Porsche-MenschenGavin Rooke von Dutchmann – Mischen possible

Bastian Fuhrmann

 · 15.11.2022

Porsche-Menschen: Gavin Rooke von Dutchmann – Mischen possibleFoto: Stefan Kotze
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Gavin Rooke von Dutchmann macht sein Ding, ob es Surfbretter sind, Fahrräder oder Sportwagen. Der Design-Ästhet lebt seinen Traum in Südafrika. Dutchmanns Spezialität: eine Kombination aus Tradition und Moderne.

Lebenstraum. Gavin Rooke von Dutchmann baut klassische Elfer um und integriert originale Komponenten aus bis zu fünf Porsche-Jahrzehnten. Diese »Weekend Racer« werden dann in die ganze Welt verschifft, um auf Rennstrecken, bei Bergrennen oder in Wüsten an den Start zu gehen.
Foto: Stefan Kotze

Es gibt nicht viele Menschen, die einen eh schon perfekten Porsche anzufassen vermögen, um etwas Eigenes zu schaffen, und in der Porsche-Szene eine hohe Akzeptanz genießen. Schnell fallen einem Namen wie Singer oder Rod Emory aus Kalifornien ein. Oder wer es auf die etwas brachialere Art und Weise mag und große Heckflügel liebt, denkt an Rauh-Welt in Japan. Verschiebt man das Radar nun etwas weiter südlich Richtung afrikanischen Kontinent, pendelt es sich relativ schnell südlich über Johannesburg ein. Ein dortiges Konglomerat aus Kreativen und Porsche-Liebhabern hört auf den Namen Dutchmann. Ein Begriff, der in Südafrika in der Vergangenheit oft abwertend für Handwerker mit niederländischem Hintergrund angewandt wurde. Dutchmann-Gründer Gavin Rooke will diese negative Wahrnehmung ändern, mit seiner Interpretation von Handwerk. Doch der Reihe nach.

Verlagssonderveröffentlichung

Ausgestattet mit einem Ehrentitel in Marketing der University of Cape Town, schlägt sich der gebürtige Südafrikaner mit englischen Eltern zunächst in der kreativen Werbeagenturszene durch, wo er ein besonderes Verständnis für Design und Form entwickelt. Nach zehn Jahren eröffnet Rooke dann seinen lang ersehnten Traum: Er eröffnete eine Kunstgalerie. Endlich steht er nicht mehr nur als Dienstleister dazwischen, sondern jetzt im direkten Austausch mit Künstlern und kreativen Handwerkern verschiedener Disziplinen. Inspiriert durch unkonventionelle Denke, mischt Rooke Kunst und Zweckmäßigkeit und formt beides zu seinem Markenzeichen. Es ist die Geburt von Dutchmann.

Auf ein paar ungewöhnliche Surfboards, an denen sich eine Auswahl handverlesener Künstler auslassen darf, folgt Rookes erstes mechanisches Meisterwerk: das Vicious Cycle – ein Fahrrad, das die Qualitäten eines traditionellen Rads mit modernen Kohlefaser-Komponenten kombiniert. Die Szene ist begeistert und feiert die Marke Dutchmann. Nach den Delft-Surfbrettern und dem Vicious Cycle, die sich als Kunstobjekte bewährt hatten, beginnt Rooke schließlich über den ausrangierten Porsche 912 aus dem Baujahr 1968 in der hintersten Ecke seiner Garage nachzudenken. Er erstand den Porsche, der in einer Scheune stand und in dem bereits Vögel ihren Nestbau verrichteten, zusammen mit einem 911 aus dem Jahr 1970. Für ziemlich wenig Geld, wie er sagt. Nicht sein erster Porsche im Übrigen. Im Alter von 24 Jahren kaufte er einen 356 SC, den er aber kurze Zeit später wieder veräußern musste, als sein Sohn Liam geboren wurde.

Doch zurück zum 912. Der erste Schritt war die Weiterentwicklung eines Rahmens, der an Wochenenden Rallye-Prüfungen standhielt und genauso zweckdienlich war, um anschließend die Kinder zur Schule zu bringen. »Wenn wir die Porsche-Denke von damals, einen historischen Sportwagen für alles zu entwickeln, in die heutige Zeit übertragen würden, was wäre das Äquivalent? Mir gefiel das Konzept, diesen luftgekühlten Porsche zu nehmen und ihn mit verschiedenen Komponenten auszustatten. Nicht nur mit den Teilen, die 1968 für den 912 verfügbar waren, sondern mit den besten Teilen aus fünf Jahrzehnten Porsche«, erklärt der Dutchmann-Gründer. Das Einzige, was unangetastet blieb, und das ist selbstverständlich, war die 912er-Karosserie, alles andere aber musste weichen, auch das Herz. Stattdessen schlug bald ein 2,8-Liter-Motor aus einem Porsche 911 von 1974 in dem 912.

Im Detail: Ein speziell geblähtes Motorgehäuse, neu dimensionierte Zylinder, Aluminium-Rennkolben und modifizierte Nockenwellen leisten zusammen 250 PS und schaffen es in sechs Sekunden auf 100 km/h. Im Innenraum spinnt sich Rookes Detailbesessenheit fort: Dort finden sich Lederpaspeln mit elfenbeinfarbener Doppelsteppung auf Porsche-Sitzen von 1989 und ein Armaturenbrett aus gestanztem Leder. Ein komplett überarbeitetes Porsche-Fahrwerk von 1974 ersetzt die ursprüngliche Kurzrad-Basisaufhängung des 912 und verbessert das Handling. Porsche-Scheibenbremsen aus dem Jahr 2004 sorgen für eine zeitgemäße Bremskraft, und die Scheinwerfereinheiten des 911 von 2013 sind in den originalen Gläsern aus dem Jahr 1968 untergebracht.

Doch anstatt das aufregende Endprodukt einfach in eine klimatisierte Garage zu stellen, loggte sich Gavin mit dem 912 auf der Kalahari Speed Week in der Nähe von Namibia ein und holte den Streckenrekord. Parallel dazu ließ Dutchmann ein paar Rennplakate entwerfen, die jeder Garage die nötige Coolness verleihen. »Fünf Typen wollten den Porsche sofort kaufen«, erzählt Rooke begeistert und streicht über die Flyline des 912.

Etwas Stolz schwingt mit, wenn Gavin Rooke auf sein Lebenswerk Dutchmann schaut. Sein 912 und andere Ideen haben das Internet erobert, die Anfragen häufen sich. Aus Amerika, Dubai und Europa landen Aufträge auf seinem Tisch. Doch Rooke macht es auf seine Art, die Kundschaft muss seiner konzeptionellen Arbeit zustimmen. Dutchmann kümmert sich um das Konzept, das Design und die Spezifikationen für jeden Porsche. Das kann das Erbe eines 912 sein, die Leichtbauweise eines 73er RS, eine Hommage an das Targa-Dach oder das dazu passende Surfboard.