Reportage: Polizei-E-Golf

Stille Streife

21.02.2015 Tim Westermann - Lautlose Verbrecherjagd – das wurde auf Helgoland Realität. Die dortige Polizeistation bekam das erste, rein elektrisch fahrende Polizei-Einsatzfahrzeug. Wir konnten diesen Volkswagen vorab exklusiv auf einem Testgelände in der Autostadt in Wolfsburg erleben.
© Volkswagen
Die Polizei in Niedersachsen möchte ihren Fuhrpark Stück für Stück um E-Mobile erweitern – natürlich aber nur dort, wo es auch Sinn macht

Voll unter Strom und Hochspannung wie beim Tatort am Sonntag Abend – für das jüngste Mitglied der deutschen Polizei ist das bei jedem Einsatz garantiert. Wir sprechen nicht von einem neuen Super-Ermittler á la Schimannski oder Kommissar Thiel – nein es handelt sich in diesem Fall um einen rein elektrisch fahrenden Streifenwagen im Golf-Gewand.

Der E-Golf in Polizei-Uniform wurde erstmals im September 2014 auf der Internationalen Fachmesse für Polizeiausrüstung in Leipzig gezeigt. "Das Interesse der Besucher und die Nachfrage seitens der Polizei waren enorm", erklärt Carsten Croce aus dem Volkswagen Vertriebsteam für Sonderzielgruppen. Trotz der  auf den ersten Blick nicht ganz polizeikonformen Reichweite und Zuladung scheint es bei den Behörden einen Umdenkprozess zu geben und man will eine Vorreiterrolle übernehmen. Dass das nicht von Ungefähr kommt, deutete schon Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einer VW-Betriebsversammlung Ende September an: "Gemeinden, Länder und der Bund haben eine besondere Verantwortung, bei der Elektro-Mobilität mit gutem Beispiel voranzugehen."

© Volkswagen
Der E-Polizei-Golf sendet auch blaue Blitze aus dem Kühlergrill. Zur Optimierung des Stromverbrauchs wurde die komplette Signalanlage jedoch überarbeitet

Optimierter Energiehaushalt

Insgesamt werden die Polizeiautos in Deutschland aktuell in 16 verschiedenen Ausführungen gebaut. Der Elektrogolf als Polizeiauto würde – sofern er in größerer Stückzahl angefordert wird – diese Varianten-Vielfalt erweitern. Und das mit einem ökologisch nachhaltigen Konzept. "Oberste Priorität hatte für uns der Energiehaushalt des Fahrzeuges. Um die Batterie zu schonen, durften wir die 15-Ampere-Grenze nicht überschreiten", erzählt Croce. Besonders Blaulicht, Martinshorn oder Funk sind starke Stromverbraucher in einem Polizeiwagen. Darum wurde die Signalanlage auf dem Dach des E-Golf zusätzlich modifiziert. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Streifenwagen sind weniger Blaulichter in der Anlage verbaut, ohne dabei aber an Leuchtkraft einzubüßen. "Wir haben zudem alle Funktionen getrennt voneinander geschaltet, was zusätzlich Energie einspart", fügt Croce an. "Die einzige Herausforderung war der Funk. Als analoges System braucht er zu viel Strom. Die Polizei ist jedoch bereits auf dem Weg zum Digitalfunk. Denn er benötigt deutlich weniger Energie. Der E-Golf im Polizei-Trimm übernimmt auch hier eine Vorreiter-Rolle und hat das digitale System bereits an Bord."

Die Polizei rüstet auf

Volkswagen bietet verschiedene Polizeipakete an. Der Aufbau des Golf als Elektro-Streifenwagen hat rund zwei Wochen in Anspruch genommen. Entwickelt wurde er seit September 2013 im Hauptwerk in Wolfsburg. Dort haben auch die Qualität-Sicherung und die Testphase stattgefunden. Die Vorgaben für das Projekt kamen aus der Technischen Entwicklung. Die Komponenten wurden im Sonderwagenbau angefertigt.

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Digitale Bedieneinheit für die Signalanlage

Die helgoländischen Bestellung des E-Golf als Einsatzfahrzeug bestätigt Volkswagen in seiner Angebots-Strategie für die Polizei. "Auch das Land Niedersachsen hat bereits zwölf Elektro-Polizeiwagen bestellt und erweitert damit den bereits bestehenden Elektromobi­litätsfuhrpark. In Sachsen plant man sogar flächendeckend mit bis zu 100 Streifenwagen in kleinen Revieren", verrät Croce. Volkswagen plant unterdessen neben dem E-Golf auch den neuen Golf GTE zum Ein­satz bei der Polizei zu bringen. "Anlass für diese Entwick­lung war ebenfalls die Polizeimesse in Leipzig", so Croce weiter. Übrigens: Der Ausbau zum Polizeiwagen kostet, neben dem Anschaffungspreis, zusätzlich rund 10.000 Euro. Und auch wenn der Ladezyklus einige Stunden in Anspruch nimmt, so können sich die Polizis­ten mit dem lautlosen E-Antrieb immerhin perfekt anschleichen.

© Volkswagen
GF-Autor Tim Westermann fuhr schon mal vorab auf Streife

Rico Wiersig von der Polizeidirektion Niedersachsen gibt einen Einblick in die künftigen Fuhrparkplanungen seiner Behörde. "Wir wollen unseren Fuhrpark stückweise umstellen. Von 2013 bis 2016 läuft das Projekt Elektroflottenerprobung. Es wurden 805.000 Euro Projektförderung dafür bereitgestellt", so Wiersig. Die Projektpartner sind neben der Technischen Universität Braunschweig die DLR und der paritätische Wohlfahrts­verband. Wiersig weiter: "Zunächst müssen wir eine Ladeinfrastruktur aufbauen. Schon 2013 starteten wir Testversuche mit Elektro-Fahrrädern. Im Fahrzeugbereich planen wir aktuell mit sechs E-Up! im Corporate-Design der Polizei und zwölf Kompaktmodellen im Polizei-Look", gibt Wiersig einen Ausblick. Einsatzgebiete für die Fahrzeuge werden zunächst größere Städte in Niedersachsen sein. Im Fokus: Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg und Hannover.
 

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Golf 7VW E-GolfElektromobilitätReportageAusgabe 2/2015

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