VW-Vitrine: Käfer-Modelle aus Israel - Kibbutz-KäferFoto: Fabian Houchangnia

ServiceVW-Vitrine: Käfer-Modelle aus Israel - Kibbutz-Käfer

Fabian Houchangnia 

23.8.2014, Lesezeit: 3 Minuten

Mitte der sechziger Jahre beauftragt der US-Spielzeugimporteur Cragstan die Israelische Firma Gamda-Koor mit der Produktion von Diecast-Modellen

Wir schreiben das Jahr 1965. Cragstan, größter amerikanischer Spielzeugimporteur mit Sitz in New York, ist auf der Suche nach Alternativen zum klassischen Blechspielzeug. Um auch im inzwischen immer beliebter werdenden Maßstab 1:43 Fuß fassen zu können, wendet er sich daher an den israelischen Spe­zialisten Gamda-Koor im Kibbutz Kfar HaNassi nahe Haifa und beauftragt ihn mit der Produktion preisgünstiger Diecast Modelle im trendigen Maßstab.

Da Gamda-Koor auf diesem Gebiet bereits über Erfahrung verfügt, wird der Auftrag gerne angekommen. Kurz darauf erscheinen die ersten Modelle in den USA unter dem Label "Detroit Seniors", während für alle anderen Märkte der einprägsame Name "Sabra" gewählt wird. Alle Modelle werden in attraktiven Garagen aus transparentem Plastik geliefert, an deren Rückseite eine bunte Postkarte geklebt ist, die für weitere Produkte des Hauses wirbt und gleichzeitig Aufschluss darüber gibt, ob das Modell für die USA (Detroit Seniors), oder andere Märkte (Sabra) bestimmt ist.

Sabra oder "Detroit Seniors"

Schon bald finden die Miniaturen auf der ganzen Welt reißenden Absatz, denn sie sind nicht nur spottbillig, auch die Qualität stimmt. So bestehen die Karosserien aus Metalldruckguß, Chassis und Stoßstangen hingegen aus verchromtem Plastik. Auch eine Federung, Gummireifen auf Metallfelgen sowie bewegliche Türen oder Hauben sind serienmäßig. Und Cragstans Strategie, sich ausschließlich auf bisher von den Konkurrenten ignorierte Vorbilder zu konzentrieren, erweist sich als goldrichtig. Autos wie Dodge Charger, Chevrolet Impala oder Ford Torino laufen schließlich zu Tausenden auf den amerikanischen Highways und finden daher auch als Modellautos reißenden Absatz.

  Vitrine 6/2014Foto: Fabian Houchangnia
Vitrine 6/2014
  Vitrine 6/2014Foto: Fabian Houchangnia
Vitrine 6/2014

Auch nach Europa gelangen Gamda-Koor-Miniaturen, werden hier jedoch eher an Tankstellen, in Schreibwarengeschäften oder Tabakläden angeboten. Da der jungen Kundschaft Firmen wie Buick oder Oldsmobile einfach fremd sind, gibt es nur ein einziges Modell der Serie, das hier auf nennenswerte Verkaufszahlen kommt: Der VW Käfer. Es mag unglaublich erscheinen, aber in der Tat ist diese Miniatur die einzige der immerhin 47 Modelle umfassenden Reihe, die nicht ein amerikanisches Auto darstellt.

Um Kosten zu sparen, greift Gamda-Koor übrigens zu einem beliebten Kunstgriff und kopiert die Form des Wiking 1:40 Modells, verkleinert sie aber auf den Maßstab 1:42. Zudem spendiert man dem Modell eine bewegliche Kofferraumhaube und Exportstoßstangen. Bis in die frühen 1970er Jahre präsentiert Gamda-Koor den Käfer in sechs Varianten, dann wird die Produktion eingestellt. Heute, knapp fünfzig Jahre später, gewinnt das Sammeln dieser exotischen Modelle immer mehr an Bedeutung. Perfekt erhaltene Käfer in Originalgarage liegen je nach Ausführung bereits zwischen 90 und 350 Euro.