Octavia Combi 2.0 TDI (115 PS) – Neue Dimension

Joshua Hildebrand

 · 20.11.2020

Octavia Combi 2.0 TDI (115 PS) – Neue DimensionFoto: Hardy Mutschler

Als größter Kombi der Kompaktklasse ist der neue Skoda Octavia ein echter Alltags-Held. Doch wie gut passen der Einstiegs-Diesel mit 115 PS samt Handschaltung zu ihm?

Wer heutzutage auf der Suche nach einem neuen Auto ist, muss ein entscheidungsfreudiger Mensch sein. Oder anders ausgedrückt: Der Kunde hat die Qual der Wahl. Zu umfangreich ist die schier unendliche Auswahl an Antrieben und Karosserievarianten. Diesel, Benziner, Hybrid, Elektro? Oder doch lieber Gas? Darf es die klassische Limousinen-Form sein? Oder vielleicht doch ein SUV? Zu langweilig? Wie wäre es mit einem Coupé? Oder noch besser: einer Mischung aus beidem? Sie merken: Die Gefahr der Reizüberflutung hat inzwischen ein sehr großes Ausmaß angenommen, weshalb wir uns auf diesen Seiten den wirklich habhaften Dingen widmen möchten: Skoda Octavia Combi, Diesel, Handschalter. Dass es das noch gibt? Jawohl. Und das ist auch gut so. Da die First Edition nicht mehr konfiguriert werden kann, nehmen wir die ähnlich gut ausgestattete Style-Ausführung als Grundlage für die aufpreispflichtigen Optionen.

Verlagssonderveröffentlichung
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Foto: Hardy Mutschler

Wir besitzen Größe!

Was der Tiguan für VW ist, ist der Octavia für Skoda – ein Bestseller, dem auch der SUV-Boom nichts anhaben kann. Von allen verkauften Octavias entfallen übrigens rund zwei Drittel auf die Karosserieversion „Combi“, womit er zu den meist verkauften Kombi-Modellen Europas zählt. Kein Wunder: Er ist groß, komfortabel und dank VW-Konzerntechnik auch überaus modern. Die dritte und aktuelle Generation legt in allen genannten Punkten sogar noch eine Portion drauf. Trotz gleich gebliebenem Radstand von 2,69 Metern ist er in der Länge um einige Zentimeter gewachsen. Um genauer zu sein um zwei auf 4,69 Meter und in der Breite (ohne Spiegel) um 1,5 Zentimeter. Die Höhe der dritten Generation variiert nach Ausstattung (Fahrwerk, Ausführung et cetera), fällt aber im Vergleich zum Vorgänger rund drei Zentimeter niedriger aus. Gut ist, dass dadurch die Kopffreiheit im Innenraum nicht beeinträchtigt wird. Nach wie vor fühlen sich auch große Menschen nicht eingeengt. Zudem schaffen es die Tschechen mit schlankeren (Tür-) Verkleidungen und einem filigraneren Armaturenträger, dass die Passagiere der Rücksitzbank nun entscheidende Zentimeter mehr Freiheit genießen. Und weil der Skoda Octavia auch zu den absoluten Lademeistern der Klasse gehört, ist auch der Zuwachs beim Gepäckraumabteil sehr interessant: nämlich um 30 Liter auf 640. Mit zweigeteilt umklappbarer Rücksitzbank (60/40) wächst das Volumen sogar auf bis zu 1.700 Liter – Rekord!

Nehmen wir uns an dieser Stelle kurz Zeit für das Design: Der Tscheche wirkt außen wie innen sehr zeitgemäß und geradlinig. Serienmäßig haben alle Ausführungen jetzt LED-Scheinwerfer. LED-Matrix-Licht gibt‘s gegen Aufpreis im Paket „Parken & Sicht“ oder „Licht & Sicht“ (1.637 beziehungsweise 1.286 Euro). Dann haben auch die Heckleuchten eine Begrüßungsanimation sowie einen dynamischen Blinker.

