Audi S3 Sportback (Edition One)Gelbwerter Vorteil

Joshua Hildebrand

 · 19.03.2021

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Foto: Jan Bürgermeister

Schlechte Laune? Investieren Sie Ihr Geld in ein bisschen Spaß: zum Beispiel in den neuen Kompakt-Kracher Audi S3 Sportback mit Allrad, 310 PS und 400 Nm!

Es gibt viele Möglichkeiten Geld anzulegen: klassische Anlagen wie Tagesgeldkonten oder kapitalbindende Lebensversicherungen. Mann kann aber auch Wertpapiere oder Aktien kaufen. Alles schön und gut, aber wir setzen an dieser Stelle auf Sachwerte. Vor allem auf jene, die auch noch so richtig Spaß bringen – das beste Heilmittel gegen schlechte Laune und Lockdown-Frust.

Bis Audi den neuen RS 3 von der Leine lässt, bietet sich der S3 gerade zu an. Unser Testwagen, ein 4,35 Meter langer Sportback, fährt in der etwas besser ausgestatteten Edition One vor und fällt nicht zuletzt aufgrund der Lackierung in „Pythongelb Metallic“ auf. Während der Invest für das Sondermodell knapp 55.000 Euro beträgt, gibt es den „normalen“ S3 bereits ab 48.200 Euro. Und da stellt sich die Frage: Was gibt‘s für‘s Geld?

Verlagssonderveröffentlichung

Sport-A3 mit Hightech-Charakter

Dass ein sportlicher A3 etwas Tolles ist, wissen wir bereits seit 1999. Denn da wurde die erste Generation veröffentlicht – schon damals ein echter Golf-R-Konkurrent mit 210 PS und Quattro. Daran hat sich auch über 20 Jahre danach nicht viel geändert – bis auf die Leistung. Denn 310 PS und 400 Nm leistet der Neue. Doch, bevor Sie jetzt protestieren: Ja, er hat nicht mehr PS als der Vorgänger. Doch dafür ist alles andere ziemlich neu: Der Singleframe mit seinem Gitter aus großen Rauten, S3-Emblem und mächtigen Lufteinlässen kündigen den Heißsporn im Rückspiegel an. S3-Schriftzug auf den vorderen Radbremsen, farblich abgesetzte Seitenschweller und ein neu interpretiertes A3-Heck mit typischen S-Insignien wie markantem Dachspoiler, vierflutiger Abgasanlage und Diffusor geben dem S3 die sportliche Note. Serienmäßig fährt die Edition One mit Matrix-LED-Scheinwerfern vor. Schmankerl: Ihr digitales Tagfahrlicht besteht aus einem Pixelfeld von 15 LED-Segmenten, zehn von ihnen bilden zwei vertikale Linien.

Das sportlich-markante Design setzt sich im Innenraum fort – mit dem neuen, kompakten Shifter für die Siebengang-S-Tronic, mit Dekoreinlagen aus Aluminium oder Carbon wie in unserer Edition One. Serienmäßig hat der S3 die digitalen Anzeigen in einem 10,25- Zoll-Display. Unser Testwagen glänzt mit einer noch besseren Ausstattung als das Basismodell und besitzt das Audi Virtual Cockpit Plus mit vielseitig einstellbaren Anzeigen, darunter auch über das Infotainmentsystem einstellbare Layouts wie „Performance“.

Top-Navigation ist übrigens das 10,1 Zoll große „MMI Navigationssystem Plus mit MMI Touch“ für 1.790 Euro. Auch ein Head-up-Display bietet Audi für den S3 an (800 Euro). Hinter dem MMI-Bedienkonzept steht der Modulare Infotainmentbaukasten der dritten Generation (MIB 3). Er hat eine zehnmal höhere Rechenleistung als sein Vorgänger, führt die Konnektivitäts-Aufgaben mit LTE-Advanced-Geschwindigkeit aus und integriert einen WLAN-Hotspot. Auch wenn sich der S3 im Interieur wertig, schick und modern präsentiert, fehlt uns jedoch der Charme vorangegangener Modelle – Beispiel: S3-Emblem im Tacho. Wäre nicht der rot umrandete Startknopf, so würde es kaum möglich, den S3 von einem A3 mit S-Line-Paket zu unterscheiden.

