Reportage: 30 Jahre Quattro GmbH

Starkes Programm

02.01.2014 Martin Santoro - Mit Accessoires wie Taschen und Regenschirmen fing 1983 alles an. 30 Jahre später zählt die Quattro GmbH mit acht eigenen Baureihen zur Haute Couture der Fahrzeughersteller
© Audi/GF
Mit ihrer revolutionären Technik dominierten die Ingolstädter erst den Rallye-Motorsport, bald auch Berg- und Rundstreckenrennen

Vor Einführung des Quattro-Antriebs bei Audi galt Vierradtechnik zu Recht als Domäne geländetauglicher Spezialfahrzeuge. Abkömmlinge kompromissloser Militärversionen waren sie nahezu alle und verfügten über meist eher fragwürdige Fahreigenschaften auf der Straße. Allen derartigen Konstruktionen gemeinsam waren technische Vorraussetzungen im Antrieb, die Leistung kosteten, das Gewicht erhöhten und Platz beanspruchten. Audi brachte schließlich mit seinem ersten Allrad-PKW technische Finesse und praktische Vorteile im Alltag auf die Straße. Fast grenzenlose Traktion und verbessertes Fahrverhalten in schnellen Kurven waren die Vorzüge des ersten Allradlers, der 1980 in Genf als Audi Quattro vorgestellt wurde.

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1994 erschien als Vorzeichen der RS2 Avant mit Porsche-Zutaten

Der Name Quattro soll Walter Treser eingefallen sein, damals Leiter der Vorentwicklung und Chef von Jörg Bensinger, Quattro-Projektleiter und Vater des Allrad-Gedankens. Mit ihrer revolutionären Technik dominierten die Ingolstädter erst den Rallye-Motorsport, bald auch Berg- und Rundstreckenrennen. Die vielen Erfolge haben sich nachhaltig auf das Image und den Verkauf der Serienfahrzeuge niedergeschlagen. Die Rolle der Opa-Limousine, die der Marke Audi in den 70er Jahren noch anhaftete, wurde schon bald nachhaltig revidiert. Die Erfolge im Motorsport führten zu Akzeptanz und Respekt, machten die Marke immer beliebter – besonders bei Käufern sportlicher Automobile. Im Jahr des zweiten, in Folge erzielten Weltmeistertitels in der Rallye-WM erweitete Audi 1983 das Programm und verkaufte fortan über die neu gegründete Tochtergesellschaft namens Quattro GmbH Lifestylezubehör wie Taschen und Schirme. Es war die Ära allmählich aufkeimenden Markenbewustseins. Auch Koffer und Kleidung waren in Form und Farbe aufeinander abgestimmt. Auf schreiende Schriftzüge wurde indes verzichtet. Das Marken-Branding war allenfalls in Form der Audi-Sport-Farben ersichtlich.

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1996 nahm die Quattro GmbH mit dem 326 PS starken S6 Plus die Fahrzeug-Produktion auf

Mitte der Neunziger Jahre reagierte man auf die Wünsche der Kunden nach Individualisierung. Anreize für exklusive Fahrzeugveredlungen bot etwa der 1994 vorgestellte Audi RS2 Avant mit Quattro-Allradantrieb. Basierend auf dem Audi 80 B4/8C rüstete Audi das Mittelklassemodell mit einem 2,2 Liter Fünfzylinder Turbomotor aus, den Porsche-Ingenieure soweit verfeinerten, dass der Wagen mit 315 PS Leistung den Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden erledigte – damals sensationell für einen fünftürigen Familienkombi. Weiter erhielt er Stoßfänger, Felgen und Bremsen mit dem Markensiegel aus Zuffenhausen. Auch das Interieur, mit feinem Leder und Alcantara, lag auf dem Niveau von Supersportwagen. Die bis 1996 knapp 2900 produzierten Fahrzeuge fanden reißenden Absatz – ungeachtet des anfänglichen Basispreises von 98.900 Mark.

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2002 feiert der RS6 sein Debüt

Die so geweckten Begehrlichkeiten nach Leistung und Individualität führten 1996 zum Start des Audi S6 Plus, dem ersten Modell, bei dem die Quattro GmbH in den Fahrzeugpapieren als Hersteller auftauchte. Der S6 Plus verfügte über den 4,2 Liter V8-Motor aus dem S8 und leistete 326 PS. Von der Limousine wurden 97 Fahrzeuge verkauft, vom trendigen Kombi zum Basispreis von 120.900 Mark gingen 855 Exemplare an Kunden – ein bescheidener, aber guter Anfang. 1999 holte die Quattro GmbH mit Sitz in Neckar­sulm zum großen Wurf aus. Erstmals zierte ein Fahrzeug das Kürzel "RS". Der RS4 Avant auf Basis des Audi A4/B5 war geboren. Er übertraf die anfangs geplante Produktionszahl um das Doppelte. 6030 Fahrzeuge fanden einen Abnehmer. Als Besonderheit wies er einen V6-Biturbo-Motor mit 380 PS auf, den Ingenieure von Cosworth verfeinert hatten. Die bekannte englische Rennsport-Schmiede gehörte bis 2004 zur Audi AG.

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2009 belebt die Quattro GmbH den Fünfzylinder-Motor wieder, der seither den TTRS befeuert

Auch beim 2002 vorgestellten RS6 waren es wieder Entwickler aus Northampton, die den 4,2 Liter V8-Biturbo, jetzt mit Fünfventiltechnik, auf 450 PS pushten. Zum Produktions­finale 2004 legte man den RS6 Plus mit 480 PS nach. Auf 999 Exemplare limitiert, gab es ihn nur als Avant.

Ganz neu ordnete man ab 2005 die zweite RS4-Generation. Den Start machte die 420 PS starke Limousine mit dem 4.2 FSI V8-Motor und nur mit 6-Gang Handschaltung. Es folgten 2006 der Avant und schließlich das erste RS Cabrio auf gleicher Basis – wie alle RS-Modelle zuvor und danach mit Quattro-Allradtechnik.

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2011 folgte mit dem RS3 Sportback der Einzug in die Kompakt-Klasse. Auch hier ist bis Produktionsende der Fünfender mit 340 PS an Bord

Die Verkaufserfolge reihen sich seither wie Perlen an einer Kette. Daher klingt der für dieses Jahr angestrebte Absatzrekord von 15.000 RS-Modellen, inklusive der R8-Baureihe, keineswegs utopisch. Und es geht ohne Traktions­verlust voran. Nächstes Jahr nehmen die rund 900 Mitarbeiter aus Entwicklung und Produktion am neuen Standort "Böllinger Höfe" künftige, atemberaubende "RS"-Modelle in Angriff.
 

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