Kaufberatung: Passat

Im großen Stil

25.01.2016 Magdalena Weinle - Die Nummer Eins der Mittelklasse ist begehrter denn je. Limousine, Variant oder Alltrack: Welcher Passat darf es sein? GUTE FAHRT zeigt für jeden Geschmack den Passat, der passt

Haben Sie viel Familie oder viele Verwandte? Bauen Sie gern Modellflugzeuge oder gerade ein Haus? Machen Sie oft große Feste oder öfter große Ferien? Gründen Sie vielleicht bald eine neue Firma oder einen neuen Verein? Dann passt der Passat. Okay, erwischt! Die Fragen stammen nicht von uns, sondern aus dem Variant-Verkaufsprospekt von 1974. Seit gut 40 Jahren und acht Modellgenerationen ist der Passat eine feste Größe und nach wie vor der Deutschen liebster Mittelklassewagen. Von Januar bis Oktober 2015 wurden laut KBA-Statistik über 81.000 Exemplare neu zugelassen; der Abstand zum zweitplatzierten Wettbewerber (knapp 58.000 Fahrzeuge) ist beeindruckend.

© Stefan Bau

Das Gros der hierzulande verkauften Passat rollt als praktischer Variant vom Band, den es neuerdings auch im alpinen Alltrack-Dress gibt. Die Limousine führt in ihrem Heimatland eher ein Nischendasein, dafür aber ein glanzvolles, da sie vorzugsweise mit nobler Ausstattung geordert wird. Schauen wir uns die drei Passat-Modelle genauer an, zuerst die sportlich-elegante Limousine: Knapp 4,8 Meter lang, 1,83 Meter breit und 1,45 Meter hoch – das nennt man einen großen Auftritt. Der Radstand ist gegenüber dem Vorgängermodell um 79 Millimeter gewachsen, was zum einen knackige Überhänge, zum anderen ein Plus an Innenraumlänge (33 Millimeter) beschert.  

Wer Passat sagt, meint meistens Variant

Apropos Innenraum: In Sachen Kopf- (v/h 973/961, Variant: 980 mm), Bein- (v/h 1.053/960 mm) und Ellenbogenfreiheit (v/h 1.466/1.511 mm) schenken sich Limousine und Kombi erwartungsgemäß nichts. Und beim Laderaum? Die Breite ist mit gut einem Meter identisch, ebenso die Länge von 1,1 Meter. Während die Limousine minimal 586 Liter packt, sind es beim Variant 650 Liter. Jetzt die Höhe: Bei der Limo ist sie naturgemäß überschaubar, beim Kombi misst sie 83 Zentimeter. Und die machen den großen Unterschied aus: Bei umgeklappter Rückbank und dachhoher Beladung nimmt das Variant-Frachtabteil bis zu 1.780 Liter auf. Werden in der Limousine die Rückbanklehnen umgeklappt, sind es immerhin bis zu 1.152 Liter.  

© Stefan Bau
In Sachen innere Größe, Anmutung und Exterieur-Design ist der Passat Variant der Mittelklasse deutlich nach oben entrückt. Schön, dass der Preis dies nicht tat 

Der Preisdifferenz ist wiederum gering: Für die Limousine verlangt VW mindestens 26.075 Euro, für den günstigsten, identisch ausgestatteten Variant 1.075 Euro mehr. Limo oder Kombi ist also vor allem eine Frage des Platzbedarfs. Warum sollte es aber überhaupt ein Passat sein? VW hat schließlich einige interessante Alternativen im Angebot. Limousinen-Freunde könnten auch mit dem Jetta liebäugeln: Er ist als 1.4 TSI mit 125 PS, also dem Passat-Basisbenziner, 2.550 Euro günstiger, und dabei nicht viel kleiner. Der Passat rechtfertigt jedoch seinen Aufpreis durch einen wertigeren Auftritt und eine umfangreichere Serienausstattung. Eine Alternative zum Passat Kombi wäre der Golf Variant (Vergleichstest in GF 5/2015). Hier verhält es sich wie bei den Limousinen: Während ein vergleichbarer Golf Variant circa 5.000 Euro günstiger ist und jede Menge Platz bietet, ist der Passat schlichtweg der souveränere und elegantere Kombi.

