Intensiv-Test Skoda Kodiaq Style 2.0 TDI (190 PS) DSG 4x4Runde Sache

Joachim Fischer

 · 01.10.2021

Skoda Kodiaq Style 2.0 TDI (190 PS) DSG 4x4
Foto: S. Bau, J. Fischer

50.000 Kilometer im Skoda Kodiaq Style 2.0 TDI mit 190 PS. Wie gut schlägt sich das große Allrad-SUV der Tschechen über drei Jahre im Alltag?

Der Skoda Kodiaq ist im SUV-Markt inzwischen eine feste Größe. 2017 startete er und war von Beginn an ein Verkaufs­schlager. Jetzt hat er gerade ein Facelift erhalten, doch schon Mitte 2018 stellte GUTE FAHRT einen Kodiaq Style mit dem damaligen Top-Diesel 2.0 TDI in Dienst. Der direkt einspritzen­de Zweili­ter-Selbst­zünder ist se­rienmäßig sowohl mit einem Siebengang- DSG-Getriebe als auch mit dem 4x4-Allradantrieb nach Haldex-Prinzip gekoppelt. Sein EA288-Triebwerk leistet 190 PS – aktuell hat er mit dem EA288 Evo zehn Pferdestärken mehr bekommen – und liefert 400 Nm Drehmoment.

Verlagssonderveröffentlichung

Kodiaqs mit dieser Antriebseinheit haben zwischenzeitlich in verschiedenen GUTE FAHRT-Tests geglänzt. Doch wie fährt sich das große SUV im täglichen Betrieb, wie steht‘s mit der Dauerhaltbarkeit, welche Stärken zeichnen ihn besonders aus? Das soll dieser Intensiv-Test über 50.000 Kilometer klären, bei dem wir weniger auf Fahrleistungen und technische Gegebenheiten eingehen, als auf die Bedienung und die vielen kleinen Details, die im Alltags-Betrieb weitaus wichtiger sind.

Hier hat der Kodiaq Style eine ganze Menge zu bieten! Beginnen wir mit den vorne beheizbaren, elektrisch verstellbaren Memory-Sitzen in optionalem Microfaser/Leder-Bezug. Sie bieten guten Seitenhalt ohne fülligere Staturen einzuengen und sind dank straffer, trotzdem aber sehr bequemer Polsterung wunderbar langstreckentauglich. Nach 50.000 Kilometern zeigen sie sich taufrisch und auch an den Wangen ohne Abnutzungserscheinungen. Die Memory-Funktion ist insbesondere dann sinnvoll, wenn regelmäßig von verschiedenen Personen unterschiedlicher Größe gefahren wird. Verstellt werden dann auch die in Serie komplett elektrischen Außenspiegel, zudem wird über die personalisierten Schlüssel (Option) schon während des Einsteigens auch der Radiosender, die bevorzugte Temperatur und manches andere mehr vorkonfiguriert.

Auf der geteilt umklappbaren, und zudem um weit über zehn Zentimeter einzeln verschiebbaren Rückbank mit Mittelarmlehne logiert man auch dank der serienmäßigen Lehnenverstellung fürstlich. Wirklich begeisternd ist aber dieses schier unglaubliche Platzangebot im Fond! Kopf- und Ellenbogen genießen selbst bei Fünfer-Belegung Freiraum, zu viert fährt man wahrlich Business-Class. Die Knie kommen selbst bei Riesen nicht an die Vordersitze, das Beine-Übereinanderschlagen ist auch für Großgewachsene einfach so möglich. Auf der Langstrecke fühlt sich das an wie im heimischen Wohnzimmer.

Platz ohne Ende

Zusätzlich erwähnt seien zwei feine Optionen: Die Sonnenrollos für die hinteren Seitenscheiben, die trotz abgedunkelter hinterer Gläser nochmal zusätzlich Schutz gewähren, und die Skoda Tablet/Smartphone-Halter (50 Euro), die ganz einfach unter die Kopfstützen der Vordersitze montiert werden können – gerade bei Urlaubsfahrten ein Super-Feature für die Kids.

