FahrberichtSkoda Octavia Combi 1.0 TSI E-Tec - Smarter Antrieb

Martin Santoro

 · 20.06.2021

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Foto: Hardy Mutschler

Skodas wichtigste Baureihe startet mit einem Basisantrieb, den es wahlweise mit Mildhybrid-Technik gibt. Wie gut passt der kleine Einliter-TSI E-Tec mit 110 PS zum großen Octavia Combi?

Skodas wichtigste Baureihe startet mit einem Basisantrieb, den es wahlweise mit Mildhybrid-Technik gibt. Wie gut passt der kleine Einliter-TSI E-Tec mit 110 PS zum großen Octavia Combi?

Wieviel Kraft braucht ein Kombi, um vier Personen samt Gepäck sicher von A nach B zu transportieren? Zum Start der ersten Octavia-Generation beantwortete Skoda die Frage vor 25 Jahren noch mit 75 PS. Bis zur aktuell vierten Generation hat der Bestseller aus Tschechien an Größe, Gewicht aber auch an Komfort und Sicherheit reichlich zugelegt, weshalb Skoda den Einstieg bei einer Leistung von 110 PS als angemessen erachtet. Gestartet wird mit der Ausstattungslinie Active zu 22.970 Euro, motorisiert mit dem konzernweit bewährten Dreizylinder-Turbo-Benziner, der seine Leistung aus einem Liter Brennraum schöpft. Doch ganz anders als zu Beginn seiner steilen Karriere als Kompakt-Frachter kann der Kunde neben der grundsoliden Basis-Motorisierung mit Sechsgang-Handschaltung zu einer weiterentwickelten Form dieses Antriebs greifen, der mit der Formel „E-Tec“ bewusst zum Sparen einlädt. Das ist nicht zu verwechseln mit G-Tec, dem Erdgas-Octavia. Anders als beim Grundmodell packen die Entwickler neben einem Siebengang-Automatikgetriebe DQ200-DSG erstmals in einem Skoda Mildhybrid-Technik dazu. Ein 48-Volt-Teilbordnetz kombiniert einen Riemen-Startergenerator mit einer 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie. Der 0,6 kWh große Akku ist fest unterm Beifahrersitz verbaut und gewinnt seine Energie per Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation). Beim Start und geringen Geschwindigkeiten unterstützt die Batterieladung den kleinen Turbomotor mit einem elektrischen Boost von bis zu 50 Nm. Im Segelbetrieb, bei nicht gedrücktem Gaspedal, schaltet der akustisch präsente Verbrenner komplett ab. Beim erneuten Tritt aufs Gas oder beim Verzögern, wird der Motor in Sekundenbruchteilen vom Startergenerator angeworfen und eingekuppelt.

Verlagssonderveröffentlichung

Wie viel Sparpotenzial der Skoda Octavia 1.0 TSI E-Tec mitbringt, hängt in erster Linie vom Fahrverhalten ab. Wer oft und gern das Gaspedal durchdrückt, hört die drei Zylinder im typisch rauen Klang nach den 200 Newtonmeter maximalem Drehmoment suchen, die auf die Vorderräder losgehen. 10,6 Sekunden von null auf Tempo 100 und eine Spitze von 201 km/h spornen nicht wirklich zu sportlichen Höchstleistungen an. Für diese Naturen hat Skoda passendere Octavia mit RS-Typenschild im Programm. Wer hingegen ganz normal fährt – ohne Schleichen oder Rasen – empfindet den Octavia E-Tec als wohltuend. Man fühlt sich rasch an Bord geborgen. Das Siebengang-DSG sortiert unauffällig die Gänge, ist gelungen auf den kleinen Benziner abgestimmt und sorgt einerseits für ein niedriges Drehzahlniveau, kann andererseits auch schnell schalten, wenn es gefordert ist. Häufig wechselt der Antrieb zur Segelfunktion mit ausgeknipstem Motor, was ohne DSG gar nicht möglich wäre.

Cleverer Antrieb

Die elektrische Boostfunktion bringt bei flotter Fahrweise wiederum mehr Pepp ins Spiel, aber auch Harmonie beim Anfahren: 0,3 Sekunden schneller ist der E-Tec beim Sprint gegenüber dem normalen 1.0 TSI mit Handschaltung. Seine Papierdaten decken sich soweit mit den gefühlten ersten Fahreindrücken. Überrascht hat auch die überaus effektive Motordämmung, die viel Ruhe in den Innenraum bringt. Dadurch wurden aber zarte Fahrwerksgeräusche von der Hinterachse hörbar, die mit einem leicht rustikalen Ansprechverhalten der Federung einhergingen. Es mag an der Winterbereifung mit 205/55er Pneus auf 17-Zoll-Rädern gelegen haben. Oder ist letztlich doch die einfachere Verbundlenker-Hinterachse verantwortlich, mit der unser E-Tec-Octavia auskommen muss? Ein späterer Test soll sich diesem Sachverhalt eingehender widmen. Die aufwendigere Mehrlenker-Konstruktion ist erst ab iV und RS zu haben, sowie beim G-Tec und dem Scout mit 200 PS-TDI-Maschine.

Effizienz-Pusher Mild-Hybrid

Wer jedoch zum Mildhybrid greift, beurteilt weniger nach feinstem Sportfahrer-Empfinden, sondern blickt mit Argus-Augen auf den Verbrauch. Skoda gibt einen NEFZ-Wert von klasse 4,3 Liter an. Nach eher praxisorientiertem WLTP-Zyklus sind es 5,2 Liter. So oder so knappst der Mild-Hybrid nach Norm einen halben Liter Super weniger auf 100 Kilometer als der 1.0 TSI. Da liegt dank niedrigerer CO2-Belastung (98 g/km) gleich auch eine erfreuliche Steuerersparnis in der Luft. Genug Gründe, den E-Tec-Octavia zum Test einzuladen und den exakten Real-Verbrauch zu ermitteln.

Für die Mild-Hybrid-Technologie samt DSG verlangt Skoda 2.300 Euro extra, wenn es wie beim Probefahrzeug ein Style ab 30.350 Euro sein soll. Am günstigsten ist der Ambition zu 28.480 Euro. Greift man hingegen zur Limousine, lassen sich weitere 700 Euro sparen.