Bereits in der Grundausstattung Trendline wird jede Menge geboten. Radio und Klimaanlage sind selbstverständlich, ebenso ein Multifunktionslenkrad und eine Mittelarmlehne vorn. Serienmäßige Aluräder hätten wir an einem derart stattlichen Wagen auch erwartet – womit wir gleich beim Thema wären: Wenn schon Passat, dann richtig. Wer bereit ist, mindestens 26.000 in ein neues Auto zu investieren, der wird auch 2.000 Euro mehr berappen, wenn er dafür eine Top-Ausstattung erhält. Die heißt Comfortline und bildet die Basis für den ersten unserer sechs GF-Kauftipps (sämtliche Konfigurationen mit allen technischen Details sind weiter unten kostenlos downloadbar).

© Volkswagen

Preis-Träger heißt unser erster Passat, ein Variant, der möglichst viel für möglichst wenig Geld bietet. Vom Versuch, einen Trendline mit Sonderausstattungen auf Comfortline-Niveau zu bringen, ist abzuraten. Er käme unterm Strich teurer. Gleichzeitig müsste man auf Features wie Komfortsitze oder Ablagetaschen an der Vordersitzrücklehnen verzichten, weil sie schlichtweg nicht orderbar sind. Also am besten gleich den Comfortline nehmen und sich über 16 Zoll große Leichtmetallräder, Netztrennwand, Nebelscheinwerfer, Parkpiepser und vieles mehr freuen. Dazu gönnen wir uns das Gepäckraumteiler-Paket, das unter anderem Staufächer in der Reserveradmulde bietet, das Winterpaket mit Sitzheizung und die umklappbare Beifahrersitzlehne, die das Einladen besonders langer Transportgüter ermöglicht. Mit den 125 respektive 120 PS starken Basismotoren 1.4 TSI und 1.6 TDI kommt das Vernunftmodell auf rund 30.000 bis 32.000 Euro.

Der Kombi für die große Fahrt

In der 40.000-Euro-Liga spielt unser Komfort-Kombi. Er basiert ebenfalls auf dem Comfortline, packt aber noch eine Schippe an Technik drauf, etwa mit dem empfehlenswerten Business-Paket. Das klingt ein wenig nach Schlips und Aktentasche, hat aber auch in einem Familienmobil seine Berechtigung. Es beinhaltet für rund 1.100 Euro unter anderem eine 230-Volt-Steckdose, die feinfühligere Climatronic, das hochwertigere Radio Composition Media und eine Freisprechanlage. Die Ersparnis gegenüber der Einzelbestellung dieser Posten beträgt rund 500 Euro. Keinen Preisvorteil, dafür aber ein Plus an Ladekomfort bietet das Gepäckmanagement-Paket mit verschiebbaren Verzurrösen, Spanngurt und Ladekantenschutz. Die adaptive Fahrwerksregelung darf im Komfort-Kombi ebensowenig fehlen wie ein automatisch schaltendes Doppelkupplungsgetriebe. Dieses kombinieren wir mit einem 150 PS starken Motor, entweder dem 1.4 TSI ACT oder dem 2.0 TDI. Prinzipiell würden auch die Einstiegsmotoren genügen, doch wenn es mit mehr Personen und Gepäck auf größere Tour geht, sind ein paar zusätzliche Pferdestärken nicht verkehrt.

Ökologisch korrekter Außendienstler

Richtig viele Meilen spult der Business-Partner ab, der Passat für Geschäftsreisende. Auch hier ist der Variant Comfortline erste Wahl, der aufgrund der stolzen Laufleistung als TDI mit DSG geordert wird. Und wieso nicht gleich als Blue Motion mit 150 PS? Laut VW kommt er mit wenig mehr als vier Litern Diesel pro 100 Kilometer aus und bietet dabei ausreichend Leistungsreserven, um souverän von Termin zu Termin zu reisen. In Sachen Sonderausstattung können wir uns weitgehend am Komfort-Kombi orientieren: Das Business-Paket ist Pflicht, wobei hier die Premiumausführung das Rennen macht. Sie wartet zusätzlich mit Navisystem, Winterpaket und automatischer Distanzregelung auf. Adaptive Fahrwerksregelung, Gepäckmanagement und App-Connect zur Smartphone-Anbindung sind ebenso empfehlenswert. Vielleicht muss auch mal richtig viel zum Kunden oder zur Messe transportiert werden. Dann macht sich die Hängerkupplung bezahlt, die am besten gleich mit der Rangierhilfe Trailer Assist kombiniert wird. Summa summarum kommt der Business-Partner auf rund 43.500 Euro. Übrigens: Er eignet sich auch hervorragend als Familien-Kombi.

