Test Cupra Leon Sportstourer 1.4 eHybridSporteln & Sparen

Martin Santoro

 · 15.05.2021

Test Cupra Leon Sportstourer 1.4 eHybrid: Sporteln & Sparen

Für sportliche Familien ist der Cupra Leon Sportstourer erste Wahl. Gilt das auch für den teilelektrischen eHybrid mit einer Systemleistung von 245 PS?

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Foto: Jan Bügermeister

Spätestens mit dem extrem maskulin gezeichneten CUV Formentor hat sich Cupra als eigenständige Marke etabliert und vom Mutterschiff Seat ein Stück weit abgenabelt. Nach wie vor kümmert sich aber die unabhängige iberische Sportabteilung um die Modelle Ateca und Leon, deren zivilere Seat-Versionen mit weniger Leistung aufwarten und nicht ganz so emotional wie die jungen Wilden aus der Nachbarschaft auftreten. Die Heißsporne genießen wiederum seit langem Kultstatus, was die Neuzulassungen bestätigen, auf die es ja letztlich auch ankommt. Demzufolge reflektiert auch der neueste Cupra Leon in Sachen Design pflichterfüllend den zeitgeistlichen Geschmack seiner Anhängerschaft.

Idealmotorisierung dem Anspruch entsprechend ist und bleibt der 2.0 TSI, der es im Hatchback auf 245 und 300 PS bringt. Als familienfreundlicher Sportstourer mit optionalem 4Drive-Allradantrieb darf der EA888 Evo4 sogar 310 PS leisten. Schaltgetriebe sind hier wie dort passé, dafür gibt´s Adaptiv-Dämpfer und Progressiv-Lenkung in Serie. Mit dynamischem Gesicht, schlanker Seitenlinie und formal gelungenem Heck samt flacher D-Säule repräsentiert der Kombi eine moderne Sichtweise, die hohe Ansprüche an Ästhetik erfüllt. Alles in allem eine reizvolle Kombination.

Passt zur athletischen Feinkost denn auch ein Plug-in-Hybrid als alternatives Antriebskonzept? Wie bei den im Grunde baugleichen Sportkollegen VW Golf GTE und Skoda Octavia RS iV Combi (ab Seite 40) kommt im Cupra Leon Sportstourer 1.4 eHybrid eine harmonische Kombination aus dem 1,4-Liter Turbo-Benziner mit 150 PS, Sechsgang-DSG und einem 115 PS starken Elektromotor, der Platz sparend im Getriebe (DQ400E) integriert ist. Das Zusammenspiel beider Antriebe erbringt eine Systemleistung von 245 PS – satte 41 PS mehr als beim zahmeren Seat-Bruder. Der unterliegt um 50 Nm das maximale Drehmoment des Cupra von 400 Nm. Ordentlicher Punch also, um den frontangetriebenen Sport-Kombi in 7,0 Sekunden auf Landstraßentempo zu feuern. Eine helle Freude, denn dank des ansatzlosen Schubs, den die E-Maschine beisteuert, kribbelt es von unten raus im Magen. Wobei hier ein wenig unterschieden werden muss, da der Cupra die Intensität der Schubkraft in den verschiedenen Farhmodi deutlich differenziert. Im Cupra-Modus drückt der Sportstourer mit wesentlich mehr Nachdruck als auf „Comfort“ oder „Eco“. Gleichwohl absolviert der Kombi Überholvorgänge in „Sport“ und „Cupra“ mit voller Wucht. In diesen Modi spielt ein Aktuator künstlich Motorsound ins Cockpit, der bei steigender Drehzahl deftig anschwillt und Cupra-Fans genauso gefallen wird wie der Doppelkuppler, hinterlässt das DSG doch einen hervorragenden Eindruck. Blitzschnell, sehr sauber und absolut ruckfrei schnalzt es die Stufen bis zur Schaltgrenze von 6.200/min durch. Bei Flaute im Akku merkt man aber, dass der Verbrenner dann doch nur 1,4-Liter Hubraum hat. Wenn der E-Boost nachlässt, geht dem kleinen TSI ein wenig die Puste aus. Dennoch reicht es bis 225 km/h Spitze, während im reinen E-Modus bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit Schluss ist.

Sport und Elektro passen gut zusammen

Seine Energie zieht der Stromspeicher aus einem Lithium-Ionen-Akku (96 Zellen) im Kofferraum-Unterboden mit einer Kapazität von 13 kWh (10,4 kWh netto). Der lässt sich sowohl mobil als auch stationär laden. Im Batterie-Manager des Infotainment-Bildschirms lässt sich im Hybrid-Modus die Batterieladung automatisch verwerten oder reservieren. Weniger effizient ist, die Ladung mittels Verbrenner zu erhöhen. Am cleversten: die sogenannte „prädiktive Hybridstrategie“. Hier nutzt der Cupra die GPS-gestützten Navigationsdaten so, dass die elektrische Reichweite bis zum Ende der programmierten Fahrstrecke voll ausgenutzt wird.

Ist der Akku leer, dauert das Aufladen an einer Wallbox 3,5 Stunden mit bis zu 3,6 kW Wechselstrom. Mit 2,6 kW Leistung dauert die Strombetankung an einer Haushaltssteckdose (230 Volt) mit fünf Stunden entsprechend länger. Demnach eignet sich der Teilzeitstromer vorrangig für Cupra-Enthusiasten, die über Nacht zuhause oder tags während der Arbeit laden können.

Voll geladen verspricht Cupra eine rein elektrische Reichweite nach NEFZ-Zyklus von 67 Kilometern. Im Test mit Stadt-Anteil, Landstraße und Autobahn fuhren wir bei Temperaturen um zehn Grad und zurückhaltender Fahrweise 51 Kilometer weit. Der gesamte Aktionsradius liegt bei knapp 660 Kilometer, der durchschnittlichen Verbrauch auf der GF-Testrunde mit 146 km bei 4,2 Litern Super und 7,9 kWh Strom. Ist der Akku leer gefahren nimmt sich der TSI im Schnitt immer noch verträgliche 6,6 Liter fossilen Brennstoffs.

Auch im Handling ein Cupra

Gleich mit welcher Energie der Cupra Sportstourer eHybrid bewegt wird, zeigt er ein leichtfüßig sattes und präzises Fahrverhalten. In der Kurve ist der sportliche PHEV durch das Zusatzgewicht der 130 Kilo schweren Batterie im Boden scheinbar noch weniger aus der Ruhe zu bringen. Dazu kommt eine leichtgänge, akkurate Lenkung, die blitzschnelles Einlenken einleitet. Die Bremsen passen und das DCC-Fahrwerk serviert einen vortrefflichen Mix aus Präzision und Komfort. Kurz: Das Gesamtpaket bereitet enorm viel Fahrfreude.

Cupra garniert das mit toller Ergonomie, herausragenden Sportsitzen, einem hochmodernem Digital-Cockpit plus familiengerechtem Laderaum. Was will man mehr für 40.095 Euro?