Porsche-Event 20221. Röhrl-Klassik – Walters bunte Mischung

Thorsten Elbrigmann

 · 04.11.2022

Porsche-Event 2022: 1. Röhrl-Klassik – Walters bunte MischungFoto: O. V. Simon, Jörg Weusthoff, Lena Willgalis
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Eine Rallye für klassische Porsche mit Walter Röhrl im Wagen Nummer 1. Dieser Traum ist nun wahr geworden: Vom 31. August bis 3. September lockte die 1. Röhrl-Klassik 111 farbenfrohe Porsche-Teams nach Mecklenburg-Vorpommern.

Wimmelbild mit Ordnung! Bei jeder Pause hieß es: first in, first out. Alle starteten in der Reihenfolge der Ankunft, jeder hatte genügend Pausenzeit. Entspannung pur.
Foto: O. V. Simon, Jörg Weusthoff, Lena Willgalis

Zaghaft ragt eine Hand ganz hinten links im Raum nach oben. Mit dem obligatorischen »Noch irgendwelche Fragen?« hatte Peter Göbel, Organisator der 1. Röhrl-Klassik, soeben seinen Rallye-Lehrgang am Vorabend der 1. Röhrl-Klassik beendet. Ein aufmunternder Blick. Die Dame im Publikum steht auf: »Also ich wollte nur wissen, wer auch zum ersten Mal bei so einer Rallye dabei ist.« Irgendwas zwischen einem Drittel und der Hälfte der Hände kündet von einer doch großen Gruppe von Novizen. Erleichtertes Auflachen überall. Scheint, als würden sich vor allem die Pärchen nun Hoffnung machen, ihre Ehe doch noch über die kommenden Tage retten zu können, denn die Wertungsprüfungen, die seit einer knappen Stunde allen Kursteilnehmern vermittelt wurden, haben es in sich: Zeitwertungen mit bis zu fünf parallelen Zeiten und Zielen, supergeheime Wertungsprüfungen, die per lila Schild angekündigt werden, und Peter Göbels neueste Spezialität: die Fahrt durch bunte Pylonentore – Zeit und Torreihenfolge sind festgelegt, nicht aber der Fahrweg. »Alles halb so wild. Glaubt mir!«, verspricht er – und sollte recht behalten.

Verlagssonderveröffentlichung

Die 1. Röhrl-Klassik – alles andere als eine normale Oldtimerrallye, sondern eine Gleichmäßigkeitsfahrt nur für klassische Porsche. Drei Tage, insgesamt rund 780 Kilometer, sechs Etappen, 20 Durchfahrtskontrollen, 22 Wertungsprüfungen, davon eine geheim. 111 Teams aus Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, den Niederlanden, Großbritannien und natürlich Österreich gingen auf die Fahrt von Göhren-Lebbin aus kreuz und quer durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf Landstraßen und Plattenwegen, durch malerische Landstriche wie den Müritz-Nationalpark und Ortschaften wie Tribsees, Krakow am See oder Ribnitz-Damgarten. Ja sogar am Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung, führte die Fahrt vorbei. Sehenswerte Zwischenziele wie die größte Feldsteinscheune Deutschlands, das Vorzeige-Gut Hesterberg oder die imposante Ziegelei in Mildenberg machten deutlich, wie unfassbar schön dieser Landstrich Deutschlands ist und wie viel er zu bieten hat.

Und doch bleiben diese ganz anderen Erlebnisse im Kopf: Der kleine Ort Dänschenburg machte aus der Rallye ein echtes Volksfest. Das ganze Dorf schien auf den Beinen zu sein, sodass die Wertungsprüfung dort auf einem alten Plattenweg zur wahrscheinlich schönsten der ganzen Röhrl-Klassik wurde. Walter Röhrl selbst war überall präsent, gab Autogramme, lachte, scherzte und fuhr nach der Zieldurchfahrt eines Tages nicht etwa direkt die paar Meter weiter zum Schlosshotel Fleesensee, nein, er blieb vor Ort, schwenkte die Zielflagge, klatschte Teams ab und fühlte sich sichtlich wohl unter all den Fans.

»Wir haben Glück gehabt mit dem Wetter und der Strecke. Nicht eine Umleitung haben wir kurzfristig reinnehmen müssen. Wir konnten die Etappen genauso fahren, wie wir sie geplant hatten«, sagt Peter Göbel, der zusammen mit dem Team ein perfektes Roadbook vorlegte. Auf zehn Meter genau und ohne jeden Fehler. Zum Glück kam harte Arbeit. Nur so war es möglich, an der Uferpromenade in Krakow am See fahren zu dürfen oder das Gut Hesterberg zu befahren. Viele Behörden und Privatleute mussten gefragt, Genehmigungen eingeholt werden.