Plug-In-Hybrid mit Hightech-Ausstattung

© Bau, Bürgermeister
Passat GTE

Jetzt wollen wir mehr Hightech wagen und zwar mit dem Hightech-Wagen Passat GTE (Test in GF 11/2015): Der Plug-In-Hybrid wird von einem 1.4 TSI mit 156 PS und einer 115 PS starken E-Maschine angetrieben. Im Duett entsteht eine Systemleistung von 219 PS. Rein elektrisch sollen bis zu 50 Kilometer möglich sein. Der 50-Liter-Benzintank und die voll aufgeladene Batterie können für gut 1.100 Kilometer reichen. Die volle Ladung bietet auch die Serienausstattung: LED-Scheinwerfer, Komfortsitze, Radio Composition Media, Climatronic – ja, für die 44.250 beziehungsweise 45.250 Euro, die für die Limousine und Variant zu Buche schlagen, bekommt man einiges geboten. In dieser Preisklasse fällt die Bestellung extravaganter Zusatzausstattungen leicht. Dazu zählen das Active Info Display, also das volldigitale Kombiinstrument, sowie das Head-up Display, dass alle relevanten Informationen an die Windschutzscheibe projiziert. Das Fahrassistenz-Paket Plus, das die volle Armada an Helferlein für alle möglichen Situationen bietet, darf ebenso an Bord wie das Easy-Open-Paket, mit dem sich die Heckklappe berührungsfrei durch eine gezielte Fußbewegung öffnen lässt. Bei unserem GTE ist es allerdings keine Heck- sondern eine Kofferraumklappe. Der hier beschriebene Hightech-Wagen ist nämlich eine Limousine, der das Science-Fiction-Outfit besonders gut steht. Mit den genannten und weiteren Extras wie dem adaptiven Fahrwerk stößt sie in 50.000-Euro-Sphären vor.

Freizeit-Gaudi mit dem Alltrack

© Volkswagen
Passat Alltrack (2015)

In diesen Höhen bewegt sich auch der Berg-Sportler dieser Kaufberatung. Richtig, jetzt ist vom Passat Alltrack die Rede (Test in GF 12/15). Allein schon das fesche Gelände-Outfit verspricht eine Gaudi, ebenso die drallen Motoren mit 220 PS (TSI) und 190 PS (TDI). Allradantrieb und Offroad-Fahrprogramm laden zum Kraxeln ein. Die Serienausstattung? Eigentlich komplett, sogar die adaptive Fahrwerksregelung ist selbstverständlich. Unser empfohlenes Extra-Paket, das den Freizeitspaß mit Anhängerkupplung und Fahrassistenten erhöht, ist weniger Pflicht als Kür.

Nur das Beste zum Schluss

Adel verpflichtet aber schon. Deshalb müssen wir bei der Luxus-Limousine richtig Gas geben, am besten mit dem 280 PS starken Spitzen-Benziner oder dem Top-TDI mit 240 PS. An der noblen Highline-Ausstattung führt auch kein Weg vorbei: LED-Scheinwerfer, Alcantara, 17-Zoll-Alus, adaptives Fahrwerk, alles vom Feinsten. Damit es nicht zu gediegen wird, dafür sorgt das R- Line Paket, das dem Exterieur und Interieur eine sportliche Note verleiht. Das VIP-Gefühl im Fond wird von getönten Scheiben und Rollos verstärkt. Dazu noch ein brillantes Soundsystem und allerlei Assistenzsysteme. Gut 60.000 Euro kostet die volle Ladung Luxus. Ein Basis-Phaeton ist fast 30.000 Euro teurer.

Hier stehen unsere Konfigurationen mit allen Serien- und Sonderausstattungen sowie technischen Daten parat (Stand: Dezember 2015).

Viel Spaß beim Passat-Shopping!

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