Nichtsdestotrotz liegt der Fokus bei ihm eh auf dem Fahrspaß. Immerhin der Hauptgrund, warum sich A3-Käufer ganz bewusst für das Sportmodell entscheiden. Mit der Vierlenker-Hinterachse und der Progressivlenkung bietet das Fahrwerk schon serienmäßig beste Voraussetzungen für großen Fahrspaß. Unser Audi besitzt zusätzlich die Option des S-Sportfahrwerks mit adaptiver Dämpferregelung für 760 Euro. Jenes legt den S3 nicht nur um 15 Millimeter tiefer, sondern macht ihn auch wandlungsfähiger. Vor allem in der Drive-Select-Einstellung „Comfort“ (und darüber hinaus) verhält er sich enorm wohlwollend auf der Langstrecke.

Fahraktiv in allen Lebenslagen

In den Dämpfern steuern Ventile den Öldurchfluss, so passen sie sich in Tausendstelsekunden einzeln und permanent dem Straßenzustand, der Fahrsituation und dem Wunsch des Fahrers an. Die Spreizung zwischen Komfort und Dynamik via Drive Select ist somit noch größer als beim Vorgängermodell – und das merkt man deutlich! Hinzu kommen Schub en masse und Traktion ohne Ende – selbst bei Nässe. Der edle Kompakt-Audi sprintet in 4,8 Sekunde auf Tempo 100, die Messanlage bestätigt dies. Das Ende der Fahnenstange ist übrigens erst bei 250 km/h erreicht, mehr als genug. Was ein bisschen fehlt: der typische S3-Klang alter Tage. Das wird zwar im Innenraum künstlich verstärkt, nach außen hin gibt er sich aber eher dezent. Hierfür den schwarzen Peter an Audi abzudrücken, wäre nicht fair. Das aktuelle Bundes-Immissionsschutzgesetz will es so. Freude machen die blitzschnell schaltende Siebengang-S-Tronic samt Freilauf sowie der Allradantrieb Quattro, welcher dank hydraulischer Lamellenkupplung die Radmomente je nach Bedarf vollvariabel zwischen vorn und hinten verschieben kann. Das Management übernimmt der modulare Fahrdynamikregler – ein neues System, das den Quattro-Antrieb eng mit der Elektronischen Stabilisierungskontrolle (ESC) und den geregelten Dämpfern vernetzt. Dadurch ergibt sich ein noch direkteres Fahrverhalten mit weniger Rollbewegungen der Karosserie sowie ein lastwechselfreundliches, keinesfalls unsicheres Handling. Die Lenkung ist knackig straff, wirkt jedoch eine Spur synthetisch. Wer den richtigen Scheitelpunkt nicht ganz treffen sollte, wird schlussendlich dank elektronischer Differenzialsperre an der Vorderachse mit kurzen Bremseingriffen bestmöglich in der Spur gehalten. Ein neuer, elektrischer Bremskraftverstärker tut sein Übriges. Genauso wie vielen Sicherheits- und Fahrassistenzsysteme, die im empfehlenswerten Assistenzpaket mit MMI Navigation Plus (2.880 Euro) viele Extras wie einen teilautonomen Fahrassistenten bereithält. Es fährt also auch viel Hightech mit im neuen S3 – deswegen ist er mit knapp 1.600 kg auch nicht der Leichteste. Dafür ist er ein echter Spaßgarant, der mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,0 Litern Benzin auch nicht übermäßig durstig ist. Die Rechnung ist ganz einfach: Wer Spaß hat, der lacht. Und Lachen ist bekanntlich gesund. Viel besser investieren kann man eigentlich gar nicht …


Test kompakt:

Dass der 310 PS starke S3 abgeht wie ein Zäpfchen, ist kaum verwunderlich. Aber wie traktionsstark die neue Generation um Kurven geht, ist wirklich unglaublich – neuem Fahr­dynamikregler sei Dank. Hinzu kommen die tollen Bremsen und das anpassungsfähige Adaptivfahrwerk. Nur der Sound könnte kraftvoller und der Einstiegspreis günstiger sein …