Nachruf

Farewell, Horst Stern

18.01.2019 Hermann Rest - Von 1963 bis 1968 war er Chefredakteur der GUTEN FAHRT.
© Delius Klasing Verlag
Horst Stern (* 24. Oktober 1922 in Stettin; † 17. Januar 2019 nahe Passau)

Als er 90 war, hat er mir das Du angeboten und gesagt, nun hätten wir die Förmlichkeiten hinter uns. Doch hatten wir uns schon immer verstanden und notfalls kritisch auseinandergesetzt. Fünf Jahre lang, von 1963 bis 1968, war er Chefredakteur der GUTEN FAHRT, und ich war sein Stellvertreter und wurde sein Nachfolger. Nun ist er tot. Horst Stern ist am 17. Januar mit 96 Jahren aus seinem letzten Wohnort Passau in die ewigen Jagdgründe eingezogen.

Die "Jagdgründe" sind mir nicht versehentlich unterlaufen. Denn Stern hat sich in Deutschland einen Namen gemacht als Autor von Tier-Filmen im Fernsehen des damaligen Süddeutschen Rundfunks. Und irgendwann zur feierlichsten Weihnachtszeit hat er mit seiner sonoren Stimme angeprangert, dass das Rotwild die Bäume verbeißt, aber von den Jägern gehegt wird, damit es was zu schießen gibt. Der Aufschrei von damals hallt heute noch nach.

Geboren und aufgewachsen war Stern in Stettin. Er gehörte dem Jahrgang 1922 an, der arg dezimiert wurde, als Hitlers Blitzkriege zu Niederlagen wurden. Stern hatte Glück. Er wurde als Fallschirmjäger in Nordafrika gefangen genommen und geriet als Prisoner of War in die USA. Da lernte er sein ausgezeichnetes amerikanisches Englisch. 

Damit wurde er in Nachkriegsdeutschland Dolmetscher und Vertreter der Anklage bei den Amerikanern, die damals versuchten, eine Sheriff-Gerichtsbarkeit einzuführen. Von dort war der Weg nicht weit zum Gerichtsreporter der "Stuttgarter Nachrichten".

So wurde er Journalist. Und geriet alsbald an den Verlag Delius Klasing, wo er die Feuerwehr spielte, wenn es irgendwo brenzlig wurde. Als der GUTEN FAHRT die Redaktion abhanden kam, übernahm er den Chefposten und suchte neue Leute – darunter auch mich. Und aus Delius Klasings "YACHT", die als Mitteilungsblatt des Segler-Verbandes dahindümpelte, machte er eine europaweit beachtete Wassersport-Zeitschrift.

Aber seine Leidenschaft waren weder Autos noch Boote. Sondern Tiere und die Natur. Also kaufte er ein altes Allgäuer Bauernhaus und betrieb Schafzucht. Und erfand für den Schweizer Ringier-Verlag die Zeitschrift "NATUR".

Auch war ihm ein Falke zugeflogen, den er gefüttert hatte. Damit geriet er an die klassische Lektüre der Falknerei, an "De arte venandi cum avibus" – über die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Deren Autor im frühen 13. Jahrhundert war ein Enkel Barbarossas: Friedrich II, ein Staufer-Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation", der an der italienischen Stiefelspitze sein Castel del Monte baute. Der Intellektuelle auf dem Thron galt seiner Zeit als "stupor mundi", als  Verblüffung der Welt. Stern sah ein neues Thema und schrieb über ihn den  Roman "Mann aus Apulien".

Wenn ihn etwas herausforderte, widmete er sich der Sache ganz und trieb sie zum Höhepunkt. Kleines Beispiel: Ein Kollege hatte aus einem Bausatz ein Cembalo gebaut und konnte darauf nicht spielen. Stern kaufte es ihm ab und nahm Klavierunterricht. Eine Weile später gab er in der Stuttgarter Leonhardskirche ein Orgelkonzert – und fasste danach keine Note mehr an.

Doch immer wieder trieb es ihn in die Natur. Eines Tages kaufte er ein altes Cottage in Irland und lebte ein paar Jahre am Ende der Welt. Dann zog er von Hamburg nach Passau, wo er Mitstreiter wusste, mit denen er es durchgesetzt hatte, einen Teil des Bayerischen Waldes zum Naturpark zu erklären.

Das hatte ihm nicht nur Freunde eingetragen. Aber immer wieder auch Ehrungen. Für seine Tierfilme bekam er vom Fernsehen die "Goldene Kamera". Die landwirtschaftliche Fakultät der Stuttgarter Universität Hohenheim verlieh ihm den Ehrendoktor. Nun denn! Doktor honoris  causa Horst Stern – farewell...                                                     

Schlagwörter

NachrufNewsletter_02/19_2

Das könnte Sie auch interessieren