Apropos Ferien: Der Kofferraum fasst sagenhafte 650 bis 2065 Liter. In der Praxis ist das selbst für ein üppiges Reise-Gepäck von vier Personen mehr als genug – bei geschlossenem Rollo! Für Sperrgüter oder den Baumarkt-Einkauf kann nicht nur die Rückbank zu Gunsten des Laderaums verschoben, sondern auch per Hebelzug die Fond-Rücklehne einzeln vom Kofferraum aus entriegelt werden. Sehr angenehm! Dazu gibt es unter dem Ladeboden Staufächer für Kleinkram sowie rechts und links insgesamt drei große, tiefe Ablagen, ein Gepäck- sowie eine optionales Laderaum-Trennetz. Und noch etwas hat uns fast täglich begeistert: die jeweils zwei leicht verschiebbaren, großen Taschenhaken an massiven Aufnahmen auf beiden Gepäckraum-Seiten. Hier lassen sich super-simpel viele Einkaufstüten einhängen, damit die Shopping-Beute später beim Fahren nicht unkontrolliert in der Lagerhalle herumrollt. Simply clever!

Die verwendeten Materialien sind in Haptik und Optik tadellos, die Verarbeitung ausgezeichnet. Auch nach 50.000 Kilometern ist nichts abgeschubbert, klappert oder knarzt.

Unbedingt zugreifen sollte man bei der elektrischen Heckklappe mit Komfortöffnung. Dann kann man mit vollen Händen bei noch verschlosse­nen Türen allein mit einem Fußkick unter die Heckschürze die Heckklappe automatisch aufschwingen oder schließen lassen. Das funktio­niert zuver­lässig, freilich aber nur in Verbindung mit dem ebenfalls tadellos funktionierenden Zugangs- und Start-System Kessy (Serie Style), bei dem der Fahrzeugschlüssel in der Hosentasche bleiben kann. Beides Features, die wir schon nach wenigen Tagen nicht mehr missen wollten. Unser Note für Platzangebot, Sitzkomfort und Flexibilität: Eins Plus!

Doch einen Skoda Kodiaq 2.0 TDI kauft man sich ja nicht als Einraumwohnung, sondern weil man damit fahren will. Auch diese Übung beherrscht das große SUV ganz ausgezeichnet – wie bereits diverse GF-Tests bewiesen haben. Das Trieb­werk arbeitet absolut zuverlässig, leise und vibrationsarm. Im Testschnitt verbrauchten wir bei flotter Fahrweise in vorwiegend bergigem Gebiet 7,7 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Im Minimum waren es beim Dahinrollen auf tempobeschränkten Schnellstraßen 5,8 Liter, bei der Autobahnhatz auch mal 9,1 Liter. Das ist sehr maßvoll für ein SUV dieser Größe. Dazu füllten wir etwa alle 8.000 Kilometer rund 10 Liter AdBlue nach. Das erledigt man übrigens am besten an einer der inzwischen immer öfter anzutreffenden AdBlue- Zapfsäulen an Tankstellen. Mit dem Kanister geht es aber auch problemlos – dank der zuverlässigen Nachfüll-Mengenanzeige im Bordcom­puter des Kodiaq.

Flotte Fahrleistungen, niedriger Verbrauch

Die Fahrleistungen sind mit 8,5 Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h sowie 210 km/h Vmax mehr als nur ausreichend. Der Selbstzünder mit VTG-Lader geht dank seiner 400 Nm maximalem Drehmoment ab etwa 1.800/min sehr druckvoll und souverän zu Werke. Das reicht, um auch voll beladen zum Überholsprint anzusetzen. An die leichte Anfahrschwäche, speziell in Verbin­dung mit der Start-Stopp-Automatik, hat man sich indes schnell gewöhnt. Das Siebengang-DSG er­ledigt seine Aufgaben blitzschnell und nahezu unmerklich. Der 4x4-Allradantrieb mit La­mellenkupplung ist immer dann sofort zur Stelle, wenn man ihn braucht, und sorgt für eine narren­sichere Traktion in allen Fahrenslagen sowie bei allen Wetter­bedingungen. Die elekromechanische Servolenkung ist angenehm ausgelegt, sehr präzise und gewährt eine feine Rückmeldung.