Den Teilnehmern blieben die Tücken der Organisation verborgen. Selbst eine im Reifenprofil klebende Lichtschranke (»Da hab ich mich wohl verschätzt«), konnte den Betrieb nicht aufhalten. Denn auch dafür war Ersatz sofort zur Hand. Ähnliches galt auch für den Top-Pannendienst des AvD, der bereits im Vorfeld kleine Wehwehchen behob und niemanden auf der Strecke zurückließ. So blieb nur eines: Genuss! Und den krönten die Vorbeiflüge einer Boeing Stearman von 1943 am Flugplatz Lärz. Man selbst fuhr die schnellsten Sonderprüfungen auf der Landebahn mit einem Schnitt von über 80 km/h, daneben bollerte der Doppeldecker. Oder man genoss die Mittagspause in Mildenberg, wo im Ringofen der alten Ziegelei das Buffet aufgebaut war. Momente, die auf ewig im Gedächtnis bleiben. Dazu nette Gespräche mit einem nahbaren Hinnerk Schönemann, der als Mecklenburger ein besonders schönes Kompliment parat hielt: »Dank Peter lerne ich meine Heimat neu kennen, gut 90 Prozent der Strecken habe ich bislang noch nie gesehen.«

Und genau das war das Ziel dieser Fahrt: Abseits ausgetretener Pfade eine Region entdecken, ihre begeisterten Menschen, ihre historisch-schönen Orte. Wo erhält man schon vom Bürgermeister persönlich den Stempel für die Durchfahrtskontrolle? Wo sonst bekommt man eine Packung Kekse – gebacken von der besten Bäckerei am Ort – durchs Fenster gereicht? Wo sonst sitzen Alt und Jung am Straßenrand, das Programmheft in der Hand, und fachsimpeln über die schönen alten Porsche, die vorbeifahren? Es wurde gewunken, gelacht, gehupt, und in den kurzen Wartezeiten vor Durchfahrtskontrollen oder Wertungsprüfungen blieb immer noch Zeit, um ein paar Worte zu wechseln.

Ein besonderes Highlight im Starterfeld war sicherlich der Porsche 959 S von Heinz Schmersal aus Wuppertal. Er reiste auf eigener Achse an und avancierte zum Star der Rallye, weil er sowohl auf der Homepage als auch in Programmheften und Vorberichterstattungen immer wieder eine Rolle gespielt hatte. Immer wieder ertönte der Ruf: »Da ist der 959! Da kommt er!« Dazu die leuchtenden Augen der Kinder. Porsche ist immer noch ein Sehnsuchtswagen.

Die abschließende Gala am Samstagabend hatte eine besondere Überraschung inmitten all des guten Essens und der Preise zu bieten: eine künstlerische Darbietung. Denn die Band Heizer Monkeys mit ihrem Leadsänger Joseph Kotrie-Monson – der die Rallye übrigens auch mitgefahren ist – stellte ihr Video »The TF Song feat. Walter Röhrl & Olaf Manthey« vor. Eine Hommage an den besten Rennfahrer der Welt, der sichtlich amüsiert zuschaute – und mitsang! Dass es auch Preise gab, geriet fast zur Nebensache bei all dem Spaß. Doch gerade die Preisverleihung war besonders wegen der großzügigen Sponsorengaben – bis hin zur edlen Uhr – ein Teil des Abends, den alle sehr gespannt verfolgten.

Und so feierte man die Sieger der Rallye: auf dem ersten Platz das Team Nord-Ostsee-Classics mit Gerd Lambert am Steuer und Co-Pilot Michael Loerke auf Porsche 911 SC Targa von 1979, gefolgt vom Team Scuderia Theotmalli, Jascha Alexander Jacobs und Stephanie Jacobs mit ihrem Porsche 911 T 2.2 Targa, und auf Rang drei das Team Swissvax mit Georg Weidmann und Curt Bloss auf Porsche 930 Turbo Coupé von 1981. Ausgerechnet für Rang drei hatten sie als Sponsoren ein großes Swissvax-Paket ausgelobt. So wurde es nun unter allen, die keinen Pokal gewonnen hatten, verlost. Walter Röhrl landete mit seinem Beifahrer Rafael Diez übrigens auf dem 28. Platz.

Und weil alles so gut gelaufen ist, gab Tim Ramms, Geschäftsführer von Delius Klasing, bekannt, dass es auch im kommenden Jahr wieder eine Röhrl-Klassik geben wird. Wann und wo? Erst mal nur so viel: Peter Göbel plant bereits. Denn die Welt braucht eine Röhrl-Klassik.