Skoda Scala G-Tec 1.0 TGI: Mit Hochdruck!

Skoda Scala G-Tec 1.0 TGI: Mit Hochdruck!

Joshua Hildebrand 

19.2.2021, Lesezeit: 5 Minuten

Schön, wenn man Gas hat: Wir räumen mit Vorurteilen auf und erklären die moderne CNG-Technik anhand des flotten 1.0-TGI-Motors im Skoda Scala

Träge war gestern: Der für den Gasbetrieb modifizierte 1.0 TSI nennt sich 1.0 TGI und leistet dank Turboaufladung muntere 90 PS
Träge war gestern: Der für den Gasbetrieb modifizierte 1.0 TSI nennt sich 1.0 TGI und leistet dank Turboaufladung muntere 90 PS
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Bild 1
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Einfache Handhabung: Der Einfüllstutzen für CNG (14,6 kg) befindet sich neben dem regulären Tankdeckel fürs Benzin (9 l)
Einfache Handhabung: Der Einfüllstutzen für CNG (14,6 kg) befindet sich neben dem regulären Tankdeckel fürs Benzin (9 l)
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Unter dem Kofferraumboden sieht man die Abdeckung von zwei Gastanks, der dritte sitzt etwas weiter unten davor
Unter dem Kofferraumboden sieht man die Abdeckung von zwei Gastanks, der dritte sitzt etwas weiter unten davor
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Ist man im Gasbetrieb unterwegs, so leuchtet das grüne CNG-Piktogram innerhalb der analogen Tankuhr
Ist man im Gasbetrieb unterwegs, so leuchtet das grüne CNG-Piktogram innerhalb der analogen Tankuhr
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
In der MFA lassen sich Informationen wie Gas- und Benzin-Reichweite sowie CNG-Qualität ablesen
In der MFA lassen sich Informationen wie Gas- und Benzin-Reichweite sowie CNG-Qualität ablesen
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Ob Gas drinsteckt, lässt sich anhand des Typenschilds am Heck erkennen. Das „G“ ist zurecht grün illustriert
Ob Gas drinsteckt, lässt sich anhand des Typenschilds am Heck erkennen. Das „G“ ist zurecht grün illustriert
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Träge war gestern: Der für den Gasbetrieb modifizierte 1.0 TSI nennt sich 1.0 TGI und leistet dank Turboaufladung muntere 90 PS
Träge war gestern: Der für den Gasbetrieb modifizierte 1.0 TSI nennt sich 1.0 TGI und leistet dank Turboaufladung muntere 90 PS
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Bild 1
Foto: Jan Bürgermeister, Skoda (1)
Bild 1
Einfache Handhabung: Der Einfüllstutzen für CNG (14,6 kg) befindet sich neben dem regulären Tankdeckel fürs Benzin (9 l)
Unter dem Kofferraumboden sieht man die Abdeckung von zwei Gastanks, der dritte sitzt etwas weiter unten davor
Ist man im Gasbetrieb unterwegs, so leuchtet das grüne CNG-Piktogram innerhalb der analogen Tankuhr
In der MFA lassen sich Informationen wie Gas- und Benzin-Reichweite sowie CNG-Qualität ablesen
Ob Gas drinsteckt, lässt sich anhand des Typenschilds am Heck erkennen. Das „G“ ist zurecht grün illustriert
Träge war gestern: Der für den Gasbetrieb modifizierte 1.0 TSI nennt sich 1.0 TGI und leistet dank Turboaufladung muntere 90 PS

Alle sprechen von „neuer Mobilität“, alternativen Antrieben – insbesondere von Elektroautos. Es geht um das bekannte CO2-Problem, dessen sich vor allem die Politik und folglich auch die Automobilhersteller angenommen haben. Bis sich nachhaltige Elektromobilität und deren Infrastruktur allerdings entwickelt und schließlich ohne nennenswerte Nachteile etabliert hat, dauert es noch eine Weile. Wer klima- freundlich fahren und in den Genuss günstiger Unterhaltskosten kommen möchte, zudem aus genannten Gründen noch keine Lust auf ein rein elektrisch betriebenes Auto hat, der sollte sich also auch einmal mit dem Thema CNG befassen – es lohnt sich!

Compresed Natural Gas (CNG) ist der Oberbegriff für fossiles Erdgas, Biomethan sowie synthetisch gewonnenes CNG aus Wind- und Solarkraft und punktet als Alternativtreibstoff mit einer sehr guten Umweltbilanz. Vor allem weil Gas einen höheren Energiegehalt hat als Benzin oder Diesel (über 13,3 kWh/kg zu 8,5 kWh/l bzw. 9,8 kWh/l) und mit weniger schädlichen Rückständen verbrennt. Es ist also nur clever, dass der Volkswagen-Konzern bereits vor Jahren Gas gegeben hat und bis heute markenübergreifend vier moderne, unterschiedlich starke CNG-Antriebe anbietet. Darunter zwei Einliter-Dreizylinder-Motoren (1.0 MPI und 1.0 TGI), einmal ohne und einmal mit Turbolader, einen zwangsbeatmeten 1.5-TGI-Vierzylinder sowie eine extra kultivierte Zweiliter-TGI-Variante (bei Audi). Von 68 PS bis 170 PS ist einiges geboten. Die Zeiten, in denen sich ein Gasauto langsam, laut und unkomfortabel fahren lässt, sind längst vorbei. Glauben Sie uns: Moderne CNG-ler stehen Otto und Diesel in so gut wie nichts nach.