Das Fahrwerk des Kodiaq bietet eine angenehme Straffheit und damit verbunden geringe Wank- und Nickbewegungen der Karosserie bei zügiger Fahrweise. Das beschert dem doch immerhin rund 1.750 Kilogramm schweren sowie großen SUV eine überraschende Agilität in Kurven. Andererseits verwöhnt es auch auf den am Testwagen montierten 19-Zoll-Alurädern mit 235/50er Reifen durch ein hohes Maß an Abrollkomfort – auch in unbeladenem Zustand. Die Bremsen des Kodiaq sind zupackender Natur, auch bergab standfest und lassen sich fein dosieren.

Wer sich beim Thema Fahrwerk mehr Flexibilität wünscht, der sollte auf das sehr empfehlenswerte, optionale Adaptiv-Fahrwerk DCC (1.050 Euro) mit verstellbaren Dämpfern zurückgreifen. Es bietet auf Tastendruck eine weite Spreizung zwischen Sport- und Komfort-Einstellung, mit der wirklich jeder glücklich werden sollte.

Im Paket enthalten ist dann die ansonsten auch einzeln bestellbare Fahrprofilauswahl nebst Off­road-Assistent. Letzteren haben wir im Test-Kodiaq nur sehr selten auf besonders schlüpfrigem Untergrund genutzt. Die Fahrprofil­aus­wahl macht indes durchaus Sinn. Wählen kann man an unserem 2018er-Modell zwischen Eco, Normal, Sport, Individual und Snow. Die voreingestellten Profile beeinflussen deutlich spürbar Lenkung, Antrieb, das dynamische Kurvenfahrlicht, die Klimaanlage sowie – falls vorhanden – das DCC sowie den Abstandstempomat ACC. Auf Eco wird etwa die Segelfunktion des Getriebes aktiv, die Klimaanlage wird schwächer geschaltet und es geht allein ums Spritsparen. Bei „Normal“ ist alles auf Komfort programmiert, bei Sport und Snow sind die Namen Programm. Bleibt noch die Individual- Einstellung, bei der man alle Parameter nach eigenem Geschmack zusammenstellen und abspeichern kann. Sie bleiben beim Neustart erhalten – bis auf die Antriebseinstellung Sport. Die muss aus Effizienzgründen durch einen Zug am Tiptronic-Schalthebel auf „S“ erneut bestätigt werden. Insbesondere bei Bergfahrten ist sie die beste Wahl, da das DSG später hoch- und früher herunterschaltet, wodurch der Antrieb immer agil am Gas hängt. Am häufigsten genutzt wurden die Individual-, die Normal- und die Sport-Einstellung.

Weiteres und wichtigstes Extra an Bord war das Business-Paket „Columbus“ (heute 2.390 Euro), das viele nützliche Extras, wie etwa die Verkehrszeichenerkennung, die elektrische Heckklappe, abgedunkelte Heckscheiben, die Gepäcknetztrennwand, eine 230V-Steckdose, den WLANHotspot, zwei SD-Kartenslots und die Premium Telefonfreisprecheinrichtung mit der Top-Navigation Columbus (MIB2) nebst Online-Diensten sowie den großen 9,2-Zoll-Farb-Touchscreen integriert. Induktives Handy-Landen, Apple CarPlay und Android-Auto waren ebenso wie die Sprachbedienung Serie im 2018er Kodiaq Style.