Im Interieur fällt vor allem die neu gestaltete Instrumententafel sofort ins Auge: Sie wirkt hochwertig und baut in mehreren Ebenen auf. Das zweispeichige Multifunk- tionslenkrad ist neu geformt, kann beheizt werden (Paket Komfort; 857 Euro) und liegt klasse in der Hand. Wer nicht d’accord damit geht, bekommt aber nach wie vor auch noch eine Dreichspeichen-Variante. Natürlich hat der Octavia jüngst auch einen digitalen Tacho (Serie ab Style), dessen Auflösung und Ablesbarkeit wirklich gut ist. Abstriche machen muss man eher in Sachen „blinder Bedienbarkeit“, denn spätestens mit Erscheinen des Golf 8 hat auch der neue Octavia eine ganz neue Bedienarchitektur bekommen. Klassische Tasten? Haben nun Seltenheitswert. Sie gibt es aber noch für wichtige Funktionen, wie Fahrprofile oder Fahrassistenten. Direkt unter dem 10-Zoll-Infotainmentsystem (Infotainment-Paket Columbus Plus sowie Navigation für zusammengerechnet 2.582 Euro), welches dank Volkswagens MIB3-Baukasten selbst anspruchsvollen Usern keine Wünsche offen und sogar WLAN bietet.

Das Menü präsentiert sich übersichtlich, alle Funktionen sind schnell zugänglich. Zumindest dann, wenn das System komplett hochgefahren ist. Wer unmittelbar nach Besteigen des Fahrzeuges „schnell-schnell“ auf das System zugreifen möchte, muss sich auf eine etwas langsame Reaktionszeit einstellen.

Die Bedienung erfolgt über touchen und sliden. Das gilt besonders für die Dreizonen-Klimaanlage (Paket Komfort & Relax; 1.033 Euro), für die es nun keinen konventionellen Knopf mehr gibt. Der aus anderen Konzern-Fahrzeugen bekannte Slider dient beim Skoda exklusiv der Lautstärken-Einstellung. Fehlbedienungen, etwa beim Abstützen der Hand, sind beim Tschechen-Kombi somit kaum ein Thema. Besonders angenehm sind Extras wie die Sitzheizung und -belüftung(!) der besonders rückenfreundlichen Ergo-Komfortsitze vorn (1.715 Euro) sowie eine beheizte Rückbank (Paket Komfort) – allesamt in Leder bezogen. Bemerkenswert ist zudem die (teilweise optionale) Ausstattung des Simply-Clever-Combis: So versteckt sich in den vorderen Türen ein gut zugängliches Aufbewahrungsfach für jeweils einen kleinen Schirm oder ein USB-C-Port am Rückspiegel (zum Beispiel für Dashcams).

Sowohl an den Türen als auch an der Instrumententafel sorgen neue, weiche Materialien für einen noch hochwertigeren Eindruck als zuvor. Ebenfalls neu ist das klar gestaltete Head-up-Display (Paket Columbus Plus), das wichtige Informationen, wie die Geschwindigkeit oder Navigationshinweise direkt auf die Windschutzscheibe projiziert. Zwei kleine Kritikpunkte: Das Bild der Rückfahrkamera (350 Euro) könnte heller sein, das fällt vor allem im Dunkeln auf. Ein wenig hinderlich ist zudem der Umstand, dass der Knopf für die Start-Stopp-Automatik ins digitale Fahrzeugmenü gewandert ist.

Bodenständiges Antriebskonzept

Schwamm drüber. Souverän präsentiert sich nämlich der 2.0-TDI-Antrieb, der in dieser Ausführung bis hoch zur Style-Ausführung erhältlich ist, jedoch nicht für den Scout. Die aktuelle Generation des Einstiegsdiesels (VW EA288 evo) leistet 115 PS und besitzt zahlreiche abgasreinigende Maßnahmen: Twindosing (zwei SCR-Kats mit zwei AdBlue-Einspritzdüsen), ein Oxi-Kat und ein Dieselpartikelfilter) sorgen für ultra saubere Abgase.

