VW-Vitrine: Weihnachts-Edition - Wer hätte das geahnt ...Foto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt

ServiceVW-Vitrine: Weihnachts-Edition - Wer hätte das geahnt ...

Fabian Houchangnia 

24.12.2013, Lesezeit: 3 Minuten

Von junger Sammel-Leidenschaft und stupiden Spielen. 50 Jahre später – wir schauen in die Geschenk-Tipps der GUTE FAHRT Weihnachts-Ausgabe 1963

  Ferngesteuerter Gama Mercedes mit Sirene und BlaulichtFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Ferngesteuerter Gama Mercedes mit Sirene und Blaulicht
  Ferngesteuerter Gama Mercedes mit Sirene und BlaulichtFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Ferngesteuerter Gama Mercedes mit Sirene und Blaulicht

Bereits in den 1960er Jahren gehörten vorweihnachtliche Ge­schen­ketipps für den männlichen Nachwuchs der Volkswagenfahrer zum guten Ton. Beim Durchstöbern unseres Archivs sind wir auf die Ausgabe Nr. 12/1963 gestoßen, die diesem Thema gleich vier Seiten widmete. Allein schon das Titelbild von Gerd Rettenmayr ist ein wunderbarer Zeitzeuge aus längst vergangenen Tagen, in denen Modellautos nur einem einzigen Zweck dienten: Dem Glück spielender Kinder. Artig sitzt der kleine Bub an seinem etwas zu hohen Tisch, das weiße, ein wenig zu große Hemd ist ordentlich zugeknöpft. Vorsichtig werden brandneue Modelle von Märklin und Corgi Toys an einer abgesperrten Baustelle vorbei bugsiert. Mit dem wahren Spielealltag hat das gestellte Foto natürlich nicht allzu viel gemeinsam, die wahren Spiel- und Rennsituationen mit mehr oder weniger ramponierten Modellen spielten sich eher auf der Straße oder im Garten ab.

  Amphibio der Firma SchucoFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Amphibio der Firma Schuco
  Amphibio der Firma SchucoFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Amphibio der Firma Schuco

Ein junges Hobby

Und ein Blick ins Innere unseres historischen Magazins offenbart Erstaunliches. In der Tat ist das Thema "Modell­autos sammeln" noch gar nicht so alt. Erst mehr als zehn Jahre nach Erscheinen des Hefts erkannten Sammler das historische Potential der in dieser Ausgabe beschriebenen Miniaturen, klapperten auf der Suche nach unberührten, originalverpackten Modellen Spielzeuggeschäfte ab, organisierten die ersten Tauschbörsen. Kaum vorstellbar, was wir in den 1970er Jahren für Schätze bergen konnten.

  Das nennt man „Zustand 1“: der Amphibio des Autors nach fast 50 JahrenFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Das nennt man „Zustand 1“: der Amphibio des Autors nach fast 50 Jahren
  Das nennt man „Zustand 1“: der Amphibio des Autors nach fast 50 JahrenFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Das nennt man „Zustand 1“: der Amphibio des Autors nach fast 50 Jahren

Gerne erinnere ich mich an die verständnisvollen Blicke meiner Eltern, die ohne Murren tolerierten, dass der erste Besuch einer neuen Stadt dem dortigen Spielzeugladen galt. Immer wieder mussten sie sich von mir anhören: "Das sind Modelle, die schon längst aus dem aktuellen Katalog gestrichen sind – irgendwann sind die bestimmt einmal etwas wert!" Vater war da eher skeptisch, meine Mutter hingegen begleitete mich mit bereits 14 Jahren zu einer der ersten Tauschbörsen. Die spannendsten Funde machte man aber im Ausland. Bis in die späten 1980er entdeckte ich in Italien und Spanien schier unglaubliche Lagerfunde. Besonders stolz war ich natürlich auf das im Jahre 1966 am Bodensee gekaufte "Amphibio" der Firma Schuco, das nach jeder Wasserung penibel getrocknet und gereinigt wurde. Noch heute steht es samt Originalverpackung in meiner Sammlung. Einen See oder zumindest eine Badewanne hat das rostfreie Stück allerdings seit vierzig Jahren nicht mehr gesehen.

  Die vom Verfasser des Artikels verpönte Service Station von SchucoFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Die vom Verfasser des Artikels verpönte Service Station von Schuco
  Die vom Verfasser des Artikels verpönte Service Station von SchucoFoto: Fabian Houchangnia/Gute Fahrt
Die vom Verfasser des Artikels verpönte Service Station von Schuco

Der Blickwinkel des GUTE FAHRT- Redakteurs war im Jahre 1963 natürlich ein anderer. So erklärt er: "Wer ausgesprochen stumpfsinnige Kinder zu beschenken hat, dem empfiehlt sich das Schuco-Express-Service-Spiel (DM 12,50). Es zeichnet sich durch überraschend stupiden Ablauf aus". Mal ganz unter uns: Wir Kinder liebten dieses Tankstellenspiel, konnten uns stundenlang damit beschäftigen. Schmunzeln lässt uns auch die Aussage über den ferngesteuerten und dank Sirene akustisch stets präsenten GAMA Mercedes: "Als Weihnachtsgabe für eigene Kinder verdient das Auto…nur das Prädikat "wenig empfehlenswert".

Welch Glück, dass wir Kinder uns damals durchsetzen konnten, denn alle in dieser Ausgabe beschriebenen, wunderbaren Modelle wurden dann doch noch zu heute bestaunten und begehrten Bestsellern.