Schauen wir uns deshalb einmal die technischen Rahmenbedingungen anhand des 90 PS starken 1.0- TGI-Motors an: Dieser monovalente Antrieb steckt auf Wunsch nämlich im Skoda Scala, der seit wenigen Wochen unsere Redaktions-Tiefgarage bereichert. Moment mal: Darf er …? Ja! Entgegen landläufigen Meinungen dürfen CNG-Fahrzeuge in die Tiefgarage fahren. Welche Autos dort parken dürfen oder nicht, entscheidet kein Gesetz, sondern schlicht und ergreifend der Betreiber. Anders als bei Liquid Propan Gas (LPG) würde sich CNG im Falle eines Lecks ohnehin sofort verflüchtigen und birgt deshalb kein großes Risiko. Erdgas-Fahrzeuge sind so sicher, wie jedes andere Auto auch. Es sind vor allem die Tanks, die zu den stabilsten und sichersten Komponenten des Fahrzeugs gehören. Der TÜV testet Erdgas-Tanks auf einen Druck von 600 bar. Und das, obwohl der Betriebsdruck lediglich 200 bar beträgt. Zudem wird das CNG dank eines Sicherheitsventils, beispielsweise im Falle eines Unfalls, kontrolliert abgelassen.

Monovalente Erdgas-Fahrzeuge wie der Scala G-Tec setzen (fast) ausschließlich auf die Verbrennung des CNG-Gemischs und haben lediglich einen kleinen Benzin-Tank an Bord, um im Notfall die Strecke zur nächsten Erdgas-Tankstelle zu überbrücken. Bivalente Fahrzeuge mit vollwertigem Benzintank fahren zwar weiter, stehen in der Gesamt-Ökobilanz wiederum schlechter da. Der Gas-Scala besitzt drei Stahltanks mit 14,6 kg Gesamtfassungsvermögen (ca. 300 km Reichweite) und einen neun Liter kleinen Benzin-Reservetank (für 150 km), der bei allen CNG-Autos gesetzlich vorgeschrieben und technisch auch notwendig ist: Unmittelbar nach dem Tanken und bei ausgeprägter Kälte startet der TGI-Motor mit der Hilfe von konventionellem Benzin. Auch wenn das Gas leer ist, wird automatisch auf den Benzinbetrieb umgestellt, ohne dass der Fahrer etwas davon merkt. Insgesamt ergibt sich eine realistische und alltagstaugliche Gesamtreichweite von rund 400 Kilometern.

CO2-neutrale Mobilität ganz einfach

Der überaus effiziente und spritzige TGI-Motor ist im Grunde genommen ein Ottomotor, der speziell für den dauerhaften Betrieb mit dem alternativen Kraftstoff Erdgas optimiert ist. So basiert der 1.0 TGI auf dem 1.0 TSI-Motor. Innerhalb des Fahrzeugs wird das Gas über Hochdruckleitungen aus Edelstahl in den Motorraum befördert. Dort sitzt unmittelbar vor dem Motor ein Druckminderer, der den Gasdruck in mehreren Stufen auf vier bis neun Bar herunter regelt. In diesem Bereich arbeitet das Gaseinblasventil, welches das CNG nicht direkt in den Brennraum befördert, sondern ins Saugrohr vor die Einlassventile.

Moderne CNG-Motoren sind auf die höhere Klopffestigkeit mit 120 bis130 Oktan ausgelegt, um das volle Potenzial des effizienten Kraftstoffs zu nutzen. So wurden beim 1,0-Liter-Dreizylinder die Nickel-Chrom-beschichteten Kolben für die Verbrennung von CNG modifiziert. Um die Verschleißfestigkeit zu erhöhen, hat der TGI verstärkte Einlass- und Auslassventile, Ventilsitze sowie abgeänderte Ein- und Auslassnocken. Im Zylinderkopf wurden überdies die Strömungsverhältnisse im Zylinderkopf optimiert, um die CNG-Zufuhr in den Brennraum zu verbessern. Und noch etwas: Damit der Turbolader auch bei niedrigen Drehzahlen schneller anspricht, erhielt er leichtere Laderschaufeln.

Dass der CNG-Antrieb klimafreundlicher ist als der reine Benziner oder Diesel, wissen wir. Noch besser wird die Bilanz aber, wenn man hundertprozentiges Bio-Gas zapft. Dann ermöglicht der Scala G-Tec annähernd CO2-neutrale Mobilität. Im Übrigen besitzt bereits „normales“ CNG an den hierzulande rund 900 Tankstellen einen deutlichen Anteil (bis zu 30 Prozent) an Bio-Gas – Tendenz steigend. Und auch die Produktion von regenerativen Kraftstoffen wie Biogas und synthetischem Erdgas aus überschüssiger Wind- und Solarenergie wird stetig gesteigert. Wer eine CNG-Tankstelle in der Nähe sucht, kann im Scala die Handynavigation via CarPlay / Android Auto nutzen oder auf einschlägigen Seiten wie zum Beispiel www.gibgas.de suchen.

Viele Gründe sprechen heute für ein CNG-Auto: So liegen die Anschaffungskosten oftmals nur leicht über denen herkömmlicher Modelle. Der Skoda Scala G-Tec kostet in der Ausführung „Clever“ mit 23.650 Euro gerade einmal 1.250 Euro mehr als die fast gleich starke TSI-Variante. Den Aufpreis machen dann die deutlich niedrigeren Unterhaltskosten jedoch schnell wieder wett. Obendrein profitiert CNG als umweltschonender Kraftstoff von einem reduzierten Mineralölsteuersatz, somit deutlich günstigeren Kraftstoffpreisen (rund 1 Euro pro kg) und einer geringeren Kfz-Steuer. Ja, wir haben echt Gas!