Maximal 300 Newtonmeter Drehmoment liegen bereits bei 1.500 Touren an, was den Skoda vor allem von unten heraus ziemlich agil macht. Obwohl der Octavia über 1,4 Tonnen wiegt, fühlen sich die 115 PS bis Autobahn-Richtgeschwindigkeit subjektiv stärker an. Mangelnde Leistung macht sich nur bei der Elastizität im höheren Geschwindigkeitsbereich bemerkbar. 10,8 Sekunden vergehen beim Spurt auf Landstraßentempo, der Vortrieb endet erst bei knapp über 200 km/h.

Der neue Octavia Combi bringt einen nicht nur ganz souverän von A nach B, sondern auch ziemlich sparsam. Der Verbrauch fällt mustergültig aus. er bewegt sich im Schnitt bei fünf Litern. Man bedenke: Das Spar- und Beschleunigungsvermögen hängt dabei auch maßgeblich von der Bedienung der 6-Gang- Handschaltung ab. Diese passt gut zum 115-PS-Diesel – so lange man nicht in einem längeren Stau steht. Positiv: Das Kupplungspedal ist nicht labberig und der Druckpunkt lässt sich gut finden. Der Schalthebel lässt sich bei humaner Fahrweise sauber führen, die Gänge rasten sauber ein. Bei schnellen Gangwechseln allerdings verlangt der Octavia nach mehr Präzision, da braucht es unter Umständen etwas Nachdruck.

Komfortable Fahreigenschaften

Der Skoda Octavia Combi überzeugt mit einem sehr niedrigen Geräuschniveau auch bei hohen Tempi, die Dämmung ist hervorragend – Komfort kann Skoda eben. Mitverantwortlich für den hohen Fahrkomfort ist das Dämpfungsverhalten, das bereits mit dem hier verbauten Serienfahrwerk mustergültig ausfällt. Es federt weich und bügelt Unebenheit der Straße mit sanftem Wippen routiniert weg, dafür neigt sich bei flotten Kurvenfahrten die Karosserie des Octavia aber auch stärker als bei den Konzernbrüder aus Deutschland oder Spanien. Ähnlich entspannt arbeitet die elektromechanische Lenkung, die vor allem in der Einstellung Comfort leichtgängig ist. Wem das zu weich ist, der kann die Lenkung auch auf „Sport“ stellen. Dann erhöhen sich Rückstellkräfte und das Einlenkverhalten wirkt ein wenig direkter.

GF-Tipp: Noch besser fährt der Octavia mit der optionalen, adaptiven Fahrwerksregelung DCC („Reise & Komfort“; 1.011 Euro bei Style) mit 10-mm-Tieferlegung und Fahrprofilauswahl Driving Mode Select. Denn diese passt die Dämpfung kontinuierlich und radselektiv an und kann erstmals innerhalb der verschiedenen Fahrmodi zusammen mit weiteren Einzel-Parameter, wie Dämpfung, Lenkung oder Schaltcharakteristik (nur DSG), individuell an eigene Vorlieben angepasst werden. Neben dem (bei Style) bereits serienmäßigen Frontradar samt Fußgänger- und Radfahrererkennung sowie Spurhalte- als auch Spurwechselassistenten gibt es zudem die Möglichkeit, das Fahrzeug mit dem nach Level 2 teilautonomen System Travel Assist auszustatten. Dann fährt der Octavia, zumindest kurze Zeit, fast von allein.

Der Octavia bietet ein tolles Komplettpaket – vor allem als üppig ausgestatteter First Edition (nicht mehr konfigurierbar) oder in der Style-Ausführung mit ein paar aufpreispflichtigen Extras. Immer top ist das massige Platz- angebot, die komfortablen Fahreigenschaften und die extreme Genügsamkeit des 2.0 TDI, mit dem man ganz sicher kein schlechtes Gewissen haben muss.


Test kompakt:

Der neue Octavia Combi hat jede Menge schlagende Kaufargumente: darunter das größte Platzangebot der Kompaktklasse sowie einen sehr hohen Fahrkomfort. Vor allem in der Ausstattungslinie Style lässt er kaum Wünsche offen, Anschaffungspreis und Aufpreisliste halten sich in Grenzen. Absolut passend zeigt sich der handgeschaltete 2.0 TDI mit 115 PS, der subjektiv kräftiger und sehr sparsam zu Werke geht. Einzig die neue Bedienung ist kein Fortschritt.