad- und Rennbetrieb, beim Verladen auf LKW, Autofähre oder Autozug sowie nach mehrfachen unerwünschten Auslösungen ausgeschaltet werden.

Kaffeetassen-Assistent (Müdigkeits-Warnung) – serviert keine Getränke am Steuer, warnt aber mit einem Kaffeetassen-Symbol, wenn anhand der Fahrweise und -dauer beim Lenker Müdigkeit erkannt wird.

Multikollisionsbremse – bringt das Auto nach einer Kollision zum Stillstand, um mögliche Folge-Unfälle zu vermeiden.

Park-Lenk-Assistent – übernimmt beim Einparken das Lenken und stellt sich allermeist automatisch auf die aktuelle Parksituation ein – wahlweise Längs- oder Querparken (Letzteres wahlweise rückwärts oder vorwärts); Umschaltung auch durch Druck auf die Taste neben dem Schalthebel möglich. Auf welcher Fahrbahnseite geparkt werden soll, erkennt der Assistent anhand des gesetzten Blinkers. Beim Einparken nicht in das Lenkrad greifen und nicht schneller als 7 km/h fahren; bei Dauerton des Park-Piloten die Fahrtrichtung ändern. Auf Wunsch ist auch ein Ausparken aus Parklücken parallel zur eigenen Fahrbahn möglich. Wird der Passat beim Parken zu schnell, warnt er mit einem Bremsruck. Er bremst außerdem automatisch, wenn der Fahrer unaufmerksam ist, kann aber Zusammenstöße nicht immer verhindern.

© Volkswagen
Der Park-Lenk-Assistent dreht das Volant in zahlreichen Situationen automatisch

Proaktiver Insassenschutz – strafft bei einer gefährlichen Fahrsituation ab 30 km/h (etwa Notbremsung, Über- oder Untersteuern) die vorderen Gurte und schließt das Schiebedach sowie die Seitenscheiben (für bessere Abstützung eventuell benötigter Seiten-Airbags).

Rückfahrkamera – zeigt nicht nur das Kamerabild bei Rückwärtsfahrt, sondern mit farbigen Linien auch den Weg, den das Fahrzeug mit dem aktuell gewählten Lenkwinkel nehmen wird. Achtung, beim Wechsel von der Ebene in Steigung oder Gefälle sowie bei starker Beladung kann es zu optischen Täuschungen kommen. Am Infotainment-Bildschirm sind folgende Einstellungen möglich: Modus 1 und 2 für Quer- und Längseinparken, Modus 3 für Unterstützung beim Ankuppeln eines Anhängers (mit roter Linie auf Höhe des Anhänger-Kugelkopfes sowie grünen Hilfslinien im Zehn-Zentimeter-Abstand) und Modus 4 für besonderen Blick auf den Querverkehr, etwa beim Rangieren aus Garagen oder in schmalen Ausfahrten.

Spurhalte-Assistent – hilft beim Halten der eigenen Fahrspur auf Autobahnen und vergleichbaren Landstraßen (durch Erkennen der Fahrbahnmarkierungen per Kamera am Innenspiegel) und korrigiert gegebenenfalls  durch Lenkeingriffe. Pausiert beim Betätigen des Blinkers zum Wechseln der Fahrspur automatisch und wird abgeschaltet, wenn der Fahrer länger als etwa zehn Sekunden die Hände nicht am Lenkrad hat.

Spurwechsel-Assistent – warnt beim Überholen vor Fahrzeugen im toten Winkel – mittels Radar-Sensoren links und rechts im hinteren Stoßfänger sowie mittels zum Fahrer gewandter Warnleuchten in den Außenspiegeln. Der Spurwechsel Assistent Plus warnt zusätzlich mit einem korrigierenden Lenkeingriff – auch wenn der Blinker nicht gesetzt wurde.

Stau-Assistent – hält bei bis zu 60 km/h die Fahrspur sowie den vom Fahrer gewählten Abstand zum Vordermann durch automatisches Gasgeben, Lenken sowie Bremsen bis zum Stillstand – und fährt auch wieder selbst an (nicht für Stadtverkehr geeignet, nur bei Fahrzeugen mit Direkt-Schalt-Getriebe).

© Volkswagen
Der Stop-and-Go-Assistent sorgt für automatisches Folgen nach Wiederanfahren des Vordermannes 

Stop-and-go-Assistent – lässt den Passat automatisch wieder anfahren, wenn er einem anderen Fahrzeug per ACC gefolgt ist und sich dieses nach Stillstand wieder in Bewegung setzt (solange "ACC anfahrbereit" in der Multi-Funktions-Anzeige steht; kann durch Druck auf die RESET-Taste um drei Sekunden verlängert werden). Alternativ lässt sich das "Verfolgen" des Vordermanns auch durch Antippen des Gaspedals wieder starten.

Verkehrszeichen-Assistent – zeigt Tempolimits und Überholverbote im Kombi-Instrument an, gegebenenfalls auch mit Zusatzinfos, in welcher Zeit sie gültig sind sowie Einschränkungen aufgrund von Nässe und Anhänger-Betrieb.

Wer noch mehr Details zu den Assistenten wissen will (etwa genaue Funktionsweise, verwendete Sensoren und Systemgrenzen), kann das im Bordbuch zu seinem Passat (sowie teilweise auch beim Golf) nachlesen.
 

Schlagwörter

VW PassatAssistenzsystemeAusgabe 5/2015

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Ausgabe 5/2015 bestellen

Branchen News
Anzeige