ReportPorsche Museum – Mit offenen Augen träumen

Martin Santoro

 · 17.02.2022

Report: Porsche Museum – Mit offenen Augen träumenFoto: Porsche

Es ist die Visitenkarte der Marke am Porscheplatz in Stuttgart. Das Werksmuseum lockt mit einem neuen Entrée in den Ausstellungsbereich, das zahlreiche Überraschungen bereit hält

Spektakuär von außen, faszinierend im Innern: Das Porsche Museum im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen empfängt seit 2009 seine Besucher am Porscheplatz Nummer Eins. In unmittelbarer Nähe werden seit 1950 Sportwagen mit dem Stuttgarter „Rössle“ auf der Motorhaube hergestellt. Direkt an der Quelle, von wo aus die Marke ihren Siegeszug um die Welt startete, öffnet täglich eine imposante Pforte für das interessierte Publikum, das hier den ruhmreichen historischen Spuren des schwäbischen Autobauers folgen kann.

Verlagssonderveröffentlichung

Das Museumsgebäude am Stammsitz der Dr. Ing h.c. F. Porsche AG ist eine unvergleichbare Visitenkarte, wird das 140 mal 70 Meter große und 35.000 Tonnen schwere Bauwerk doch von drei V-förmigen Säulen getragen. Nicht zu übersehen: die Skulptur neben dem Museum, deren drei bis zu 24 Meter hohe Stelen von je einem Porsche 911 gekrönt werden.

Kurzbiografien portraitieren bedeutende Akteure im frühzeitlichen Porsche-Universum
Foto: Porsche

Um legendäre Automobilikonen dreht es sich auch im Innern der Exposition. Auf 5.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche warten mehr als 80 Fahrzeuge und 200 Kleinexponate darauf, erkundet zu werden. Dazu zählen etwa die legendären Porsche-Typen 356, 550, 904, 911 und 917. Die ständig wechselnden Ausstellungsfahrzeuge werden aus einem mehrere hundert Exponate fassenden Bestand gezeigt. Ihnen allen gemein ist die Museums-Philosophie des Hauses Porsche: stets fahrbereit zu sein – etwa im Rahmen besonderer Anlässe als Renntaxi für Mitfahrten bei Motorsport-Veranstaltungen. Das trägt das Porsche-Universum unmittelbar und erlebnisreich in die Welt. So funktioniert erfolgreiches Marketing.

Porsche begann elektrisch

Geklatscht werden darf auch am Hauptquartier der historischen Sammlung. Zum Jahreswechsel haben die Kuratoren den Eingangsbereich der Dauerausstellung umgestaltet und ausgebaut. Der von der Museumsleitung bezeichnete „Prolog“ widmet sich erstmals intensiv der frühen Geschichte von Ferdinand Porsche. Seine Entwicklungen im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ende der 1940er Jahre sind außer dem Volkswagen Käfer allgemein weniger bekannt. Für mehr Transparenz und um ein besseres Verständnis für die Arbeit des Genius bemüht, erwartet die Besucher als Willkommensgruß zunächst das älteste erhaltene Fahrzeug, an dem der Erfinder noch als Angestellter bei Lohner in Wien mitgewirkt hat. Das Elektromobil „Egger-Lohner C.2“ aus dem 1898 steht auf einem Podest und erinnert daran, dass Ferdinand Porsche als junger Konstrukteur vor allem die Möglichkeiten der Elektrizität faszinierte, was ihn beim Kutschenbauer Lohner direkt zur Elektromobilität führte. Damit will das Museum aufzeigen, dass die Firmengeschichte mit Elektroautos begonnen hat. Seinerzeit tüftelte beinah die halbe Branche an Entwicklungen von mit Strom betriebenen Fahrzeugen.

Technisches Neuland betrat Ferdinand Porsche dann im Jahr 1900, als er das weltweit erste Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb konzipierte, den Porsche-Lohner „Semper Vivus“. Ein restauriertes Fahrzeug mit Benzinmotoren, welche die lenkbaren Radnaben-Elektromotoren über Generatoren mit Strom versorgen, ist ebenfalls Teil des Einstiegs in das Ausstellungserlebnis.

Ein Jahr Vorbereitungszeit hat die Neugestaltung des Eingangsbereichs in Anspruch genommen. Zu den Neuerungen zählt auch die detailliert ausgearbeitete Geschichte der Familie Porsche. Zu sehen gibt es etwa ein digitales Familienalbum mit zahlreichen Privataufnahmen – unter anderem mit Motiven des jungen Ferry Porsche, dem späteren Gründer der Sportwagenmarke. Sowohl das Wirken des Porsche-Sohnes als auch das der damaligen, maßgeblich beteiligten Mitarbeiter wird an mehr als 20 Stationen mit interaktiven Touchpoints und Funktionsmodellen anschaulich. Eine eigens dafür installierte Insel befasst sich speziell mit dem 1931 gegründeten Konstruktionsbüro in Stuttgart, von wo aus auch etliche Auftragsarbeiten für die damalige NS-Rüstungsindustrie ihre Umsetzung fanden. Neben bekannten Typen wie Kübel- (Typ 82) und Schwimmwagen (Typ 166) konstruierte Porsche auch den größten jemals gebauten Panzerkampfwagen namens „Maus“ (Typ 205), der mit 188 Tonnen Gewicht über das Prototypenstadium nie hinaus kam.

Symbiose aus Form und Funktion

Mit Gründung der Porsche AG 1948 widmete sich das Unternehmen ausschließlich zivilen Projekten. Neben der Fertigung von Sportwagen gründete der Schwäbische Traditionsbetrieb vor 50 Jahren etwa den Firmenzweig „Porsche Design“. Dieses Markenjubiläum würdigt das Porsche Museum bis zum 10. Juli 2022 mit einer Sonderausstellung. Porsche Design fußt auf Hans-Peter und seinem Bruder Ferdinand Alexander Porsche (Sohn von Ferry) und ist inzwischen eine renommierte Lifestyle-Marke, bekannt für funktionale und langlebige Produkte mit puristischer Ästhetik. Zu den ausgestellten Exponaten gehören etwa Klassiker wie die Armbanduhr Chronograph I, die Pilotenbrille P´9521 sowie die Pfeife P´3613. Ebenfalls Teil dieser Ausstellung sind stilprägende Fahrzeuge, die F.A. Porsche schuf oder aus seiner Sammlung stammen: 904 Carrera GTS, 993 Speedster und 911 S 2.4 Targa. Mehr Infos: www.porsche.de/museum.