Volles Programm inklusive Navi

Die Mobilphone-Einbindung klappte immer prima – sowohl für die Telefonie als auch fürs Musikhören. Es können sogar zwei Handys parallel versorgt werden. Die Navigation berechnet zügig und korrekt, die Online-Verkehrsdaten gehen zuverlässig in die Routenberechnung ein. Kartenupdates kommen online, eine nützliche Führung zu Parkplätzen und Tankstellen ist integriert.

Die gesamte Bedienung von Fahrzeug und Infotainment erfolgt entweder über das schon nach kurzer Zeit auch blind zu bedienende Multifunktionslenkrad mit seinen wenigen Tasten und zwei praktischen Bedien-Walzen, die verständig agierende Sprachsteuerung und den fein ansprechenden Touchscreen mit seinen großen Kacheln und einer logisch aufgebauten Menüstruktur. Zudem gibt es – erfreulicherweise – auch noch eine vernünftige Zahl von Tasten für die wichtigsten Funktio­nen sowie klassische Drehregler für die serienmäßige, sehr gut funktionierende Zwei-Zonen-Klimaanlage – oder die optional im Testwagen verbaute AirCare-3-Zonen-Klimatisierung.

Auch mit an Bord waren einige optionale Assistenzsysteme: Die automatische Abstandsregelung ACC (bis 210 km/h) mit Stop&Go-Funktion – su­per bedienbar über einen kleinen, separaten Hebel an der Lenksäule – agiert umsichtig und unterstützt den Fahrer insbesondere im Kolonnenverkehr oder auch im Stau zuverlässig. Der Spurhalteassistent Lane Assist ist aufgrund sei­ner Lenk­eingriffe etwas gewöhnungsbedürftig, macht seine Sache aber insgesamt gut. Der Spurwechselassistent zur Totwinkel-Überwachung ist ein Segen und der Ausparkassis­tent zuweilen recht nervös. Wer etwa rückwärts eine leichte Rampe hochfährt, wird ab und an von einer un­­nö­tigen Not­bremsung überrascht. Die Möglichkeiten der 360-Grad-Kameras „Area View“ sind vielfältig und insbesondere dann sehr hilfreich, wenn es beim Rangie­ren mit dem großen Kodiaq besonders eng und unübersichtlich wird. Der Parklenkassistent macht seine Sache gut und dazu recht zügig, bleibt aber Geschmackssache. Allgemein ist zu den elektronischen Helfern anzumerken: Sie agieren eher übervorsichtig.

In die Werkstatt musste unser Kodiaq während seiner dreijährigen Laufzeit außerplanmäßig nur ein einziges Mal: Der Start/Stopp-Knopf reagierte nur noch unwillig auf Druck und wurde nach rund 43.000 Kilometern auf Garantie ersetzt. Hinzu kamen zwei Service-Aufenthalte: Bei Kilometer-Stand 28.574 rief der Bordcomputer zum Öl­wech­sel, bei 53.368 war eine große Inspektion fällig, bei der neben allen Filtern und Betriebs-Ölen auch die Bremsflüssigkeit sowie zusätzlich die Brems-Beläge rundum erneuert wurden. Während der gesamten Laufzeit haben wir zudem nur rund einen Viertelliter Motor­öl nachgefüllt. Das war‘s schon. Tanken und Fahren – so soll es sein!

2018 kostete der Skoda Kodiaq Style 2.0 TDI mit 190 PS, DSG und 4x4-Allradantrieb ab 40.490 Euro. Aktuell steht er mit 45.400 Euro in der Liste – allerdings mit einer nochmals deutlich umfangreicheren Serien-Ausstattung, die nun ab Werk auch Matrix-LED-Scheinwerfer, das Digital-Cockpit sowie den neuen, stark überar­beiteten Motor mit 200 PS und dem ultra­sauberen Twin-Dosing-System beinhaltet. Für alle, die ein bis ins Detail durchdachtes, super­geräumiges SUV in bester Verarbei­tung und mit sehr reichhaltiger Serienausstattung plus sparsamem, starken Diesel suchen, ist er genau das Richtige. Zugreifen!